Seit 1763 heißt die archäologische Ausgrabungsstätte Pompeji Touristen willkommen. Und wenn auch die meisten von ihnen mit Sitte und Anstand durch die von der Asche des Vesuv-Ausbruchs von 79 n. Chr. befreiten Straßen wandeln, gibt es doch auch schwarze Schafe, die meinen, an dem berühmten Ort ihre eigenen Spuren hinterlassen zu müssen.
Dies geschieht dann in Form von in die Mauern geritzten Graffiti, die von den Mitarbeitern in den meisten Fällen jedoch erst später entdeckt werden. Am Morgen des 22. Juni wurde nun jedoch ein Tourist aus Kasachstan dabei auf frischer Tat ertappt: „ALI“ ritzte er in den Putz der Casa dei Cei aus dem späten 2. Jahrhundert v. Chr. Er wurde den Behörden übergeben, die den Fall dokumentierten und ihn anschließend wieder gehen ließen. Erledigt ist die Angelegenheit damit jedoch noch nicht und sie könnte sogar noch richtig teuer für den Übeltäter werden, denn zu Beginn des Jahres stimmte das italienische Parlament dafür, die Höchststrafe für Beschädigungen an heimischem Kulturgut von 15.000 Euro auf 40.000 Euro zu erhöhen.
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Italiens Kulturminister Gennaro Sangiuliano zeigt sich empört: „Leider müssen wir auch heute wieder eine unzivilisierte und idiotische Schande kommentieren, die unserem künstlerischen und kulturellen Erbe zugefügt wird. Nachdem ein römisches Domus des Archäologischen Parks Herculaneum mit einem Permanentmarker beschmiert wurde [Anfang Juni, Anm. d. Red.], betrifft es dieses Mal eine Gravur auf dem hellen Putz der Casa die Cei in Pompeji. Es handelt sich um eine sehr schwere Tat, die streng strafrechtlich verfolgt werden muss, und auch dank des neuen Gesetzes, das ich nachdrücklich unterstützt habe, wird der Täter gezwungen sein, die Kosten für die vollständige Wiederherstellung des verursachten Schadens zu erstatten.“
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Graffiti hatten im antiken Pompeji eine lange Tradition. Ob geritzt oder aufgemalt, wurden sie im Zuge der archäologischen Ausgrabungen an vielen Orten entdeckt. Angeführt von Darstellungen und Hinweisen erotischer Natur oder im Zusammenhang mit den beliebten Gladiatorenkämpfen stehend, waren sie damals ein vermutlich geduldetes Mittel der Alltagskommunikation, die heute ein interessantes Bild jener Epoche vermitteln.
Ihre zeitgenössischen Pendants hingegen sind ein Ärgernis, das diesen Einblick in keiner Weise bereichert, sondern ihn vielmehr zerstört.




