Völlig losgelöst: Skulptur im Weltraum verschollen

Eine im Dezember 2018 ins Weltall geschossene Skulptur sollte das erste Kunstwerk werden, das von überall auf der Erde gesehen werden könnte. Doch leider fehlt aktuell jede Spur. Hier ist die ganze Geschichte der Satelliten-Skulptur.

Foto: ©Trevor Paglen und das Nevada Museum of Art
Foto: ©Trevor Paglen und das Nevada Museum of Art

Am 3. Dezember 2018 machte sich die SpaceX Falcon 9-Rakete von der kalifornischen Air Force Base Vandenberg auf die Reise, um 64 Satelliten von 34 Organisationen und 17 Ländern an ihren Ort der Bestimmung zu bringen.

Unter all diesen Satelliten, die hauptsächlich der Beobachtung, Kommunikation und wissenschaftlichen Forschung dienen sollten, befand sich einer, der kein anderes Ziel verfolgen sollte, als Menschen in den Himmel schauen und sie dort ein ungewöhnliches Objekt entdecken zu lassen.

Der Erschaffer dieses Satelliten, Künstler Trevor Paglen, hat viele Jahre an diesem Projekt gearbeitet und es mehren Tests unterzogen, bevor es die Reise in den Weltraum antreten durfte. "Mein Ziel war es, etwas zu schaffen, dass die Menschen animieren sollte, in den Himmel zu schauen und dabei über alles mögliche nachzudenken: über Planeten und Satelliten, Himmelskörper und öffentliche Plätze und sich dabei zu fragen, was es bedeutet, auf diesem Planet zu sein", sagte Paglen gegenüber Wired.

Der Künstler Trevor Paglen in Studio City, Kalifornien | Foto: ©Maggie Shannon
Der Künstler Trevor Paglen in Studio City, Kalifornien | Foto: ©Maggie Shannon

Die Realisierung des Projektes wurde durch die Unterstützung durch das Nevada Museum of Art in Reno, Nevada ermöglicht, das einen erheblichen Teil der Kosten übernahm (ca. 1,3 Millionen Euro). Weitere Gelder konnten mithilfe privater spender und einer Kickstarter-Kampagne zusammengetragen werden. Paglen beschreibt sein Werk als "ersten Satelliten, der ausschließlich als künstlerische Geste existiert."

Doch was genau ist dieser Satellit mit dem Namen Orbital Reflector? Nach seiner 350 Meilen weiten Reise in den Orbit des Planeten Erde soll sich dort eine kleine Seitenluke des Satelliten öffnen, damit sich das Werk entfalten kann, das schließlich die Form eines gigantischen Diamanten hat. Hergestellt wurde die Struktur aus Mylar, ein sehr dichtes Polyethylen, das von einem Mantel aus Titandioxid umgeben ist. Das Material ermöglicht es dem Werk, das Sonnenlicht wie ein Spiegel zu reflektieren, sodass es wie ein Stern aussieht, wenn es von der Erde aus betrachtet wird.

Orbital Reflector sollte für jeden sichtbar sein, der bei klaren Wetterverhältnissen zur richtigen Zeit am richtigen Ort in den Himmel schauen würde. "Das Ziel war es einen Satelliten zu schaffen, der das genaue Gegenteil zu allen anderen darstellen sollte", sagt der Künstler. Tatsächlich verfügt Orbital Reflector über keinerlei Funktion und sollte nach zwei oder drei Monaten langsam zur Erde zurücksinken und sich beim Eintritt in die Atmosphäre auflösen.

