Auguste Rodin - Ein Wegbereiter der Moderne

Auguste Rodin ist einer der bedeutendsten Künstler der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seine Skulpturen und Plastiken waren Wegbereiter der Modernen Kunst.

Auguste Rodin - Ein Wegbereiter der Moderne

Rückschläge und erste Erfolge

Auguste Rodin wurde 1840 als zweites Kind des Polizeibeamten Jean-Baptiste Rodin und dessen Frau Marie Cheffer in Paris geboren. Seine Familie war eher konservativ, dennoch durfte Auguste bereits im Alter von 13 Jahren die École Spéciale de Dessin et de Mathématiques besuchen, wo er das Zeichnen erlernte. Er bleib vier Jahre an der Schule, seine Versuche, als Schüler der Bildhauerei an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris angenommen zu werden, scheiterten.

Auguste Rodin um 1862 | Foto: Wikimedia Commons
Auguste Rodin um 1862 | Foto: Wikimedia Commons

In den nächsten zwei Jahrzehnten verdiente Auguste Rodin seinen Lebensunterhalt hauptsächlich als Handwerker und Dekorateur. 1866 wurde er Vater eines Sohnes. Die Mutter hieß Rose Beuret, mit der er für den Rest seines Lebens eine von Höhen und Tiefen geprägte Beziehung führen sollte. Zur selben Zeit nahm ihn der Bildhauer Albert-Ernest Carrier-Belleuse als Assistent ins sein Atelier auf. 1870 begleitete Rodin Carrier-Belleuse nach Belgien, wo einige Aufträge warteten. Die Auffassung der beiden Künstler von der Bildhauerei war jedoch zu unterschiedlich, sodass sie 1871 nach einem Zerwürfnis darüber getrennter Wege gingen.

Unterschiedliche Einflüsse

Rodin hatte bereits als Assistent von Carrier-Belleuse einige öffentliche Aufträge erhalten, sodass er es sich nach dem Aufenthalt in Brüssel leisten konnte, nicht nach Frankreich zurückzukehren, sondern in Brüssel zu bleiben, wohin ihm Rose Beuret bald nachfolgte. Sie begleitete ihn auch auf einer zweimonatigen Reise nach Italien.

In Italien beschäftigte sich Rodin intensiv mit den Arbeiten Michelangelos und Donatellos. Vor allem Michelangelos Skulpturen beeindruckten ihn und sollten Einfluss auf seine eigenen Schöpfungen haben. Angefüllt von diesen Eindrücken kehrte Rodin nach Brüssel zurück und begann mit der Arbeit an der Bronzefigur Das Eherne Zeitalter, die gleichermaßen einen antiken Krieger als auch das Erwachen der Menschheit darstellt. Als die Bronze 1877 erstmalig in Paris, wohin Rodin und Beuret mittlerweile zurückgekehrt waren, ausgestellt wurde, war man von ihrer Lebensnähe so beeindruckt, dass man dem Künstler unterstellte, er habe einen echten Menschen in Bronze gegossen.

Auguste Rodins "Das Eherne Zeitalter" in der Alten Nationalgalerie, Berlin | Foto: Wikimedia Commons
Auguste Rodins "Das Eherne Zeitalter" in der Alten Nationalgalerie, Berlin | Foto: Wikimedia Commons

Neue Impulse erhält Rodin durch das Studium der gotischen Kathedralen Frankreichs und deren reichen skulpturalen Schmuck. 1879 hat er für die nächsten drei Jahre zudem eine Teilzeitstelle in der Porzellanmanufaktur Sèvres, was eine Beschäftigung mit den Stilen des 18. Jahrhunderts, die dort noch immer verwendet werden, mit sich bringt. Die Stelle verdankte er dem damaligen Direktor der Manufaktur, Albert-Ernest Carrier-Belleuse, mit dem es zur Versöhnung kommt.

Das Höllentor und die Bürger von Calais

Rodin hat sich mittlerweile als Bildhauer etabliert und erhält viele öffentliche Aufträge. Einer der bedeutsamsten war der Auftrag, den er 1880 vom Ministerium für Kunst erhielt: Die Schaffung des Portals für das geplante Museum für dekorative Kunst am Quai d'Orsay.

Das Höllentor (erster Bronzeguss des Portals postum 1926, Musée Rodin) | Foto: Wikimedia Commons/Roland zh/CC BY-SA 3.0
Das Höllentor (erster Bronzeguss des Portals postum 1926, Musée Rodin) | Foto: Wikimedia Commons/Roland zh/CC BY-SA 3.0

Aus dem Museum wurde nichts, stattdessen wurde an jener Stelle am linken Seineufer der Gare d'Orsay gebaut, in dem sich heute ironischerweise das Musée d'Orsay befindet (inklusive der Originalplastik der späteren Bronzeausführung des Portals). Rodin arbeitete dennoch bis kurz vor seinem Tod daran, also 37 Jahre. Als Inspiration für die Gestaltung dienten ihm Dante Alighieris Göttliche Komödie und Charles Baudelaires Die Blumen des Bösen, weshalb die Arbeit den Namen La porte de l’enfer ("Das Höllentor") erhielt.

