Watteau, ein Fest, wo Herzen leuchtend irren, Den Schmetterlingen gleich, ein Faschingsball, Lieblicher Zierat, Glanz und Lichter schwirren Und Tollheit wirbelnd durch den Karneval.
Der romantische Schriftsteller und Dichter Charles Baudelaire trug dazu bei, der Nachwelt Antoine Watteau, jenen Maler, der 1721 auf der Höhe seines Ruhms mit nur 37 Jahren an Tuberkulose gestorben war, wieder ins Gedächtnis zu rufen. Gérard de Nerval hatte dies sogar noch vor Baudelaires Les Fleurs du Mal getan, als er 1853 eine Sammlung von Kurzgeschichten unter dem Namen Un voyage à Cythère veröffentlichte und damit direkt auf ein Motiv anspielte, dass Antoine Watteau zweimal auf die Leinwand gezaubert hatte.

Jean-Antoine Watteau kam am 10. Oktober 1684 als zweiter von vier Söhnen eines Baumeisters in Valenciennes zur Welt. Der Vater war Alkoholiker, der die Hand wiederholt gegen seine Kinder erhob, was Antoines Rückzug in eine Fantasiewelt und seine zarte Gesundheit erklären dürfte. Trotz der widrigen Umstände wurde das Zeichentalent des Jungen von seiner Familie schon früh gefördert: Bereits mit 10 Jahren ging er beim Maler Jacques-Albert Gérin in die Lehre, der ihm die flämische Malerei näherbrachte.
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Als Antoine Watteau 1702 nach Paris ging, schloss er sich dort lebenden flämischen Künstlern wie Nicolas Vleughels oder Jean-Jacques Spoëde an. Um sich einigermaßen über Wasser halten zu können, betätigte er sich auf dem damals noch bebauten Pont Notre-Dame als Händler von religiösen Bildern.
Glücklicherweise traf er bald auf den Maler Claude Gillot, der ihn als Schüler aufnahm und ihn mit weltlicheren Themen vertraut machte, darunter Theaterszenen der Commedia dell'arte. Diese Lehrzeit war nur kurz aber intensiv und hatte großen Einfluss auf Watteaus spätere Karriere. 1709 nahm er am Wettbewerb der Académie royale de peinture et de la sculpture teil, schaffte es aber nur auf den zweiten Platz, weshalb er seine Träume von einer Studienreise nach Rom, die dem Sieger des Wettbewerbs vorbehalten war, begraben musste.
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Drei Jahre später wurde Antoine Watteau Mitglied der Akademie, sein Aufnahmestück präsentierte er jedoch erst 1717: Einschiffung nach Kythera. Mit der Darstellung einer galanten Gruppe von Menschen, die auf die Überfahrt zur mythischen Liebesinsel der Aphrodite warten, wurde die Vorherrschaft der bis dato so beliebten militärischen Themen zugunsten von Eleganz und Zartheit der anbrechenden Epoche des Rokoko beendet.
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Antoine Watteau befand sich nun auf dem Höhepunkt seines Ruhms, hatte aber noch immer mit seiner schwachen Gesundheit zu kämpfen. Zwischen 1718 und 1720 ging er nach London, vermutlich um sich von dem Spezialisten Dr. Richard Mead behandeln zu lassen. In London lernte er andere dort lebende Künstler aus Frankreich kennen, die Stiche von seinen Gemälden anfertigten. Diese sollten später großen Einfluss auf den Porträt- und Landschaftsmaler Thomas Gainsborough haben.
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Doch die Luft in London war nicht das Richtige für Watteaus angegriffene Lungen, was sich auch nach seiner Rückkehr nach Paris nicht mehr besserte. Dennoch arbeitete er weiter und malte Ende 1720 für einen befreundeten Händler auf dem Pont Notre-Dame, der soeben einen neuen Laden eröffnet hatte, eine seiner seltenen urbanen Genrebilder: L’Enseigne de Gersaint, das eines seiner bekanntesten Werke wurde.
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Jean-Antoine Watteau starb am 18. Juli 1721 in Nogent-sur-Marne, wo er sich eigentlich hatte erholen wollen. Watteaus Werke wurden nach seinem plötzlichen Tod noch populärer und mehrfach kopiert, sodass von den 200 Werken, die ihm heute allgemein zugeschrieben werden, weniger als vierzig von Kunsthistorikern tatsächlich als authentisch angesehen werden.

Im Jahr 2008 war mit La Surprise von 1718 ein tatsächlich authentisches Werk Watteaus in der Sammlung eines britischen Sammlers entdeckt worden, der keine Ahnung hatte, welchen Schatz er da besaß. Das Gemälde wurde bei Christie's versteigert und verdreifachte mit einem erzielten Preis von 15 Millionen Euro seinen Schätzpreis – Rekord für den Schöpfer der Epoche machenden fêtes galantes.










