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Magazin/Münzen & Numismatik/Pecunia non olet: Die Münzen des antiken Rom

Pecunia non olet: Die Münzen des antiken Rom

Für die alten Römer waren ihre Münzen nicht nur Zahlungs- sondern auch Propagandamittel. Entdecken Sie die Taktik und die Geschichten rund um diese numismatischen Schätze.

16. August 2022Giulia Zileri Dal Verme
Eine Auswahl der antiken römischen Goldmünzen, die 1993 bei Ausgrabungen in Trier entdeckt wurden.  Foto via Wikimedia Commons / Lizenz CC BY-SA 3.0 (Detail)

Eine Auswahl der antiken römischen Goldmünzen, die 1993 bei Ausgrabungen in Trier entdeckt wurden. Foto via Wikimedia Commons / Lizenz CC BY-SA 3.0 (Detail)

Seit der Antike widerspiegeln Münzen die Kultur, die sie hervorgebracht hat: politische, soziale und religiöse Vorstellungen wurden immer wieder durch die jeweilige Währungen zum Ausdruck gebracht. Seit die Römer im 3. Jahrhundert v. Chr. mit dem Prägen von Münzen begannen, waren diese von großer Bedeutung für die öffentliche Meinung und dienten oft als Propagandamittel für die Elite.

„Ich habe Ägypten dem Reich der Bürger Roms hinzugefügt“, rühmte sich Augustus in seinen Memoiren. Bereits kurz nach der Eroberung waren Münzen geprägt worden, die das Ereignis darstellten. „Gebt ihnen Brot und Spiele und sie werden sich niemals auflehnen“, riet der Dichter Juvenal, und die römischen Politiker versäumten es nicht, Münzen mit Bildern von Arenen und Getreideverteilungen prägen zu lassen.

Bronze Aes rude aus dem 5.-4. Jahrhundert v. Chr., Italien. Foto via Wikimedia Commons / Lizenz CC BY-SA 3.0

Die Griechen waren Pioniere in der Verwendung von Münzen, die im 7. Jahrhundert v. Chr. in Kleinasien in Umlauf kamen. Die Römer übernahmen später das Währungssystem, nachdem sie ursprünglich den Aes rude („rohes Metall“), ein Nugget aus Bronze, mindestens vier Jahrhunderte lang als eine Art Protowährung verwendet hatten. Als sich die durch die Punischen Kriege (264-146 v. Chr.) verursachten ökonomischen Bedingungen auf Rom auszuwirken begannen, prägte die Republik ihre ersten echte Münze, den Aes signatum („bezeichnete Bronze“). Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. veränderte sich die römische Währung immer wieder in Form, Nennwert und Gestaltung. Münzen, die über die Jahrhunderte Bestand hatten, waren die sesterii und denarii. Andere waren weniger gebräuchlich, dienten aber dennoch als Vorlage für spätere Kulturen: sowohl das Britische Pfund als auch der südamerikanische Peso verdanken ihren Namen der römischen libra.

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AE follis der Urbs Roma, ca. 3. Jh. v. Chr. Vorderseite: Büste der Roma. Rückseite: Wölfin mit Romulus und Remus. Foto © Catawiki

Da man es für eine Republik als unpassend empfand, Porträts der Herrschenden auf den Münzen abzubilden, zierten die ersten römischen Münzen Darstellungen religiöser und mythologischer Natur. Dies bedeutete einen Bruch mit der griechischen Tradition, nach der meist Bildnisse der Tyrannen auf der Währung zu sehen waren. Frührömische Kompositionen zeigten Personifikationen der Götter wie Jupiter, Mars und Juno, oder heroische Legenden aus Roms mythischer Vergangenheit. Eine der beliebtesten Münzen war hierbei der follis mit Romulus und Remus. Die Münze zeigte das Gründerzwillingspaar von Rom, das der Legende nach in den Wäldern ausgesetzt und von einer Wölfin gesäugt worden war. Die Darstellungen gewannen während der Herrschaft Julius Caesars enorm an Bedeutung, der seine Herkunft bis zu den Zwillingen zurückführte, um seinen Herrschaftsanspruch zu legitimieren.

AR Denarius aus dem Bundesgenossenkrieg, 90 v. Chr. Vorderseite: Kopf des Bacchus mit Efeukranz. Rückseite: Stier drückt einen Wolf nieder. Foto via Wikimedia Commons / Lizenz CC-BY-SA-4.0

Die Wölfin war ein so mächtiges Symbol für Rom, das es auch gegen Rom auf Münzen der Gegenpropaganda verwendet wurde. Als im 1. Jahrhundert v. Chr. ein Krieg zwischen Rom und seinen italischen Verbündeten ausbrach, ließen die Italiker Münzen mit einem Stier, ihren eigenen Symbol, prägen, der einen Wolf angreift.

