Waren Maillol und Rodin erbitterte Konkurrenten? Und wer war Maillols wichtigster Mäzen? Die Antwort auf diese Fragen finden Sie im Folgenden.
1. Er war heimatverbunden
Aristide Maillol erblickte am 8. Dezember 1861 als Sohn eines Weingutbesitzers und Tuchhändlers in Banyuls-sur-Mer das Licht der Welt, einem kleinen nordkatalanischen Hafenstädtchen am Fuße der Pyrenäen nahe der Grenze zu Spanien. Mit 20 ging er nach Paris, um Künstler zu werden. Dennoch hielt er seinem Geburtsort die Treue und kehrte jedes Jahr in den Wintermonaten dorthin zurück. Als er sich 1893 der Textilkunst zuwandte, richtete er in Banyuls ein Tapisserie-Atelier ein und beschäftigte dort lokale Arbeiterinnen, darunter Clotilde Narcis, die er 1896 heiratete und die die Mutter seines einzigen Sohnes, Lucien, wurde. Auch war es Banyuls-sur-Mer, wo Maillol am 27. September 1944 sein Leben aushauchte, als er an den Folgen eines Autounfalls – er hatte seinen guten Freund Raoul Dufy im etwa 100 Kilometer entfernten Vernet-les-Bains besucht – im Alter von 82 Jahren starb.

2. Sein wichtigster Förderer stammte aus Deutschland
Nachdem er an der École des Beaux-Arts studiert und sich zunächst als Maler und Textilkünstler versucht hatte, wandte sich Maillol ab Mitte der 1890er Jahre ganz der Bildhauerei zu. Seine erste Einzelausstellung wurde 1902 vom Kunsthändler Ambroise Vollard organisiert. Als besonders förderlich für seine Anerkennung und die damit einhergehende Besserung seiner bis dato desaströsen finanziellen Situation, erwies sich der Umstand, dass der deutsche Kunsthistoriker und -kritiker Julius Meier-Graefe Maillol 1904 in seinem einflussreichen Werk Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst ein eigenes Kapitel widmete, wodurch Maillols Bekanntheitsgrad enorm stieg.
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Maillols wichtigster Mäzen war der deutsche Kunstsammler Harry Graf Kessler, den er ebenfalls in dem für ihn so wichtigen Jahr 1904 kennenlernte. Kessler besuchte den Bildhauer, der mittlerweile mit Frau und Kind im ländlichen Marly-le-Roi bei Paris wohnte, und es kam direkt zu einem ersten Auftrag, dessen Ergebnis eines der Hauptwerke Maillols darstellt: La Méditerranée in Anlehnung an die Herkunftsregion des Künstlers.

3. Er hatte mehrere Musen
Die Harmonie der Formen, die er in La Méditerranée in Vollendung ausführte, begleitete Maillol während seiner gesamten, von der Darstellung des weiblichen Körpers dominierten Karriere. Seine wichtigste Muse war zunächst seine Frau Clotilde. Als armer Künstler besaß er nicht die finanziellen Mittel, um Modelle zu bezahlen. Im Jahr ihres Kennenlernens äußerte er sich entsprechend gegenüber Graf Kessler, indem er seine Situation mit der des bereits etablierten Rodin verglich, dem eine Vielzahl an Modellen zur Verfügung stand, während er mit seiner Ehefrau vorlieb nehmen musste.
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Nach dem Ersten Weltkrieg stand ihm das Hausmädchen der Familie, Thérèse, Modell – bis er sie an den Ehestand verlor. Später konnte er auch seine Schülerin Lucile Passavant für diese Rolle gewinnen. 1934 lernte Maillol die damals 15-jährige Dina Vierny kennen, die für ihn zunächst für Porträtbüsten, später auch als Aktmodell posierte. Wichtige Arbeiten, für die sie Modell saß, sind La Rivière und La Montagne.

4. In Kriegszeiten geriet er unter Verdacht
In beiden Weltkriegen geriet Maillol unter Verdacht, mit dem Feind zu paktieren. Im Ersten Weltkrieg war es seine enge Verbindung mit Graf Kessler, die dazu führte, dass man ihn zeitweilig für einen deutschen Spion hielt, während man ihn im Zweiten Weltkrieg der Kollaboration mit der Besatzungsmacht verdächtigte. Grund dafür war seine Freundschaft mit Arno Breker, der zum beliebtesten Bildhauer der Nationalsozialisten aufgestiegen war. Breker hatte in den 1920er Jahren in Paris gelebt und sich mit vielen der dortigen Künstler angefreundet, darunter eben auch mit Maillol.
Maillol war zu Beginn des Krieges nach Bayules-sur-Mer gezogen, wohin ihm Dina Vierny im Jahr darauf folgte. Sie engagierte sich in der Résistance, indem sie Flüchtlinge über die Grenze nach Spanien brachte. Die alten Pfade durch die Pyrenäen hatte ihr Maillol gezeigt, unter dessen Vorfahren auch so mancher Schmuggler zu finden ist. Als Dina verhaftet wurde, wandte sich Maillol an Breker, durch dessen Kontakte Dina wieder auf freien Fuß kam. Später kümmerte sich Dina Vierny um Maillols Nachlass und beerbte auch Lucien Maillol, der 1972 kinderlos starb. Sie gründete die Fondation Dina Vierny, die die Maillol-Museen in Paris und Banyules-sur-Mer betreibt.
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5. Er und Rodin respektierten einander
Die beiden großen französischen Bildhauer des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Auguste Rodin und Aristide Maillol, werden bis heute immer wieder miteinander verglichen und als direkte Konkurrenten dargestellt, sodass man den Eindruck erhält, sie wären einander spinnefeind gewesen. Tatsächlich verhielt es sich jedoch ganz anders. Sie erkannten und verstanden die Gegensätzlichkeit ihrer Temperamente und künstlerischen Ansätze und konnten vermutlich genau deswegen das Werk des jeweils anderen loben und bewundern. Maillol strebte die Harmonie der Formen an, Rodin war der Meister der Expression.
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Zu Beginn seiner eigenen Laufbahn als Bildhauer war Maillol vom 20 Jahre älteren Meister Rodin etwas eingeschüchtert, doch erwies sich gerade der als einer der ersten Fürsprecher seines Schaffens und prophezeite später: „Maillol, wenn ich einmal nicht mehr bin, wirst du mich ersetzen“. Er sollte Recht behalten.
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