Lois Mailou Jones war eine der ersten Malerinnen, die traditionelle afrikanische Kunstformen mit westlichen Traditionen verband. Sie malte an der Seite von Émile Bernard, stellte in Pariser Salons aus, unterrichtete in Haiti und repräsentierte das tägliche Leben der Afroamerikaner in New York, während sie sich als eine der Figuren der Harlem Renaissance etablierte. Diese faszinierende Mischung der Kulturen macht sich mittlerweile auch auf dem Auktionsmarkt bemerkbar, wo die Preise für Lois Mailou Jones' Werke stetig steigen.
Lois Mailou Jones wurde am 3. November 1905 in Boston als Tochter von Thomas Vreeland und Carolyn Jones geboren. Ihr Vater arbeitete zunächst als Bauaufseher, bevor er Jura studierte und als erster Afroamerikaner die Suffolk Law School mit einem Abschluss verließ. Von ihren Eltern ermutigt, begann Jones bereits in jungen Jahren mit dem Zeichnen und Malen und entwickelte eine Vorliebe für Aquarelle. Als sie mit ihren Eltern auf die Insel Martha's Vineyard umzog, lernte sie schließlich die Leute kennen, die ihre Arbeitsweise signifikant beeinflussen sollten.

Umgeben von etablierten Künstlern wie der Bildhauerin Meta Warrick Fuller, dem Komponisten Harry T. Burleigh und der Schriftstellerin Dorothy West, folgte Jones ihrer Berufung und besuchte zwischen 1919 und 1923 Abendkurse am Boston Museum of Fine Arts. Aufgrund ihres großen Talents hatte sie ihre erste Einzelausstellung bereits im zarten Alter von 18 Jahren auf Martha's Vineyard. Parallel dazu arbeitete sie im Atelier für Textildesign von Grace Ripley. Dort entstand auch ihr Interesse an afrikanischen Masken.
Als passionierte Studentin schloss sie ihr Studium an der School of the Museum of Fine Arts im Jahr 1928 erfolgreich ab.
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Nach ihrem Studium fühlte sich dazu berufen, selbst zu unterrichten. Vom Boston Museum, wo sie als ausgezeichnete Studentin auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde sie abgelehnt, indem der Direktor ihr nahelegte, in den Süden zu gehen und dort zu arbeiten, wo "Leute wie sie" lebten. 1928 erhielt sie durch Charlotte Hawkins Brown eine Anstellung am Palmer Memorial Institute in North Carolina, wo sie – erst 23 Jahre alt – den Fachbereich Kunst gründete.
1930 wechselte an die Howard University in Washington, D. C. (eine angesehene Hochschule, die auch "Black Harvard" genannt wurde, da dort bis zum Ende der Rassentrennung Afroamerikaner studieren konnten), wo sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1977 blieb. Neben ihrer Tätigkeit als Mentorin entwickelte sie ihren eigenen Stil weiter und unterstützte Kunst und Künstler der afroamerikanischen Community.

Ihre Methode war eng mit den Künstlern der Harlem Renaissance verbunden, vor allem mit Aaron Douglas, der auch Jones' Meisterwerk The Ascent of Ethiopia beeinflusste. Sowohl in den Arbeiten von Jones als auch in denen von Douglas finden sich grafische Elemente und Objekte des afrikanischen Kulturkreises.
1937 ging sie nach Paris, um an der Académie Julian zu studieren. In dem Jahr, das sie in der französischen Hauptstadt verbrachte, führte sie 40 Arbeiten, darunter mehr als über 30 Aquarelle, aus, wobei sie oft im Freien arbeitete und Pariser Straßenszenen in einem impressionistischen Stil schuf. Zwei ihrer Werke wurden im Salon der Société des Artistes Français ausgestellt. Anders als in ihrer Heimat, fühlte sich Jones in Paris sowohl als Person als auch als Künstlerin vollkommen akzeptiert.
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1938 entstand das Gemälde Les Fétiches, das heute im Smithsonian American Art Museum ausgestellt wird. In einem post-kubistischen Stil, der damals in Paris in Mode war, präsentierte sie darin afrikanische Masken. Les Fétiches erwies sich in der visuellen Welt bedeutendes Werk für die Vermittlung der Ideale der Négritude, jener literarischen und politischen Bewegung, die in der Zwischenkriegszeit die kulturelle Identität sämtlicher Völker Afrikas thematisierte.
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Zurück in den Vereinigten Staaten nahm Jones 1941 mit ihrem Werk Indian Shops, Gay Head, Massachusetts am Wettbewerb der Corcoran Gallery in Washington, D. C. teil. Da die Galerie es afroamerikanischen Künstlern damals nicht erlaubte, ihre Werke selber zu präsentieren, bat Jones ihres Freundin Céline Marie Tabary diesen Part für sie zu übernehmen. Sie gewann den Robert Woods Bliss Prize, den Tabary an ihrer statt annahm und ihr anschließend zuschickte. 50 Jahre später, im Jahr 1994, entschuldigte sich die Corcoran Gallery bei der Eröffnung der Ausstellung The World of Lois Mailou Jones für ihr damaliges Verhalten.