"Der Denker" ist eine der bekanntesten Werke Rodins, hier ausgestellt im Garten des Musée Rodin in Paris | Foto: Wikimedia Commons
"Der Denker" ist eine der bekanntesten Werke Rodins, hier ausgestellt im Garten des Musée Rodin in Paris | Foto: Wikimedia Commons

Es ist jedoch nicht nur die enorme Zeitdauer, die Rodin mit der Gestaltung und Ausführung des Portals verbrachte, die dieses zu seinem Haupt- und Lebenswerk machte, sondern auch die Tatsache, dass er aus vielen Figuren des Frieses eigenständige Figuren schuf, mit dem Denker als bekanntestes Werk. Auch die hingebungsvolle Skulptur Der Kuss war ursprünglich für das Höllentor von Rodin entwickelt worden.

Auguste Rodins "Der Kuss", Modell der Originalskulptur aus Terrakotta, etwa 1881, Musée Rodin, Paris | Foto: Wikimedia Commons
Auguste Rodins "Der Kuss", Modell der Originalskulptur aus Terrakotta, etwa 1881, Musée Rodin, Paris | Foto: Wikimedia Commons

Zum wichtigsten Merkmal der Arbeiten Rodins wurde das Non-finito, ein italiensicher Begriff, der eine unvollendete Skulptur beschreibt. Rodin hat solche Skulpturen unter den Arbeiten der Renaissancemeister kennengelernt, bei denen die unvollendeten Arbeiten ihrer wirtschaftlichen Not geschuldet waren. Rodin machte aus dieser Not sozusagen eine Tugend und ließ Teile seiner Skulpturen absichtlich unvollendet, ein wichtiges Merkmal, das von vielen ihm nachfolgenden Bildhauern der Moderne aufgegriffen wurde.

Die Bürger von Calais (Place de l’Hôtel de Ville in Calais) | Foto: Wikimedia Commons/CC BY-SA 3.0
Die Bürger von Calais (Place de l’Hôtel de Ville in Calais) | Foto: Wikimedia Commons/CC BY-SA 3.0

Einen weiteren wichtigen Auftrag erhielt Auguste Rodin 1885 von der Stadt Calais, die eine berühmte Episode, die sich dort während des Hundertjährigen Krieges abgespielt hatte, in Bronze nachempfunden vor dem Rathaus aufstellen wollte. Die Arbeit bedeutete einen wichtigen Wendepunkt auf dem Weg zur modernen Skulptur: Statt wie sonst üblich verzichtete Rodin auf eine Hierarchie unter den sechs Figuren und behandelte stattdessen jede wie ein Individuum, dessen Gesten bereits expressionistische Züge aufweisen.

Die Frauen in seinem Leben

Seine Erfolge erlaubten es Auguste Rodin 1894 ein Haus in Meudon bei Paris zu erwerben, wo er ein Atelier einrichtete. Noch immer an seiner Seite: Rose Beuret, die trotz so manchen Ausrutschers des Künstlers bei ihm bleibt. So war kurz zuvor die zehn Jahre währende Beziehung zu Camille Claudel auseinandergegangen. Claudel war zunächst als seine Schülerin in sein Leben getreten. Mit der Zeit entwickelte sich eine von Streitereien und Eifersucht geprägte Liebesbeziehung.

Portrait Auguste Rodins von Camille Claudel, 1892 | Foto: Wikimedia Commons
Portrait Auguste Rodins von Camille Claudel, 1892 | Foto: Wikimedia Commons

Weitere langjährige Verhältnisse für er mit der walisischen Malerin Gwen John (1904-14) und der Herzogin von Choiseul (1907-12). Es scheint, als hätte Auguste Rodin angst davor gehabt, sich fest zu binden.

Dann jedoch, im Alter von 76 Jahren, schien er doch noch zu bemerken, dass es da jemanden gab, der stets treu zu ihm gehalten hatte und das bereits seit 53 Jahren: Rose Beuret. Rodin heiratete Rose im Januar 1917. Nur einen Monat später starb sie an einer Lungenentzündung und wurde im Garten des Hauses in Meudon begraben. Im November des Jahres folgte Auguste Rodin Rose und wurde neben ihr bestattet.

Auguste Rodin, 1898 | Foto: Wikimedia Commons
Auguste Rodin, 1898 | Foto: Wikimedia Commons

Auguste Rodins Haus in Meudon ist heute als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich. Bekannter ist jedoch das im Hôtel Biron untergebrachte Musée Rodin im 7. Arrondissement von Paris, wo Rodin ab 1907 ein weiteres Atelier eingerichtet hatte.

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