Paglen mit seinem Prototyp für einen nichtfunktionalen Satelliten (Design 4; Build 4), 2013 | Foto: ©Altman Siegel Gallery and Metro Pictures
Paglen mit seinem Prototyp für einen nichtfunktionalen Satelliten (Design 4; Build 4), 2013 | Foto: ©Altman Siegel Gallery and Metro Pictures

Im Laufe seiner Karriere hat Trevor Paglen mehrere Projekte veröffentlicht, mit denen er auf Vernachlässigungen durch die Regierung aufmerksam machte. Mittlerweile gilt er als einer der prägnantesten Künstler der sich mit den heutigen Herausforderung für Intimität und Sicherheit in unserer Ära der Überwachung mithilfe von technologischen Kunstwerken auseinandersetzt.

Dieses vergängliche Kunstwerk würde daher der logische nächste Schritt in Paglens Karriere bedeuten. Der Künstler lädt die Betrachter dazu ein, die "Weltraumindustrie" infrage zu stellen und darüber nachzudenken, wie sehr der Himmel mittlerweile vom Menschen, in guter wie auch in böser Absicht, vereinnahmt wird. Paglen äußerte sich auch dementsprechend über einen der anderen Satelliten, die zusammen mit Orbital Reflector auf Reisen gingen, und nannte diesen "ein Spionagesatellit. Natürlich würden sie ihn nicht so nennen, doch es ist offensichtlich, um was es sich handelt."

Foto: ©Trevor Paglen und das Nevada Museum of Art
Foto: ©Trevor Paglen und das Nevada Museum of Art

Das Projekt ist äußerst innovativ, wurde aber auch wegen seiner exorbitanten Kosten kritisiert. Das Nevada Museum of Art war jedenfalls sehr kreativ, um das Projekt möglich zu machen und zu organisieren. Das Museum hat sogar ein Programm rund um die Idee entwickelt und übernimmt einen Teil der Verantwortung, sollte das Projekt scheitern - eine riskante Wette für ein Museum, doch das stand für die dortigen Entscheidungsträger nicht im Vordergrund. Das Museum verfügt über ein gewaltiges Archiv mit Land Art und betrachtet Paglens Kreation als "ein Land Artwork im Himmel".

Nach Meinung von Zia Oboodiyat, dem Chefingenieur des Projekts, entwickelt sich die Weltraumindustrie. Anstatt hunderte Millionen Dollar auszugeben, ist es heutzutage möglich, einen eigenen Satelliten für eine oder zwei Millionen Dollar zu bauen und Experimente durchzuführen.

Foto: ©Trevor Paglen und das Nevada Museum of Art
Foto: ©Trevor Paglen und das Nevada Museum of Art

Laut eines Statements des Nevada Museum of Art konnte der Palgen-Satellit bisher noch nicht lokalisiert werden. Seit Wochen halten Weltraumenthusiasten und Kunstfreunde den Atem an und hoffen, dass das Objekt bald am Himmel erscheinen möge. Damit dies geschehen kann, muss der Satellit, so wie auch seine 64 "Mitreisenden", von einer Abteilung der US Air Force identifiziert werden, damit ihr Weg durch den Orbit verfolgt werden kann. Bislang ist das bei lediglich der Hälfte der Satelliten vom 3. Dezember geschehen. Orbital Reflector war keiner davon und darf daher seine eigentliche Struktur noch nicht entfalten.

Nicht selten formen mehrere Satelliten eine Art Bündel und sind daher zu dicht beieinander, um ihre Mission ausführen zu können. Da die Struktur des Orbital Reflector fast 30,5 Meter lang ist, müssen die Ingenieure sicher sein, dass er genügend Platz hat, um sich entfalten zu können. Bis es soweit ist, kann das team des Projekts lediglich mit dem Satelliten kommunizieren, um wenigstens seine Funktionstüchtigkeit im Auge zu behalten.

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Die Falco 9-Rakete, die den Orbital Reflector ins Weltall brachte, gehört SpaceX, jenem von Elon Musk 2002 gegründeten Unternehmen, das die Nummer 1 der privaten Unternehmen für Weltraumtransporte darstellt. Lesen Sie hier, welches andere Projekt von SpaceX geplant ist.

 

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