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AR Denarius des Julius Caesar, 44 v. Chr. Vorderseite: Bekränzter Kopf Caesars, mit den Inschriften "DICT. PERPETUO" und "CAESAR". Rückseite: Venus Victrix, Victoria und ein Szepter haltend. Foto via Wikimedia Commons / Lizenz CC BY-SA 2.5

Als sich Rom unter Julius Caesar von einer Republik zu einem Kaiserreich wandelte, wurde er der erste Herrscher, der sein Konterfei dort auf den Münzen abbilden ließ, wo bis dahin nur Götter und Heroen zu finden waren. Denarii von 44 v. Chr. tragen die Inschrift DICT. PERPETVO („Diktator auf Lebenszeit“). Das war neu in Rom und die Münzen wurden oft als „die Münzen, die Caesar töteten“ bezeichnet. Die unverfrorene Werbung für die Gründung einer de facto-Monarchie (während der Republik konnte ein Diktator seinen Macht nur für sechs Monate beanspruchen), sagte zu viel aus, um von seinen Mit-Senatoren hingenommen zu werden. Stattdessen taten sie sich zusammen, um Caesar am 15. März 44 v. Chr. zu ermorden. Caesars Erbe Augustus, Roms erster offizieller Kaiser, machte es für lebende Herrscher üblich, auf Münzen abgebildet zu werden. Da Münzen klein waren und sich schnell verbreiteten, waren sie das perfekte Massenmedium im Römischen Reich. Sie verbreiteten das Porträt des Kaisers, bewarben dessen Fähigkeiten und zeigten Monumente, die die Menschen, die weit entfernt von der Metropole am Tiber lebten, vermutlich niemals mit eigenen Augen sehen würden.

Denarius der Annexion Ägyptens, ca. 29-27 v. Chr. Vorderseite: Barhäuptiger Octavian (Augustus), Lituus. Rückseite: Krokodil. Foto via Wikimedia Commons / Lizenz CC-BY-SA-2.5

Ein berühmtes und auch bei Sammlern beliebtes Beispiel sind die goldenen aurei und die silbernen denarii, die Augustus im Jahr 27 v. Chr. prägen ließ, nachdem er Ägypten dem Römischen Reich als Provinz einverleibt hatte. Die Vorderseite zeigt den Kopf von Augustus und ein lituus, eine Art Kriegstrompete, und die Rückseite ein gefesseltes Krokodil, ein Symbol Ägyptens, mit der lateinischen Inschrift AEGYPTO CAPTA („Ägypten ist gefangen“). Diese Münzen wurden in den östlichen Provinzen geprägt, wo es in jenen politisch instabilen Zeiten nötig war, die Kunde von der Stärke Roms zu verbreiten. Diese geografische Begrenzung macht die Entdeckung einer solchen Münze schwierig, was sich auf den Sammlermarkt auswirkt: 2015 wurde eine goldene Aegypto-Capta-Münze für 268.000 USD versteigert.

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Sestertius des Antoninus Pius, 145 n. Chr. Vorderseite: Kopf des Antoninus Pius mit Lorbeerkranz. Rückseite: Antoninus Pius auf einem Curule sitzend, die Hand ausgestreckt; Statue der Liberalitas, Abakus und Füllhorn haltend. Foto via Wikimedia Commons / Lizenz CC-BY-SA-2.5

Geografie war jedoch nicht die einzige Grundlage für eine bestimmte Darstellung: Durch archäologische Funde konnte bewiesen werden, dass es im selben Gebiet Münzen mit unterschiedlicher Ikonographie im Umlauf waren. Als es für die Herrscherfamilien immer wichtiger wurde, sich von ihrer generösen Seite zu präsentieren, begannen die Kaiser, Bilder von ihrer Großzügigkeit zu verbreiten. Während die weniger wertvollen Münzen den Vorgang der Geschenkeverteilung an sich zeigten, war auf den Münzen mit höherem Nennwert Liberalitas, die Personifikation der Freigebigkeit, abgebildet. Zwei Münzen, die während der Herrschaft von Antoninus Pius (138-161) ausgegeben wurden, zeugen von der von ihm angestrebten Propaganda. Die Bronzemünze, die am ehesten von den ärmeren Empfängern seiner Generosität verwendet wurde, zeigt den Kaiser beim Verteilen von Geschenken, denn die arme Bevölkerung war stark von Zuwendungen in Form von Getreide und Geld abhängig. Die Goldmünze, die von der Elite verwendet wurde, stellt da Konzept der Großzügigkeit im Allgemeinen dar. Dies erlaubte den Reichen, das Bild je nach dem zu interpretieren, was sie an persönlichen Gefallen vom Kaiser erhalten hatten.

