Mainbocher Corset von Horst P. Horst zählt zu den großen Ikonen der Fotografie des 20. Jahrhunderts. Die wichtigsten Fakten dazu finden Sie im Folgenden.
1. Das letzte Foto in Paris
1939 war der gebürtige Deutsche Horst P. Horst (eigentlich Horst Paul Albert Bohrmann, 1906-1999) seit vier Jahren Cheffotograf der französischen Vogue – eine Stellung, die er von seinem Mentor und ehemaligen Lebensgefährten George Hoyningen-Huene übernommen hatte, nachdem dieser nach New York gegangen war. Horsts Arbeiten bestachen mit ihrem Mix aus klassischer Kunst, subtiler Erotik und vor allem einer gekonnten Lichtführung, die jede Aufnahme wie eine einzigartige Inszenierung erscheinen ließen und die moderne Modefotografie maßgeblich beeinflussten. Im August stand er vor der Aufgabe, für die Vogue ein Werbefoto für ein Korsett des Modehauses Mainbocher zu schaffen. Das Ergebnis war die berühmte Aufnahme Mainbocher Corset, die das nur unter dem Namen Mrs. Bernon bekannte Mannequin in Rückenansicht zeigt. Mrs. Bernon ist mit nur lose geschnürtem Korsett gegen eine Balustrade gelehnt, ihr Gesicht ist durch den gesenkten Kopf und die erhobenen Arme kaum zu erkennen.
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Das für den 11. August 1939 angesetzte Shooting im Pariser Vogue-Studio dauerte bis 4 Uhr morgens am nächsten Tag. Anschließend ging Horst P. Horst nach Hause, was jedoch nur ein kurzer Zwischenstopp war. Statt sich ins Bett zu legen, machte er sich auf den Weg nach Le Havre, wo er sich an Bord des für seine elegante Art déco-Ausstattung berühmten Luxusliners Normandie begab und Europa in Richtung Amerika verließ. Der Grund dafür war die hohe Kriegsgefahr, die sich bestätigte, als wenige Wochen später der Zweite Weltkrieg begann.
2. Eine (Mode-)Welt im Umbruch
Mainbocher Corset ist ein Symbol für das Ende einer Ära – sowohl für Horst P. Horst persönlich, als auch für den Glamour der Zwischenkriegsjahre. Darüber hinaus gewährt es einen Blick in die Zukunft der Mode nach dem Zweiten Weltkrieg. Hatten in den 1920er und 1930er Jahren eher lockere Silhouetten dominiert, kehrte nach dem Krieg die Wespentaille zurück, die man wenige Jahrzehnte zuvor gemeinsam mit den dafür verantwortlichen Korsetts abgelegt hatte. Es war die Zeit des New Look von Christian Dior, der die 1950er Jahre prägen sollte. Dior selbst nannte diesen Stil mit schmaler Taille, betonter Büste und ausgestellten Röcken Ligne Corolle („Blütenkelchlinie“), die Bezeichnung New Look stammte von der Chefredakteurin von Harper’s Bazaar, nachdem sie die Frühjahr-/Sommer-Kollektion von 1947 des Hauses Dior gesehen hatte.
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Das von dem Amerikaner Main Rousseau Bocher (1890-1976) 1929 in Paris gegründete Haute Couture-Haus Mainbocher war ein richtungsweisender Akteur auf dem Weg zum New Look. Mainbocher fertigte vor allem Abendmode aus den edelsten Materialien und präsentierte 1934 das erste trägerlose Abendkleid. Die angestrebte Silhouette war figurbetont und elegant – ein Look, der von Wallis Simpson, Duchess of Windsor (eine der besten Kundinnen des Hauses) perfekt inszeniert wurde. Main Rousseau Bocher war vor der Gründung seines Modehauses zwei Jahre lang Chefredakteur der französischen Vogue gewesen und hatte das visuelle Layout der Zeitschrift stark geprägt, u. a. durch die Förderung von George Hoyningen-Huene.
3. Unvollkommenheit bevorzugt
Eigentlich war die Werbeaufnahme für das Korsett von Mainbocher für die Oktoberausgabe der französischen Vogue vorgesehen gewesen, doch durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erschienen weder diese noch die Novemberausgabe. Erst im Dezember wurde das Foto, wenn auch kleiner als ursprünglich geplant, in Frankreich veröffentlicht. Die Erstveröffentlichung war unterdessen im September in der amerikanischen Vogue erfolgt, für die Horst P. Horst nun in New York arbeitete.
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So ganz zufrieden war man bei Vogue jedoch nicht mit Horsts Arbeit, man störte sich an der Lücke, die durch das nur locker geschnürte Korsett an der linken Körperseite des Models entstanden war. Das Foto wurde kurzerhand retouchiert, sodass das Korsett auf dem Foto nun eng am Körper anlag. Derartige Überarbeitungen waren damals üblich, auch der eine oder andere Makel an einem Modelgesicht wurde einfach im Fotolabor beseitigt. Horst P. Horst bevorzugte jedoch stets seine ursprüngliche Vision mit dem abstehenden Korsett, welche für ihn mehr Spannung, Sinnlichkeit und Lebendigkeit beinhaltete.
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Horst P. Horsts Mainbocher Corset von 1939 ist eine vielschichtige Ikone der Fotografie des 20. Jahrhunderts, die immer wieder aufgegriffen wurde und wird. Am bekanntesten dürfte das Zitat in dem mehrfach ausgezeichneten Musikvideo zu Madonnas Lied Vogue von 1990 sein (Regie: David Fincher). Oder um es mit den (angeblichen) Worten von Coco Chanel zu sagen: „Die Mode vergeht, der Stil bleibt“.




