In meinen Fotografien erzähle ich von Stille und Distanz.
Geboren im Kriegsjahr 1944 in Deutschland, wuchs Candida Höfer in einer gleichermaßen intellektuellen als auch kreativen Familie auf: ihr Vater war Journalist, ihre Mutter Balletttänzerin und Theaterkritikerin. Kulturelle Institutionen waren ihr daher nicht unbekannt.
Höfers Karriere begann im Jahr 1964, als sie an den Kölner Werksschulen studierte. Der Fotografie hatte sie sich allerdings bereits davor genähert, als sie im Fotoatelier Schmölz-Huth in Köln ein Praktikum absolvierte. Nach ihrem Studium produzierte sie für Zeitschriften Fotoserien in schwarz-weiß, unter anderem über die Poeten von Liverpool.
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In ihrer frühen Schaffensphase war Höfer vor allem an der Fotografie von Personen interessiert. Damals arbeitete sie im Studio von Werner Bokelberg in Hamburg, wo sie sich auf die Daguerreotypie spezialisierte.

Als sie sich 1973 an der Kunstakademie Düsseldorf einschrieb, existierte dort noch keine Klasse für Fotografie und sie begann Film zu studieren. Während dieser Zeit konzentrierte sie sich auf Einzeldia-Projektionen. Eines dieser Projekte war Türken in Deutschland, für die sie türkische Immigrantenfamilien in ihren neuen deutschen Wohnungen besuchte. Dies weckte die Aufmerksamkeit des bekannten Fotografen und neu ernannten Professors Bernd Becher. Er und seine Frau Hilla Becher wurden vor allem durch ihre Aufnahmen von industriellen Gebäuden und Anlagen bekannt, die sie häufig in Rastern anordneten. Gemeinsam schufen sie das, was als „Becher-Schule“ oder „Düsseldorfer Photoschule“ bekannt ist.
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Die Becher-Schule war eine Klasse von Fotografie-Studenten, zu der Künstler wie Andreas Gursky, Thomas Ruff, Thomas Struth, Axel Hütte und natürlich Candida Höfer gehörten. Höfer wurde von Bernd Becher persönlich zum Beitritt eingeladen, um mehr über die Herstellung und Bearbeitung von Fotografien zu lernen. In dieser Zeit begann Höfer mit der Farbfotografie zu experimentieren, die bis heute ihr Hauptmedium darstellt, auch wenn sie der Präsentation ihrer Bilder als Diaprojektion treu bleibt.
Während ihres Studiums wandte sich Höfer von der Personenfotografie ab. In Interviews bekannte sie, dass ihre eher schüchterne Natur die Arbeit mit Menschen erschwerte, wenn sie diesen direkt sagen musste, wie sie zu stehen haben. Auch sagte sie, dass es sich für sie sehr aufdringlich anfühlte, als würde sie in das Privatleben der Personen eindringen, weshalb sie sich mehr und mehr zu menschenleeren Räumen hingezogen fühlte. In einem Interview über ihre Arbeit gab sie an: „Gegenwart und Vergangenheit sind gleichermaßen bedeutsam. In meinen Fotografien erzähle ich von Stille und Distanz. Für mich ist es fundamental, dass die Atmosphäre, das Licht, die Farben erfasst werden.“
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Sich selbst beschreibt Candida Höfer als „unkonventionelle Touristin“, die „versucht, überall hinzukommen“. Ihre Fotografien werden aus einem geraden, frontalen Winkel aufgenommen oder suchen eine Diagonale in der Komposition. Sie neigt dazu, jeden leeren Raum von einem erhöhten Aussichtspunkt in der Nähe einer Wand zu fotografieren, sodass die gegenüberliegende Wand zentriert ist. Sie nutzt die Beleuchtung der Räume, was bedeutet, dass die Planung und Organisation ihrer Shootings essenziell ist. Höfers Engagement für ihre Arbeit wird beispielsweise durch ihre bekannten Bilder eines leeren Louvre deutlich, für die sie früh aufstehen und vor allen anderen da sein musste, um die perfekte Aufnahme eines völlig verlassenen Raums anfertigen zu können.
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Höfer Fotografien erzeugen beim Betrachter das Gefühl, Teil des vor ihnen abgebildeten Raumes zu sein – als müsste man nur einen Schritt tun, um in einem völlig leeren Museum, einer barocken Bibliothek oder einem Opernsaal zu stehen. Der große Maßstab vieler ihrer Werke trägt dazu bei, dass man glaubt durch ein Fenster zu werfen und der Raum dahinter zu mehr wird, als nur ein (prachtvoller) Raum an sich. Er wird zu einem Erlebnis oder sogar zu einer Erinnerung.

Seit ihrer ersten Ausstellung in der Konrad Fischer Galerie im Jahr 1975 hat Candida Höfer eine erfolgreiche Karriere aufgebaut. Es folgten große Einzelausstellungen in Institutionen wie dem Louvre und dem Guggenheim Museum Bilbao sowie bei der Biennale von Venedig. Und ein Ende ist nicht in Sicht.
Auf dem Auktionsmarkt erzielen Höfers Arbeiten hohe Preise. Der aktuelle Rekord für die Künstlerin wurde 2015 aufgestellt, als ihre Aufnahme der Bibliotheca Geral da Universidade de Coimbra (2006) bei Christie’s für 80.500 GBP (107.387 Euro) versteigert wurde.

Höfers Bilder betonen die Bedeutung dessen, wie es sich anfühlt, wenn Kulturinstitutionen ihre Türen für die Öffentlichkeit schließen müssen, was besonders während der Corona-Pandemie zu spüren war. Ein einsames Gefühl, das von innen aufsteigt, als würde man sich eine Welt ohne Menschen vorstellen.
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