Eine luxuriöse, mechanische Armbanduhr ist mehr als nur ein reiner Zeitanzeiger. Sie wird geschätzt als schmückendes Accessoire, Statussymbol sowie für die komplexe Handwerkskunst, die sich in ihrem Gehäuse verbirgt. Wer sich jedoch besonders für die Mechanik interessiert, dem sei jener Typ Uhr ans Herz gelegt, der das Innenleben nicht verbirgt, sondern eindrücklich offenlegt: die Skelettuhr, die wir Ihnen mit den folgenden Fakten etwas näher vorstellen möchten.
1. Von Skeletten und offenen Herzen
Jede Skelettuhr (Skeleton watch) ist eine offen gearbeitete Uhr (Openworked watch), aber nicht jede offen gearbeitete Uhr ist eine Skelettuhr – auch wenn diese Begriffe gerne gleichgesetzt werden. Eine echte Skelettuhr zeichnet sich nicht nur durch die Entfernung des Zifferblattes und ihr vollständig sichtbares Innenleben aus, sondern vor allem auch durch dessen Reduzierung auf das Nötigste. Bei einer Skelettuhr werden alle überflüssigen Komponenten des mechanischen Uhrwerks entfernt, bis nur noch jene übrig bleiben, die für die Funktion der Uhr unverzichtbar sind (z. B. Unruh, Hemmung, Zahnräder) und die dann nur noch durch schmale, oftmals fein verzierte Brücken miteinander verbunden sind. Um diesen Effekt zu betonen, ist auch der Gehäuseboden oft durchsichtig, sodass man durch das „Skelett“ hindurchsehen kann, was den gewünschten Effekt vollkommen macht. Bei einer Openworked-Uhr ist zwar auch das Uhrwerk sichtbar, jedoch ist dieses in diesem Fall nicht skelettiert, also wie beschrieben reduziert.

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Ein Problem, das bei einer Skelettuhr oder Openworked-Uhr auftreten kann, ist das schwierigere Ablesen der Zeit, da sich die Zeiger vom Hintergrund oft nicht eindeutig abheben. Hier könnte als Kompromiss eine Armbanduhr gewählt werden, bei der nur ein Teil des Zifferblatts entfernt wurde, um bestimmte Elemente des Uhrwerks zu offenbaren. Eine „Unterart“ ist hier die Open-Heart-Uhr, bei der ausschließlich ihr Herz (die Unruh oder das Tourbillon) zu sehen ist.
2. Der Erfinder der Skelettuhr hatte einen berühmten Sohn
Als Erfinder der Skelettuhr gilt der französische Uhrmachermeister André-Charles Caron (1697–1775), dessen Können und Erfindungsreichtum ihm den Titel eines Hofuhrmachers König Ludwigs XV. einbrachten. Caron entstammte einer Uhrmacherdynastie und natürlich sollte auch sein Sohn Pierre-Augustin in seine Fußstapfen treten – was dieser auch zunächst tat. Literarisch und musisch begabt, schlug Pierre-Augustin Caron, der mittlerweile den Namenszusatz „de Beaumarchais“ führte, jedoch schließlich einen anderen Karriereweg ein, nämlich den des Komödienschreibers. Seine bekanntesten Stücke, Der Barbier von Sevilla und Die Hochzeit des Figaro, wurden von Rossini und Mozart als berühmte Opern vertont.
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3. Marie Antoinette besaß beinahe ein ganz besonderes Exemplar
André Charles Caron blieb natürlich nicht der einzige Uhrmacher, der skelettierte Taschenuhren herstellte. Auch der aus der Schweiz stammende Abraham-Louis Breguet, der seit 1775 eine eigene Werkstatt in Paris betrieb, betätigte sich auf diesem Feld. Zu Breguets treuen Kundinnen gehörte Marie Antoinette. Ein Bewunderer der Königin, vermutlich der schwedische Graf Hans Axel von Fersen, gab 1783 bei Breguet eine Taschenuhr in Auftrag, die jede der damals existierenden Funktionen beinhalten sollte. Da Marie Antoinette zehn Jahre später hingerichtet wurde, erlebte sie die Fertigstellung der Uhr nicht mehr, die Breguet erst 1802 präsentieren konnte. Die Uhr, deren Gehäuse aus Bergkristall ihr gesamtes Innenleben preisgibt, blieb über 100 Jahre lang die komplizierte Uhr der Welt.
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4. Auf Kommoden und Kaminen
Während Marie Antoinette (vergeblich) auf ihr Wunder von Breguet wartete, wurden neben skelettierten Taschenuhren auch skelettierte Tischuhren ungemein populär. Die Beliebtheit hielt auch während des 19. Jahrhundert an. In England bewies man bei ihrer Gestaltung besonders viel Fantasie und schuf Skelettuhren, die von Gebäuden wie dem Royal Pavilion in Brighton oder der Westminster Abbey in London inspiriert waren.
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Eine allgemeingültig Definition des Begriffs Skelettuhr existiert nicht. Allerdings muss das ausschlaggebende Kriterium, die Sichtbarkeit der Mechanik, gewährleistet sein – in welchem Umfang, ist jedoch nicht vorgeschrieben. Das Zifferblatt kann beispielsweise durchsichtige sein oder nur aus einem äußeren Ring bestehen, auf dem die Indizes zu finden sind. Moderne Versionen der skelettierten Tischuhren werden beispielsweise von Jaeger-LeCoultre hergestellt, wie etwa das Modell Atmos.
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5. Ein zunehmender Trend
Als die Armbanduhr ab dem frühen 20. Jahrhundert ihren Siegeszug antrat, ließen auch skelettierte Versionen nicht lange auf sich warten. Seit den 1930er Jahren wurden sie hergestellt, mit Audemars Piguet als eine der ersten Marken. Zunehmend an Bedeutung gewannen die freizügigen Armbanduhren ab den 1970er Jahren, als die Quarzkrise der traditionellen Uhrenindustrie das Leben schwer machte. Was tun, um den Vorteil eines klassischen mechanischen Uhrwerks gegenüber eines präziseren Quarzwerks zu demonstrieren? Die Antwort waren unter anderem jene offenen Uhren, die die Schönheit, Qualität und Handwerkskunst eines manuellen oder automatischen mechanischen Uhrwerks feiern und in den Fokus stellen.
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Seitdem, auch erst jüngst im 21. Jahrhundert, haben viele bekannte Marken skelettierte Versionen ihrer Modelle in ihr Sortiment aufgenommen, oft in limitierten Auflagen, um der Exklusivität und dem Aufwand der Herstellung gerecht zu werden. Von Patek Philippes Calatrava und Audemars Piguet Royal Oak über Omegas Speedmaster und Breguets Classique bis hin zu Cartiers Santos und Bulgaris Octo Finissimo ist das Angebot vielfältig von elegant bis sportlich. Interessanterweise ist Rolex bislang noch nicht auf den Zug aufgesprungen. Entsprechende Uhren mit dem berühmten Krönchen wurden erst nachträglich auf Kundenwunsch in skelettierte Versionen verwandelt. Doch könnte der anhaltende Trend auch bei der begehrtesten Uhrenmarke der Welt bald Einzug halten.
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