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Magazin/Bücher, Landkarten & Manuskripte/7 Dinge, die man über Jane Austen wissen sollte

7 Dinge, die man über Jane Austen wissen sollte

Anlässlich des Jane-Austen-Jahres und des bevorstehenden 250. Geburtstags der beliebten Autorin, haben wir einige interessante Fakten zu ihrem Leben und Wirken zusammengetragen.

9. Dezember 2025Gritta von Toll
Cassandra Austen (1773–1845), Porträt von Jane Austen, um 1810, Aquarell und Bleistift. Foto gemeinfrei (Detail)

Cassandra Austen (1773–1845), Porträt von Jane Austen, um 1810, Aquarell und Bleistift. Foto gemeinfrei (Detail)

Ihre beste Freundin hieß Cassandra

Jane Austen wurde am 16. Dezember 1775 als zweitjüngstes Kind des Klerikers George Austen und dessen Frau Cassandra Leigh geboren. Sie hatte sieben Geschwister, sechs Brüder und nur eine Schwester, Cassandra, die zwei Jahre älter war als sie selbst. Schon früh entwickelten Cassy und Jane eine enge Verbindung, die ihr ganzes Leben lang halten sollte. Beide blieben unverheiratet und trennten sich nie. Wie Jane war auch Cassandra kreativ tätig, bei ihr waren es jedoch das Zeichnen und die Aquarellmalerei. 1791 illustrierte sie Janes Manuskript The History of England mit Porträts von Englands Königinnen und Königen. Nach Janes Tod im Jahr 1817 machte Cassandra es sich zur Aufgabe, deren Briefe aufzutreiben und zu zerstören. Warum sie das tat, wird bis heute diskutiert. Möglicherweise, um Janes Reputation nicht zu gefährden, sollten die Briefe unbedachte Äußerungen in Janes oft ironischem Tonfall enthalten haben. Von den Briefen, die Jane an ihre Schwester schrieb, sind jedenfalls rund 160 erhalten geblieben, die interessante Einblicke in das Leben der berühmten Autorin gewähren.

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Links: Cassandra Austen (1773–1845), Rückenansicht von Jane Austen, 1804, Aquarell. Foto gemeinfrei. Rechts: Cassandra Austen (1773–1845), Porträt von Jane Austen, um 1810, Aquarell und Bleistift. Foto gemeinfrei

Eine Verwandte entkam der Guillotine

Ebenfalls eine enge Verbindung hatte Jane Austen zu ihrer Cousine Elizabeth, genannt „Eliza“. Eliza war in Indien zur Welt gekommen, wo Philadelphia Austen, die Schwester von Janes Vater, den bei der East India Company angestellten Chirurgen Tysoe Hancock geheiratet hatte. Eliza Hancock ging später nach Frankreich, wo sie 1779 den selbsternannten Grafen Jean-François Capot de Feuillide heiratete, der Kapitän der Armee und ergebener Monarchist war. Diese Loyalität kostete ihn während der Französischen Revolution den Kopf. Eliza war jedoch bereits 1790 nach England zurückgekehrt. Die verwitwete Eliza und ihre Cousine Jane wurde enge Freundinnen und 1797 auch Schwägerinnen, als Eliza Janes Bruder Henry Thomas Austen heiratete, der in der Armee diente, bald darauf jedoch ins Bankwesen wechselte. Später folgte er den Fußstapfen seines Vaters und wurde Geistlicher. Dies erlebte Eliza jedoch nicht mehr. Sie starb bereits 1813, mit Jane Austen an ihrer Seite.

