Die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris sind beendet und neben den vielen großartigen Leistungen der Athletinnen und Athleten aus aller Welt ist uns vor allem die spektakuläre Eröffnungsfeier im Gedächtnis geblieben, bei der auf und entlang der Seine so einiges geboten wurde und die mit dem Auftritt der am Stiff-Person-Syndrom erkrankten Céline Dion so ergreifend endete.
Für die meiste Aufregung sorgten jedoch nicht etwa die geköpften Ah! Ça ira singenden Marie Antoinettes in der Fenstern der Conciergerie, sondern jener Teil der Feier, der sich auf der Passerelle Debilly, einer Fußgängerbrücke, die sich, Seine-abwärts betrachtet, kurz vor dem Eiffelturm befindet, abspielte. Auf einem langen Catwalk gab es ein Schaulaufen von Drag Queens und weiteren Personen, das in einer musikalischen Performance des blau angemalten Sängers Philippe Katerine gipfelte. Rechts und links des Catwalks saßen – wie bei einer Modenschau üblich – weitere Personen mit der von einer Art Strahlenkranz bekrönten DJ und Aktivistin Barbara Butch in der Mitte.
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Dass es hier kritische Stimmen geben würde, dürfte sowohl dem Veranstalter, als auch dem Regisseur Thomas Jolly schon vorab klar gewesen sein. Doch damit, dass sich sogar der Vatikan einschalten würde, hatten sie vielleicht nicht gerechnet. Grund dafür war der schnell gezogene Vergleich mit Leonardo da Vincis berühmtem Wandgemälde Das letzte Abendmahl im Speisesaal des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand. Die in Paris dargebotene Szene wurde vom Heiligen Stuhl als „Beleidigung vieler Christen und Gläubiger anderer Religionen“ aufgefasst.

Doch bestritt Thomas Jolly umgehend, dass Leonardos Werk als Inspirationsquelle für die Szene gedient hatte. Vielmehr habe bei seiner Planung immer Dionysos, der griechische Gott des Weins, im Mittelpunkt gestanden.
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Doch ein „Inspirations-Ersatz“ für Das letzte Abendmahl war schnell gefunden und die Kunde verbreitete sich in den Sozialen Medien: Festmahl der Götter des niederländischen Barockmalers Jan van Bijlert (um 1598-1671), das in den 1630er Jahren entstand und rund 300 Jahre später sein aktuelles Zuhause im Musée Magnin in Dijon fand. Das Museum sieht sich nach der Eröffnungsfeier mit einem erheblichen Anstieg seiner Besucherzahlen konfrontiert – eine für ein Museum selbstverständlich positive Entwicklung, die das Magnin selbst mit einem Instagram-Post weiter befeuerte, indem es zu einem Foto des Gemäldes schrieb: „Ce tableau vous rappelle quelque chose? 😉 C’est le moment ou jamais de venir l’admirer au musée national Magnin, à Dijon !“ („Erinnert Sie dieses Gemälde an etwas? 😉 Jetzt oder nie ist der Moment, es im Nationalmuseum Magnin in Dijon zu bewundern!“).
„In normalen Zeiten für das Jahr 2024 konnten wir durchschnittlich etwa 61 Besucher pro Tag begrüßen, jetzt haben wir etwa 230 Besucher im Museum“, berichtete Leslie Weber-Robardet, Kommunikationsmanagerin des Musée Magnin, auf BFMTV.com. Noch gewaltiger ist der Anstieg der Besucherzahl auf der Website des Museums, die bislang bei 150 am Tag lag – jetzt sind es 150.000.

In seinem Werk stellte Jan van Bijlert, ein Vertreter der Utrechter Caravaggisten, eine festliche Tafel dar, an der die Götter des Olymps Platz genommen haben und von einem tanzenden Satyr unterhalten werden. Zu sehen sind etwa Artemis, Aphrodite, Poseidon und an zentraler Stelle Apollon. Dionysos ist im Vordergrund abgebildet, wie er, halb liegend, halb sitzend, im Begriff ist, von einer Weinrebe zu naschen – eine Darstellungsweise, die durchaus an Philippe Katerines Rolle bei der Eröffnungsfeier erinnert. Auch allgemein ergibt die Wahl eines Motivs mit den olympischen Göttern Sinn, bedenkt man den Ursprung der Olympischen Spiele in der griechischen Antike. Ja, sogar der mittig platzierte Apollon ist in Barbara Butch wiederzuerkennen, ist sein Haupt auf van Bijlerts Gemälde doch ebenfalls von einem Strahlenkranz umgeben, während seine Lyra in der Pariser Interpretation durch ein DJ-Pult ersetzt wurde.
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Ob man nun ein Fan der umstrittenen Szene ist oder nicht, lässt sich eine Weisheit festhalten: Nämlich, dass es auch in „unbedeutenden“ Museen viel zu entdecken gibt und sich ein Besuch auf jeden Fall lohnt.
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