Die großen Frühjahrs-Auktionen in London gelten traditionell als Startschuss für die Verkaufssaison und zudem als Gradmesser für das bevorstehende Auktionsjahr, der Prognosen zu Trends und Käuferverhalten liefert. Sowohl Christie’s als auch Sotheby’s ist es gelungen, für diese Marquee Week große Kunst aus bedeutenden Privatsammlungen zusammenzutragen, wobei der Schwerpunkt auf Moderne, Surrealismus und Zeitgenössischer Kunst liegt.
Im Mittelpunkt der London Sales bei Sotheby’s steht die „Modern & Contemporary Evening Auction“ am 4. März, in der wiederum Kunstwerke aus drei spannenden Sammlungen hervorzuheben sind. Zunächst sind vier Arbeiten der School of London zu nennen, die aus der Sammlung des Unternehmers Joe Lewis stammen: Self-portrait (1972) von Francis Bacon, das den nach dem Suizid seines Partners George Dyer zerrissenen Künstler zeigt (Schätzpreis: 8-12 Millionen GBP), die Gemälde Blond Girl on a Bed (1987) und A Young Painter (1957-58), die Lucien Freuds Karriere prägten (6-8 Millionen GBP bzw. 4-6 Millionen GBP) sowie Children’s Swimming Pool, 11 O’Clock Saturday Morning, August 1969 (1969), das allgemein als das Hauptwerk seines Schöpfers, Leon Kossoff, gilt (600.000-800.000 GBP).
„Diese bemerkenswerte Gruppe vereint Bacon, Freud und Kossoff auf dem absoluten Höhepunkt ihres Schaffens – jedes Werk ein Meisterwerk für sich. Es sind Gemälde, die mit außergewöhnlicher Direktheit die menschliche Existenz ansprechen – Verletzlichkeit und Verzweiflung, Intimität und Sehnsucht“, sagt Oliver Barker, Vorsitzender von Sotheby’s Europa.
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Die nächste bedeutende Privatsammlung in der Auktion liefert zwar keine Angaben zum Namen ihres Eigentümers, dafür aber große Kunst, die ein halbes Jahrhundert moderne Kunstgeschichte umspannt. Als Top-Los ist hier Claude Monets Maison de jardinier (1884) zu nennen, das in Italien entstand und einst John Singer Sargent gehörte (6,5-8,5 Millionen GBP). Es ist eines von nur zehn Gemälden, die während Monets Aufenthalt an der Italienischen Riviera entstanden und von denen die meisten in bedeutenden Museen hängen. Ein weiteres Highlight ist Paul Signacs emblematisches Marseille, le port (1934), das während des letztes Aufenthalt des Malers in Südfrankreichs entstand und das lange Zeit im Besitz seiner Familie verblieb (4-6 Millionen GBP). Ebenfalls aus der bedeutenden Privatsammlung stammen Edgar Degas’ Scène de ballet (1885; 2,5-3,5 Millionen GBP) sowie Fernand Légers Les Hommes dans la ville (1919; 4-6 Millionen GBP).
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Über die vier Gemälde sagt Helena Newman, Vorsitzende von Sotheby’s Europa und Vorsitzende der Abteilung für Impressionistische und Moderne Kunst weltweit: „Ihr gemeinsamer Auftritt im März bietet eine hervorragende Gelegenheit, Meisterwerke zu erwerben, die einen aufschlussreichen Bogen durch die Entwicklung der frühen Moderne zeichnen.“

Schließlich bilden die Werke, die unter dem Titel „Beyond the Canvas: Masterpieces from a Private German Collection“ angeboten werden, den dritten bedeutenden Sammlungsauszug der Auktion. Sechzig Jahre verbrachten sie im Besitz ihres engagierten Sammlers und bilden nun die umfassendste Übersicht über Fontanas bahnbrechende Studien, die seit Langem auf den Markt gekommen ist. Insgesamt kommen fünf Arbeiten Lucio Fontanas zum Aufruf, die von Concetto spaziale (1960) angeführt werden (8,5-12 Millionen GBP). Zwei weitere Werke stammen von Alberto Giacometti, Femme debout (1960/1964; 2,2-2,8 Millionen GBP), und Sam Francis, Untitled (1962; 600.000-800.000 GBP).
Dazu Claudia Dwek, Vorsitzende der Abteilung für zeitgenössische Kunst bei Sotheby’s: „Fünf Werke dieses Kalibers – die alle wichtigen Schaffensphasen Fontanas umfassen – in einer einzigen Sammlung zu finden, ist außerordentlich selten. Jedes Werk markiert einen anderen Durchbruch in seiner lebenslangen Auseinandersetzung mit Raum und Gestik, doch zusammen bilden sie das vollständigste Porträt eines Künstlers, der die Möglichkeiten der Kunst in der Nachkriegszeit neu definierte.“
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Abgerundet werden Sotheby’s London Sales am 5. März mit „The David Hockney Sale: The Arrival of Spring“, der „Contemporary Day Auction“ und der „Modern & Modern British Day Auction including Property from the Collection of Erich & Senta Goeritz“.
Die drei wichtigsten Auktionen der Londoner Woche bei Christie’s finden am 5. März statt. Den Auftakt bildet der „20th/21st Century Evening Sale“, der mit zahlreichen bedeutenden Einlieferungen aus europäischen und amerikanischen Sammlungen punkten kann.

