Muholis Kunst
Zanele Muholi kam 1972 in Südafrika zur Welt, ist heute in den Bereichen Fotografie, Video und Installation tätig und beschreibt sich selbst als visuelle Aktivistin statt als Künstlerin. Der Grund dafür beruht auf ihrem Engagement für eine erhöhte Sichtbarkeit der Menschen der LGBTQIA+-Community seit den frühen 2000er Jahren. Die meisten ihrer Kunstwerke haben zum Ziel, den kunsthistorischen Kanon zu ergänzen und zu erweitern.
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Geboren wurde Muholi als jüngstes von acht Kindern in dem zur Stadt Durban gehörenden Township Umlazi an der Ostküste Südafrikas. Muholis Vater starb bereits kurz nach ihrer Geburt, sodass ihre Mutter alleine für den Unterhalt der Familie aufkommen musste. Sie ging fort, um als Hausangestellte zu arbeiten, während ihre Kinder in einer Großfamilie aufwuchsen.

Zanele Muholi studierte Advanced Photography am Market Photo Workshop in Johannesburg und machte ihren Master in Dokumentar Media an der Ryerson University in Toronto. 2013 wurde sie zur Honorarprofessorin für Video und Fotografie an der Hochschule für Künste Bremen ernannt. Heute lebt und arbeitet sie in Johannesburg.
Arbeit und künstlerischer Stil
Das Grundthema von Muholis Werk ist die Thematisierung und Visualisierung der queeren Identität und Politik im Südafrika nach der Apartheid. Sie vermeidet die stereotypen Darstellung von Schwarzen und zielt mit ihrer Arbeit darauf ab, die queere Community objektiv für zukünftige Generationen zu erfassen und dabei deren Herausforderungen zu dokumentieren. Doch konzentriert sie sich dabei im Gegensatz zu den meisten anderen Aktivisten keineswegs auf Negativität und Gewalt, sondern ist bemüht, Individualität einzufangen.

Muholi Betrachter ihre Porträts als kollaborative Bemühungen und bezeichnet die von ihr dargestellten Personen als „Teilnehmer“ und nicht als „Objekte“. Daher lädt sie die Porträtierten zu Veranstaltungen und Ausstellungen ein, um der Visualisierung eine Stimme zu verleihen.
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In ihrer frühen Serie Only Half the Picture (2003-06) stellte sie intime Momenten intensivem Leiden gegenüber. Sie kommentierte das Trauma und die Gewalt, denen die LGBTQIA+-Community in Südafrika trotz der Gleichberechtigung, die die Regierung in ihrer Verfassung von 1996 versprochen hatte, weiterhin ausgesetzt war.
Faces and Phases
Die bekannteste Fotoserie Zanele Muholis ist Faces and Phases. Für dieses noch andauernde Projekt porträtiert die Aktivistin Schwarze Lesben und Transgender-Personen. Die Dargestellten blicken direkt in die Kamera und damit ins Auge des Betrachters. Jedes dieser Schwarz-Weiß-Porträts wird von einer Zeugenaussage begleitet, die verdeutlicht, wie viele dieser Personen Hassverbrechen überlebt oder „korrigierende Vergewaltigungen“ aufgrund ihrer sexuellen Identität erlitten haben. Nicht wenige haben sich mit HIV infiziert. Die Porträts bilden ein stetig wachsendes Archiv von Menschen, die authentisch und ohne Angst leben.

Faces and Phases reagiert auf die anhaltende Gewalt, denen die LGBTQIA+-Community in Südafrika ausgesetzt ist. Mit dieser Serie möchte Muholi die Stigmatisierung und Tabus, die mit queeren Identitäten verbunden sind, ausgleichen. Die Arbeit stellt demokratisch dar, was es bedeutet, Südafrikaner zu sein: Die Bilder „schreiben eine schwarze, queere und transvisuelle Geschichte Südafrikas neu“, so Mulholi.
Aktuelle Arbeiten, Auszeichnungen und Preise
Muholis neueste Serie ist Somnyama Ngonyama (Hail the Dark Lioness). In diesen Fotografien ist Muholi sowohl Teilnehmerin als auch Fotografin, indem sie die Kamera auf sich selbst richtet richtet. Indem Muholi die Dunkelheit ihrer Haut übertreibt, fordert sie ihr Schwarz-Sein zurück und gleicht die typischen Bilder schwarzer Frauen in den heutigen Mainstream-Medien aus. Im Gegensatz zu diesen Stereotypen, die hypersexualisiert oder wütend sind, präsentiert sich Muholi als intelligent, kraftvoll und spirituell. Muholis Selbstporträts in Somnyama Ngonyama, die mit verschiedenen Charakteren experimentieren, verweisen auf bestimmte Ereignisse in der politischen Geschichte Südafrikas.
Zanele Muholi kann viele Erfolge und Ehrungen aufweisen. 2015 kam sie in die engere Auswahl für den Fotografiepreis der Deutschen Börse, ein Jahr später erhielt sie den Infinity Award des International Center of Photography. 2018 folgte eine Honorary Fellowship der Royal Photographic Society.

Ihre Arbeiten wurden bereits in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt: 2004 in der Johannesburg Art Gallery, 2006 in der Kunsthalle Wien, 2014 im Schwulen Museum in Berlin und 2017 im Stedelijk Museum in Amsterdam – um nur einige zu nennen.
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Auch auf dem Auktionsmarkt konnte sich die Südafrikanerin etablieren und erzielt mit ihren Arbeiten Ergebnisse im fünfstelligen Bereich. Ihr aktueller Auktionsrekord wurde in diesem Jahr aufgestellt, als Babaza I, Philadelphia aus der Serie Somnyama Ngonyama von 2019 am 22. April für 23.750 GBP (27.906 Euro) bei Sotheby’s in London versteigert wurde und damit 138% über dem Schätzpreis lag.
Zanele Muholi ist auch weiterhin aktiv. Halten Sie also heute und in Zukunft Ausschau nach ihren Projekten!
Weitere Künstlerbiografien finden Sie im Barnebys Magazin.
Artikel von Amanda Andrade