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Joshua Reynolds (1723-1792), Tysoe Saul Hancock, seine Frau Philadelphia, ihre Tochter Elizabeth und ihre indische Zofe Clarinda, 1765, Öl/Lwd., 140 x 171 cm, Gemäldegalerie Berlin. Foto gemeinfrei

Sechs Romane bilden ihr Hauptwerk

Sechs Romane, die zwischen 1811 und 1818 veröffentlicht wurden, bilden das Hauptwerk von Jane Austen. Die erste Veröffentlichung war Sense and Sensibility („Verstand und Gefühl“) eine Geschichte, die sie bereits Mitte der 1790er Jahre in einer ersten Fassung niedergeschrieben hatte, gefolgt von Pride and Prejudice („Stolz und Vorurteil“) 1796, das 1813 veröffentlicht wurde. 1798 schrieb Jane ihre Satire auf die damals so beliebte Gothic Novel, Northanger Abbey, die jedoch erst 1817 posthum veröffentlicht wurde. Zeitnah an ihre Niederschrift veröffentlicht wurden Mansfield Park (1814) und Emma (1815), ebenso Anne Elliot (auch als Persuation/„Überredung“ bekannt), wobei die Veröffentlichung hier ebenfalls erst nach Jane Austens Tod erfolgte. Hinzu kommt der 1794 verfasste Briefroman Lady Susan, der jedoch erst 1871 erstmals veröffentlicht wurde, wofür er von der Autorin selbst allerdings nie vorgesehen gewesen war.

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Eine spanische Ausgabe von "Pride and Prejudice". Foto von Charles Mazón

Sie schrieb, was sie sah und selbst erlebte

Jane Austens Romane sind von der Welt bzw. der Gesellschaftsschicht, in der die Autorin selbst lebte, inspiriert: die Gentry, also der niedere Adel und die diesem nahestehenden Kreise. Mit scharfem Verstand und einer hervorragenden Beobachtungsgabe wusste Austen die Stärken und vor allem die Schwächen ihrer Mitmenschen auszuloten und zu lebensechten und oft humorvollen Romanen zu verarbeiten, die die gesellschaftlichen Gepflogenheiten der damaligen Zeit beleuchteten und bisweilen auch auf subtile Weise bloßstellten. Jane entstammte einer respektablen, jedoch keineswegs sehr wohlhabenden Familie. Eine gute Partie zu machen, war für junge Frauen in dieser Situation enorm wichtig, doch auch schwierig zu verwirklichen, wenn sie über keine hohe Mitgift verfügten. Vor allem in Pride and Prejudice ist dieser Umstand ein zentraler Punkt der Handlung, jedoch auch in Northanger Abbey und Sense and Sensibility. Letztgenannten Roman schrieb sie Mitte der 1790er Jahre und überarbeitete ihn rund 20 Jahre später, bevor er veröffentlicht wurde. Zu diesem Zeitpunkt teilten Jane, ihre Schwester und ihre Mutter das Schicksal der Dashwood-Schwestern und deren Mutter, als sie nach dem Tod von George Austen auf das Wohlwollen von Verwandten angewiesen waren, um ein Dach über dem Kopf zu haben. Im Fall der Austen-Damen waren das Janes Brüder Francis und Edward. Letzterer war von einem reichen Onkel adoptiert worden und konnte seine Mutter und Schwestern in einem Landhaus auf seinem Anwesen in Chawton, Hampshire, unterbringen. Heute befindet sich dort das Jane Austen's House Museum.

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Das Haus in Chawton, Hampshire, beherbergt heute das Jane Austen's House Museum. Foto von Gordie Jackson

Sie konnte ihren größten Fan nicht ausstehen

Wie es für die meisten Frauen damals üblich war, sah sich auch Jane Austen gezwungen, ihre Werke anonym zu veröffentlichen. Eingeweihte waren vor allem Familienmitglieder und enge Freunde, doch auch in literarischen Kreisen war die Wahrheit bekannt. Auf diesem Weg erfuhr auch der Prinzregent, der spätere König George IV., dass Jane die Autorin der von ihm geschätzten Werke Sense and Sensibility und Pride and Prejudice war und er erlaubte ihr 1815 huldvoll, ihm ihren nächsten Roman, Emma, zu widmen. Jane sah sich genötigt, der königlichen Order Folge zu leisten, doch war sie nicht mit dem Herzen dabei und der überaus ergebene und förmliche Ton ihrer Widmung wird als Zeichen ihrer wahren Gefühle gewertet: „To His Royal Highness, the Prince Regent, this work is, by His Royal Highness's Permission, most Respectfully Dedicated by His Royal Highness's Dutiful and Obedient Humble Servant“. Doch warum konnte Jane Austen den Regenten nicht leiden? Zunächst einmal war George bekannt für seinen überaus verschwenderischen und lasterhaften Lebensstil. Was Jane ihm allerdings besonders übel nahm, war Georges fortwährende öffentliche Demütigung seiner Ehefrau, Prinzessin Caroline von Braunschweig, die er als unattraktiv und allgemein abstoßend empfand, sodass er es vorzog, mit seiner Mätresse zusammenzuleben.

