Es beseht wohl kein Zweifel, dass Thomas Chippendale (1718-1779) einer der bedeutendsten Kunsttischler Großbritanniens ist, dessen guter Ruf sich weit über die Grenzen seines Geburtsortes Otley im Westen Yorkshires verbreitete.
Obwohl er für seine Möbel im Stil des englischen Rokoko bereits zu Lebzeiten ein hohes Ansehen genoss, sind die astronomischen Summen, die seine Werke heute auf dem Sekundärmarkt erzielen, eine ganz andere Nummer. So wurde im Jahr 2010 für eine um 1770 entstandene Thomas-Chippendale-Kommode bei Sotheby's die astronomische Summe von 3,8 Millionen GBP (ca. 4,6 Millionen Euro) gezahlt. Das Möbelstück war aus Palisander- und Tulpenholz gefertigt und mit Intarsien und vergoldeten Messingapplikationen verziert worden.
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Thomas Chippendale war das einzige Kind des Tischlers John Chippendale (1690-1768) und dessen Ehefrau Mary, geb. Drake (1693-1729). Über Thomas' Ausbildung und frühe Karriere ist nur wenig bekannt. Dokumentiert ist jedenfalls, dass er 1748 im Alter von 30 Jahren nach London zog und sich dort als Tischler niederließ. Noch im selben Jahr heiratete er Catherine Redshaw (†1772) in der St. George's Chapel in Mayfair, Westminster. Nach Catherines Tod heiratete er 1777 ein zweites Mal. Aus seinen zwei Ehen gingen insgesamt 12 Kinder hervor.
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1754 veröffentlichte Chippendale ein Buch mit seinen Entwürfen: The Gentleman and Cabinet-Maker's Director. Das Buch war ein durchschlagender Erfolg, der seine Position als einer der bedeutendsten Kunsttischler des 18. Jahrhunderts begründete. 1755 und 1762 erschienen zwei weitere Auflagen mit zusätzliche Tafeln zum aufkommenden klassizistischen Stil. Dank der Beliebtheit des Buches erhielt Chippendale viele neue Aufträge.
Ein schöner Nebeneffekt des Buches war, dass sich seine Kunden daraus aussuchen und kombinieren konnten, um so ein Möbelstück ganz nach ihren Vorstellungen zu erhalten. Nicht unerwähnt sollte jedoch bleiben, dass nicht alle von Chippendale gelieferten Möbel genau den von ihm veröffentlichten Entwürfen entsprachen. Bei vielen handelte er sich um einfachere Stücke für Privaträume.
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1754 war auch das Jahr, in dem Thomas Chippendale in die St. Martin's Lane umzog, dem modischen Zentrum des Möbelbaus in London. Dort leitete er eine große Werkstatt namens The Cabinet and Polster Warehouse und übernahm mehrere Einrichtungsprojekte für große Häuser in ganz Großbritannien. Das Familienunternehmen sollte für die nächsten 60 Jahre an diesem Standort bleiben, bis Sohn Thomas Chippendale Junior 1813 wegen Insolvenz ausziehen musste.

Das Geschäft von Chippendale wuchs schnell. 1755 beschäftigte er 40-50 Handwerker, darunter Tischler, Polsterer und Schnitzer, sodass er sich selbst ausschließlich mit seinen Entwürfen beschäftigen konnte. Obendrein pflegte er einen regen Kontakt zu seinen Kunden und förderte dadurch sein Unternehmen.
Geld blieb jedoch ein ständiges Problem, da die Kunden selten pünktlich zahlten. Daher ging Chippendale Partnerschaften mit dem wohlhabenden schottischen Kaufmann James Rannie und später mit dem Buchhalter Thomas Haig ein. 1776 übernahm schließlich Chippendales Sohn Thomas Junior (1749-1822) das Geschäft.
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Bei seinen Entwürfen war Chippendale viel mehr als nur Tischler und Designer. Er trat auch als Innenarchitekt auf, der seine Kunden bei vielen Aspekten der Einrichtung, wie der Wahl der richtigen Stoffe, beriet. Es war sogar bekannt, dass er kommentierte, in welcher Farbe ein Raum gestrichen werden sollte.
Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs könnte man Chippendales Unternehmen also durchaus mit dem eines Innenarchitekten des 21. Jahrhunderts vergleichen: Er arbeitete mit Spezialisten zusammen und lieferte eine vollständige Innendekoration und Möblierung für einzelne Zimmer oder ganze Häuser.
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Großaufträge erhielt Thomas Chippendale natürlich vor allem vom englischen Adel. Seinen größten Auftrag bekam er von Edwin Lascelles für dessen Landsitz Harewood House in Yorkshire, der ihm mehr als 10.000 GBP einbrachte.
Das einzige, das ihm in seiner grandiosen Karriere verwehrt blieb, war ein königlicher Auftrag, mit welchem sich so manch anderer Kunsttischler der St. Martin's Lane schmücken durfte.