Angeführt wird die Offerte mit dem großformatigen Le ronde rouge (1939), einem bedeutenden Werk aus Wassily Kandinskys später Phase in Paris, in der seine Beschäftigung mit den Naturwissenschaften dazu führte, dass er seine gewohnte Geometrie mit biomorphen Formen ergänzte (Schätzpreis: 10,5-15,5 Millionen GBP).
Dazu Keith Gill, stellvertretender Vorsitzender 20/21 bei Christie’s: „Le rond rouge gilt als Schlüsselwerk aus Kandinskys Pariser Zeit: ein kraftvoller, lebendiger und großformatiger Ausdruck seines anhaltenden Engagements für Abstraktion, Experimentierfreude und die emotionale Kraft von Farbe und Form. Es ist mir eine Ehre, dieses Meisterwerk in unserer Londoner Saison zu präsentieren, da ich mich gut an das Werk aus seiner langjährigen Leihgabe an die Courtauld Gallery erinnere.“
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Weitere Highlights sind Henry Moores Meisterwerk King and Queen (1952-53/1952-53; 10-15 Millionen GBP), Pablo Picassos Le peintre et son modèle (1964; 7-10 Millionen GBP), Claude Monets Le Parc Monceau (1878; 5,5-8,5 Millionen GBP) sowie zwei Werke von Gerhard Richter, Gerhard Richter, Schober (1984; 6-9 Millionen GBP) und Abstraktes Bild (1991; 4,5-6,5 Millionen GBP). Hinzu kommen Arbeiten von Bridget Riley, Cecily Brown und Cy Twombly.
Im Anschluss präsentiert Christie’s die 25. Ausgabe seines „The Art of the Surreal Evening Sale“, der einzigen internationalen Auktion, die sich ausschließlich Dada, Surrealismus und deren anhaltendem Einfluss widmet.
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Die Zahl 25 spielt auch bei dem Top-Los der Offerte eine Rolle, befand sich dieses doch 25 Jahre in derselben Schweizer Privatsammlung und wird nun erstmalig auf dem Auktionsmarkt angeboten: René Magrittes Les grâces naturelles (ca. 1961; 6,5-9,5 Millionen GBP), dem mit Le choeur des sphinges (1964; 5-8 Millionen GBP) ein weiteres Meisterwerk des Künstlers zur Seite gestellt wird, das die Auktion allerdings aus einer belgischen Sammlung erreicht hat. Weitere spannende Arbeiten stammen von Paul Delvaux, La Ville lunaire (1944; 2-3 Millionen GBP), sowie Joan Miró, Toyen, Dorothea Tanning, Pablo Picasso, Odilon Redon und Max Ernst.
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Dazu Olivier Camu, stellvertretender Vorsitzender der Abteilung für Impressionistische und Moderne Kunst bei Christie’s: „Die Auktion The Art of the Surreal prägt seit über drei Jahrzehnten den Markt für Surrealismus, und diese 25. Ausgabe unterstreicht ihre einzigartige Bedeutung und ihren Stellenwert. Die Auktion vereint Werke von 15 Künstlern in Museumsqualität […] und präsentiert herausragende Arbeiten aus Privatsammlungen, die allesamt neu auf dem Markt sind und von denen viele zum ersten Mal versteigert werden.“

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Den Abschluss des Auktionstages bildet der Modern Visionaries Evening Sale, der der Sammlung des belgischen Sammlerpaares Roger und Josette Vanthournout gewidmet ist. Neben bereits genannten Namen wie Magritte, Ernst und Moore ist hier Yayoi Kusama vertreten, deren Werk Infinity Nets (1960) als eines der Highlights zum Aufruf kommt (2-3 Millionen GBP).
Die abendliche Versteigerung der Sammlung Vanthournout wird durch einen Day Sale am 6. März sowie durch eine Online-Auktion ergänzt (25. Februar - 12. März). Ebenfalls am 6. März präsentiert Christie’s den „Impressionist and Modern Art Day and Works on Paper Sale“ gefolgt vom „Post-War and Contemporary Art Day Sale“ sowie der Auktion „Spellbound: The Hegewisch Collection Part II“, die den zweiten Teil der Sammlung des Hamburger Unternehmers Klaus Hegewisch zum Thema hat, am 7. März. Abgerundet wird Christie’s Angebot während der Londoner Marquee Week mit „Post-War and Contemporary Art Online“ (25. Februar - 11. März).
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