1953 heiratete Lois Mailou Jones den haitianischen Künstler Louis Vergniaud Pierre-Noël. Kennengelernt hatten sich die beiden bereits 20 Jahre früher an der Columbia University und waren seitdem in Kontakt geblieben. Die gemeinsamen Reisen nach Haiti beeinflussten Jones' Malerei. 1954 wurde sie von der Regierung der Inselrepublik dazu eingeladen, die Menschen und die Landschaft des Landes zu malen. Ihre Palette bestand aus leuchtenden Farben, und die Verbindung ihres persönlichen Stils mit kubistischen Elementen führte zu einigen der besten Arbeiten ihrer Karriere. Während dieses Aufenthaltes in Haiti unterrichtete sie am Centre d'Art et Foyer des Arts Plastiques in der Hauptstadt Port-au-Prince.
Durch den großen Erfolg kehrten Jones und ihr Ehemann immer wieder nach Haiti zurück, wo sie nach einer herausragenden Ausstellung mit einem staatlichen Orden ausgezeichnet wurde. 1955 wurde sie vom US-Präsident Eisenhower damit beauftragt, ein Porträt des haitianischen Präsidenten und dessen Ehefrau anzufertigen.
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Einen Zuschuss der Howard University nutzend, bereiste Lois Mailou Jones 1970 elf afrikanische Länder. Die Reise hielt sie nicht nur in Gemälden, sondern auch in Interviews mit zeitgenössischen afrikanischen Künstlern fest. Ihre Forschungen inspirierten sie dazu, einige Designs und Muster zu entwerfen, die sie später jedoch in einer großen und komplexen Komposition vereinte. Durch die gekonnte Integration afrikanischer Muster, Masken, Figuren und Textilien in ihre lebendigen Gemälde positionierte sich Jones als Bezugspunkt beim Übergang von der Harlem Renaissance-Bewegung zu einer zeitgenössischen Ausdrucksweise, der ähnliche Themen innewohnen.
1984 wurde in Washington, D. C. der 29. Juli zum Lois Mailou Jones Day erklärt.
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Jones malte bis zum Ende ihrer Karriere in beeindruckendem Tempo und reihte Ausstellungen und Retrospektiven aneinander. Trotz ihres umfangreichen Portfolios an Werken und Themen, ihrer Karriere als Lehrerin und ihrer kulturellen Arbeit wurde Jones oft aus den Geschichtsbüchern ausgeschlossen, da sie sich nie damit zufrieden gab, die Themen zu malen, die für afroamerikanische Künstler als "akzeptabel“ eingestuft wurden.

Die Karriere von Lois Mailou Jones erstreckte sich über einen langen Zeitraum von den 1930er Jahren bis zum ihrem Tod im Alter von 92 Jahren am 9. Juni 1998. Ihr Stil entwickelte sich mit ihren Reisen und Begegnungen, wobei sie verschiedene Einflüsse, Medien und Techniken übernahm. Sie sagte, dass ihr größter Beitrag zur Kunstwelt zweifellos darin bestand, "das Talent Schwarzer Künstler" bewiesen zu haben. Sie lehnte jedes Etikett ab und wollte sich einfach als amerikanische Malerin betrachtet werden, mit einem Œuvre, das ihren Stolz auf ihre afrikanischen Wurzeln und ihre amerikanischen Vorfahren widerspiegelte.
Die stetig steigenden Preise für die Werke der 1998 verstorbenen Künstlerin erreichen auf dem Auktionsmarkt mittlerweile über 50.000 Euro, dem dem aktuellen Rekord, der 2020 erzielt wurde.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 29. Juli 2020




