Am 21. September 1915 machte sich ein ortsansässiger Rechtsanwalt namens Cecil Chubb (1876-1934) auf den Weg in das Palace Theatre in Salisbury, Wiltshire. Auf dem Programm stand eine Auktion mit Objekten aus dem Besitz des kurz zuvor verstorbenen Sir Edmund Antrobus. Angeblich hatte Chubbs von seiner Frau Mary den Auftrag erhalten, neue Stühle für das Esszimmer zu ersteigern, doch durch eine spontane Eingebung kaufte er etwas ganz anderes.
Unter der Losnummer 15 wurde ein Stück Land angeboten, auf dem sich eine der berühmtesten archäologischen Stätten der Welt befand: Stonehenge.

Erstmals schriftlich erwähnt wurde Stonehenge um 1130/35 in Henry of Huntingdons Historia Anglorum („Geschichte Englands“) sowie Geoffrey of Monmouths berühmter Historia regum Britanniae („Geschichte der Könige von England“), in der geschrieben steht, dass der Zauberer Merlin die großen Steine mithilfe von Zauberkraft aus Irland herbeigeschafft habe. Diese Theorie hatte bis ins 17. Jahrhundert Bestand. Es folgten genauere Untersuchungen der Anlage, die jedoch neue falsche Theorien zur Folge hatten und Stonehenge mal den Römern, mal den Phöniziern und mal den Dänen zuordneten.
Lesen Sie auch: Einzigartiger Römer-Dolch bei Ausgrabung entdeckt

Ende des Jahrhunderts wurde endlich erkannt, dass es sich um ein Werk einheimischer Erbauer handeln muss. Allerdings hielt man die Kelten für verantwortlich, deren Druiden in dem Steinkreis Zeremonien abgehalten haben sollen – wieder eine Theorie, an deren Richtigkeit man viele Jahrhunderte glaubte und teilweise sogar noch bis heute glaubt, obwohl man es doch mittlerweile besser weiß (auch wenn Prä-Astronautiker und Esoteriker nochmals eine ganz andere Sicht der Dinge haben).
Lesen Sie auch: "Unglaubliche" archäologische Funde als Fälschungen entlarvt

Als Stonehenge 1915 unter den Hammer kam, existierte aufgrund von durchgeführten Vermessungen bereits die Theorie, dass die Ausrichtung der Anlange auf astronomischen Gründen beruhte und auf die Sommersonnenwende ausgerichtet war. Auch hatte man durch einige in der Umgebung ausgegrabene Artefakte erkannt, dass Stonehenge bereits in der Bronzezeit genutzt worden war. Doch steckte die dahingehende Forschung noch in den Kinderschuhen. Und vielleicht hätte es keine wissenschaftliche Untersuchungen gegeben, wenn Cecil Chubbs nicht seine Eingebung gehabt hätte.
Lesen Sie auch: Große Katzengeoglyphe in Peru entdeckt

6.600 Pfund Sterling legte Chubbs für Stonehenge auf den Tisch, was heute etwa 560.000 GBP (ca. 660.000 Euro) entspricht. Wie auf der Website von English Heritage zu lesen ist, wurde Chubbs nach seinem ungeplanten Einkauf von einem Reporter der Lokalpresse interviewt, dem gegenüber er bekannte, die Eingebung gehabt zu haben, dass Stonehenge von jemandem aus Salisbury gekauft werden sollte. Auch wolle er mit seinem Erwerb zum Schutz der archäologischen Stätte beitragen.
Lesen Sie auch: Römischer Ring für das 450-fache seines Schätzpreises verkauft

Drei Jahre später sah dieser Schutz so aus, dass er Stonehenge der britischen Regierung übergab. Am 26. Oktober 1918 wurde die Schenkung vollzogen, wobei Chubbs verfügte, dass Stonehenge öffentlich zugänglich bleiben und erhalten werden müsse und dass keine Gebäude in unmittelbarer Nähe errichtet werden dürfen. Für seine Großzügigkeit wurde Cecil Chubbs im darauffolgenden Jahr in den Adelstand erhoben, was ihm den Spitznamen „Viscount Stonehenge“ einbrachte.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!

Durch Ausgrabungen und Forschungen des 20. und 21. Jahrhunderts konnte ermittelt werden, dass die Ursprünge von Stonehenge bis in die Jungsteinzeit zurückreichen und der berühmte Steinkreis Teil einer weitaus größeren Anlage war. Stonehenge wird heute von der Denkmalschutzorganisation English Heritage verwaltet und ist seit 1986 UNESCO-Welterbestätte.
Forschen Sie hier nach weiteren Artikel im Barnebys Magazin!




