Rund 1.000 Werke umfasst das Œuvre Gustave Courbets. Nur 50 davon sind Aktgemälde, darunter das berühmt-berüchtigte L’Origine du monde von 1866, das von seinen verschiedenen Besitzern lange Zeit vor der Öffentlichkeit weitestgehend verborgen wurde, bevor es 1995 ins Musée d’Orsay gelangte.
Gerade einmal 46 x 55 cm misst L’Origine du monde, das eine intime Auftragsarbeit für den osmanischen Diplomaten und Kunstsammler Halil Şerif Pascha war. Mit seinen Maßen von 83,3 x 160 cm weist Courbets drei Jahren später entstandene Grande baigneuse (auch Femme nue couchée au bord de l’eau genannt) ganz andere Dimensionen auf. 2013 war das Gemälde in einer Sammlung entdeckt und eingehend erforscht worden (die Provenienz ließ sich dennoch nicht nachvollziehen), bevor es schließlich vom Musée Courbet in Ornans und von der Société Courbet in Genf anerkannt und 2019 in der Ausstellung zum 200. Geburtstag des Malers im Musée Courbet ausgestellt wurde.
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Am 4. Juni kommt Grande Baigneuse nun als größter Akt Courbets, der bislang auf dem Auktionsmarkt angeboten wurde, im Zuge der 35. Garden Party-Auktion des Auktionshauses Rouillac im Château d’Artigny im Touraine unter den Hammer. Der Schätzpreis liegt bei 300.000-500.000 Euro.
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Das Werk reiht sich perfekt in die überschaubare aber nicht zu übersehende Reihe der Aktgemälde Gustave Courbets ein, der dieses Genre im Laufe seiner Karriere immer wieder erforschte. Zudem wurde die Darstellung nacktes Fleisches einmal mehr von Courbet mit seinem bevorzugten Sujet in Einklang gebracht: die realistische Landschaftsmalerei.
Courbet näherte sich der Aktmalerei immer wieder auf unterschiedliche Weise. Möglicherweise ist die geringe Anzahl dieser Werke in seinem umfangreichen Œuvre auf eine intensive Erforschung und Neuorientierung des Themas seinerseits zurückzuführen. So stößt man dabei genauso auf eine beinahe akademische Makellosigkeit, als auch auf natürliche Darstellungen voller offenherziger Erotik.
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Weiße Laken und von seiner Heimat Ornans inspirierte Waldlandschaften mit Teichen und Bachläufen sind dabei wiederholt anzutreffen, so auch in Grande baigneuse, das die Protagonistin in lässiger Pose, die an Tizians Venus von Urbino erinnert, am Ufer eines Wasserlaufs zeigt. Während eine Hand mit den Locken des offenen braunen Haares spielt, sind die Finger der anderen Hand ins Wasser getaucht.
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Wie sich anhand der Etiketten eines Kunsthändlers auf der Rückseite der Leinwand ableiten lässt, entstand Grande baigneuse um 1869, als sich Gustave Courbet auf der Höhe seines Ruhmes befand. Auch international gefeiert, war Courbet im Herbst des Jahres bei der Internationalen Kunstuastellung im Glaspalast in München mit einem großen Jagdgemälde vertreten, das dort viel Anklang fand. Noch in München begann er mit dem Aktgemälde La dame de Munich, welches er in Ornans vollendete. Das heute verschollene Werk galt bis zur Entdeckung von Grande baigneuse, dessen Entstehungszeitraum sich nicht vollkommen präzise nennen lässt, als das letzte Aktgemälde Gustave Courbets, der 1877 im Schweizer Exil starb.
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Neben dem bedeutenden Werk Gustave Courbets besticht die Garden Party-Auktion von Rouillac mit einer ganzen Reihe außergewöhnlicher und spannender Lose, darunter ein Citroën 2 CV aus Holz, ein indo-mongolisches Talisman-Hemd aus dem 17. Jahrhundert und eine Version von Lavinia Fontanas Porträt der Antonietta Gonsalvus.
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