Quinarius des Antoninus Pius, 145-161 n. Chr. Vorderseite: Kopf des Antoninus Pius mit Lorbeerkranz. Rückseite: Liberalitas stehend, Abakus und Füllhorn haltend. Foto © Numismatica Ars Classica

Auch die von den Massen geliebten Monumente waren oft auf Münzen mit niedrigerem Nennwert zu sehen, da der Kaiser die Plebejer mit Bildern von Arenen bei Laune halten wollte. Eines der berühmtesten Beispiele in der Welt der Numismatik sind die bronzenen sestertii mit dem Kolosseum, die während und nach der Herrschaft des Titus im späten 1. Jahrhundert geprägt wurden. Heute sind diese Münzen nur noch selten zu finden und dementsprechend teuer: 2017 wurde ein Bronzemünze mit dem berühmten Amphitheater für 310.000 GBP versteigert. Nur zehn Exemplare dieser Münze sind bekannt, sieben davon befinden sich in Museen.

Sestertius des Titus, ca. 81 n. Chr. Vorderseite: Amphitheatrum Flavium (das Kolosseum). Rückseite: Titus auf einem Curule sitzend, einen Zweig in der rechten und eine Rolle in der linken Hand haltend. Foto © Noonans

Münzen waren ein so wichtiges Mittel um das Bild des Kaisers zu verbreiten, dass sie, sobald ein Herrscher an Popularität einbüßte und/oder ermordet wurde, aus dem Verkehr gezogen oder unkenntlich gemacht wurden. Dieser Prozess wurde als Damnatio memoriae („Verdammung des Andenkens“) bezeichnet und beinhaltete die Zerstörung von Stauen des Kaisers und öffentlicher Inschriften. Dies geschah erstmals nach der Herrschaft von Kaiser Caligula, der es in seiner kurzen Zeit an der Macht, 37-41, fertiggebracht hatte, sich selbst zum Gott zu erhöhen. Letztendlich wurde er ermordet. Sein Nachfolger Claudius ließ Caligulas Münzen mit TICA (eine Abkürzung seines vollständigen Namens, Tiberius Claudius Augustus) umprägen und das Gesicht seines Vorgängers entfernen.

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18 AE Follis TICA-Münzen mit Gegenstempel, 1. Jh. n. Chr. Foto © Catawiki

So sehr antike römische Münzen auch Triumphe und Werte feierten, konnten sie ebenfalls an ernsthafte Vorfälle erinnern. Den Rekord für die teuersten römische Münze hat ein Eid Mar aureus aufgestellt, den Brutus 43 v. Chr. nach Caesars Ermordung prägen ließ. Die Vorderseite zeigt den Mitverschwörer Brutus, die Rückseite das Datum des Attentats, die Iden des März, sowie eine Kappe der Freiheit (Pileus), die für gewöhnlich freigelassenen Sklaven überreicht wurde. Die Kappe wird von zwei Dolchen flankiert, die an die Befreiung von dem Tyrannen erinnern sollen. Brutus war damit nach Caesar die zweite lebende Person, die in Rom auf einer Münze zu sehen war – ein Jahr nach der „Münze, die Caesar tötete“. Eine dieser Goldmünzen wurde 2020 bei Roma Numismatics für 2,7 Millionen GBP versteigert. Nur drei Exemplare dieser aurii sind heute bekannt, während die entsprechenden silbernen denarii häufiger vorkommen. Sie sind „schon“ für 500.000 GBP zu haben. Der durch Brutus’ Münze überbotene Rekord war 2008 mit einem sestertius von Kaiser Hadrian aufgestellt worden, der für 1,8 Millionen GBP den Besitzer gewechselt hatte.

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"Eid Mar"-Aureus. Vorderseite: Barhäuptiger Brutus. Rückseite: Pileus zwischen zwei Dolchen. Foto © Numismatica Ars Classica

Antike römische Münzen beleuchten die Mechanismen der politischen Kommunikation. Nicht nur sind sie ästhetisch ansprechende Objekte, die von Sammlern gesucht werden, sie sind ebenso Propagandamedien, die uns einen Einblick in die Politik- und Sozialgeschichte Roms gewähren.

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Über den Autor

Giulia Zileri Dal Verme

Giulia Zileri Dal Verme ist die Redakteurin für das britische Barnebys Magazin. Sie studierte Klassische Studien an der Oxford University, bevor sie sich am Sotheby’s Institute of Art dem Art Business zuwandte. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Schnittstelle zwischen kulturellen Praktiken und bildender Kunst, mit einem starken Interesse an der antiken Welt. Neben ihrem Interesse am Auktionsmarkt ist sie besonders von Londons florierender Kunstszene fasziniert.

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