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Eine der vielen Karikaturen, die über den Prince of Wales, den späteren König George IV., im Umlauf waren. Häufig war seine Beleibtheit das Thema. Entstanden im Jahr 1792. Foto gemeinfrei

Sie ist eine der teuersten Autorinnen auf dem Auktionsmarkt

Jane Austens Romane erfreuen sich bis heute einer großen Fangemeinde und werden nach wie vor gelesen, geliebt und gekauft. Am besten konnte sich bislang mit rund 20 Millionen Exemplaren Pride and Prejudice verkaufen, wozu sicherlich auch diverse Verfilmungen beigetragen haben, allen voran die BBC-Miniserie mit Colin Firth als Mr. Darcy von 1995. Auch die Geschichten rund um Bridget Jones basieren auf dem zeitlosen Roman; und der Teenie-Film Clueless (ebenfalls 1995) kann als gelungene Adaption von Emma bezeichnet werden. Eine Erstausgabe von des Romans Emma ist übrigens das teuerste gedruckte Jane Austen-Buch das jemals verkauft wurde, geschehen im Jahr 2022 für 375.000 GBP. Dabei handelte es sich jedoch um einen Privatverkauf. Doch auch auf dem Auktionshaus befindet sich Emma auf dem ersten Platz, denn erst im vergangenen Oktober wurde eine seltene Erstausgabe bei Sotheby's für 279.400 US-Dollar versteigert – und dabei fehlte einer der drei Bände. Jedoch handelte es sich um das einzige Exemplar eines Buch von Jane Austen, von dem bekannt ist, dass die Autorin es einer Kollegin, Maria Edgeworth, geschenkt hatte. Noch weitaus teurer als die gedruckten Werke war das Manuskript zu dem unvollendeten Roman The Watsons (um 1804), das 2011 für 993.250 GBP einen neuen Besitzer fand.

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Ihre Todesursache ist unklar

Jane Austen starb am 18. Juli 1817 während einer Phase der Bewusstlosigkeit, die ein schwerer Fieberanfall hervorgerufen hatte. Attacken wie diese suchten sie ab etwa ihrem vierzigsten Geburtstag heim; ihr Ursprung ist Gegenstand intensiver Spekulationen. In dieser letzten Phase ihres Lebens litt sie an Müdigkeit, Übelkeit mit Erbrechen, was einen enormen Gewichtsverlust mit sich brachte, sowie den genannten Fieberschüben, die mehrere Tage andauerten. Auffällig waren auch Verfärbungen der Haut, die sie in erhaltenen Briefen selbst beschrieb. Vor allem diese Hautflecken führten zu der Annahme, dass sie an Morbus Addison, einer chronischen Nebennierenrindeninsuffizienz litt. Weitere Theorien benennen das Hodgkin-Lymphom, Fleckfieber und Tuberkulose, welche zu besagter Morbus Addison-Krankheit hätte führen können. Auch Magenkrebs wurde in Betracht gezogen, um den rapiden Gewichtsverlust zu erklären. Woran Jane Austen wirklich gestorben ist, wird sich wohl nie aufklären lassen.

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Über den Autor

Gritta von Toll

Gritta von Toll ist die Redakteurin für das deutsche Barnebys Magazin. Gritta geht den Dingen mit Vorliebe auf den Grund. Zunächst während ihres erfolgreich abgeschlossenen Studiums der Ur- und Frühgeschichte und Archäologie, seit 2015, nach einem kurzen Abstecher in die Welt der Werbung, für Barnebys, wo sie in die Kunstgeschichte eintaucht, um vergangene Epochen dem heutigen Leser näher zu bringen.

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