Am 4. März 1950 feierte das Volkswagen-Werk in Wolfsburg die Fertigung des einhundertausendsten Wagens vom Typ 1, der unter dem Spitznamen Käfer zur Legende wurde. Nur vier Tage später folgte das nächste Highlight, als der Käfer seinen „kleinen großen Bruder“ begrüßen durfte, der an diesem Tag in Serienproduktion ging: der Transporter Typ 2, der im Volksmund schon bald darauf als Bulli bekannt war und nicht minder die Herzen von Fahrzeughaltern in aller Welt eroberte.
Begonnen hatte alles drei Jahre zuvor, als der niederländische Händler Ben Pon, der vorhatte, den Typ 1 in seine Heimat zu importieren, bei einem Besuch im Wolfsburger Werk die einfachen Plattenwagen bemerkte, mit denen auf dem Gelände Fertigungsteile transportiert wurden, wobei sich Motor und Fahrersitz hinter der Ladefläche befanden.

Inspiriert von dieser Begegnung hatte Pon die Idee zu einem geschlossenen Transporter mit Heckmotor, dessen Fahrersitz sich jedoch vorne befinden sollte. Die Originalskizze vom 23. April 1947, die er dazu anfertigte, ist heute Teil der Sammlung des Rijksmuseum Amsterdam.
Der Transporter sollte auf Basis des Käfer gebaut werden, die sich für die geplante Zuladung von 750 kg jedoch als nicht geeignet erwies. Das Problem wurde behoben, sodass das neue Fahrzeug im November 1949 erstmals vorgestellt und ab dem 8. März 1950 schließlich in Serienproduktion gehen konnte, in den Versionen Kastenwagen oder Kleinbus für den Personentransport.
Offiziell hieß der neue Wagen T1, doch schon bald kam der Spitzname Bulli auf, der vermutlich eine Zusammensetzung aus „Bus“ und „Lieferwagen“ darstellt. Im englischen Sprachraum, wo das Wort „bully“ negativ behaftet ist, wurde der T1 aufgrund der zweigeteilten Windschutzscheibe auch Splittie genannt.
Lesen Sie auch: Eine (be)stechende Schönheit

Im ersten Produktionsjahr liefen rund 8.000 T1 in Wolfsburg vom Band, fünf Jahre später waren es bereits knapp 50.000 – eine Zahl, die Volkswagen dazu veranlasste, in Hannover ein neues Werk für die Fertigung des T1 zu bauen, wo die Anzahl der hergestellten Bullis bereits 1958 die 100.000-Stück-Marke knackte.
Der enorme Erfolg des T1 beruhte zum einen auf der Tatsache, dass er günstiger zu haben war als ähnliche Modelle anderer Hersteller (der Kastenwagen kostete 5.850 DM [nach heutigem Wert rund 19.000 Euro] die Kleinbusversion 6.950 DM), und zum anderen auf seiner enormen Wandlungsfähigkeit. Neben der vielfältigen Nutzung wie etwa durch Rettungsdienste und die Post, blieb der private Sektor jedoch der umfangreichste. Der T1 wurde zu einem Symbol des Wirtschaftswunders im Nachkriegsdeutschland, nicht zuletzt, weil seine Besitzer ihn nutzten, um mit Kind und Kegel in den Urlaub zu fahren – meist nach Italien. Eine Ausstattung für Campingreisen ließ dann auch nicht lange auf sich warten.

Doch auch in anderen Ländern entwickelte sich der T1 schnell zum Erfolgsmodell. So wurde von den 62.500 Exemplaren, die 1956 hergestellt wurden, mehr als ein Zehntel in den USA verkauft. Von dort fand bald darauf jene Bewegung ihren Weg nach Europa, die sich vom spießbürgerlichen Mief der Nachkriegsgesellschaft distanzierte: die Hippies, die den T1 jedoch nicht weniger schätzten, als ihre konservativen Eltern. Statt als ein Symbol des wirtschaftlichen Aufschwungs, galt der Bulli bei den jungen Leuten als ein Symbol der Freiheit. In den USA quetschte man sich mit möglichst vielen Leuten hinein, um nach Woodstock oder Kalifornien zu fahren, von Europa aus machte man sich mit ihm auf den Weg nach Osten.
Lesen Sie auch: Ein Sommer im Look der 60er

Auf dem Hippie Trail reisten in den 1960er und 1970er Jahren viele reiselustige junge Leute nach Asien, wo sie Erleuchtung, Freiheit oder auch billige Drogen zu finden hofften. Über Istanbul und Teheran ging es zunächst nach Kabul, von da aus weiter zu fernen Zielen wie Kathmandu, Bangkok, Sri Lanka und vor allem Goa in Indien, wo man sich bei den Vollmondpartys am Strand treiben ließ. Die Weltenbummler waren in allen möglichen Fahrzeugen unterwegs, doch der VW Bulli war so etwas wie der König des Hippie Trails. Wer einen hatte, hatte Glück – ebenso die vielen Tramper, die auf diese Weise eine Mitfahrgelegenheit bekamen. Tatsächlich wird der T1 heutzutage noch mehr mit der Hippie-Zeit assoziiert als mit dem Wirtschaftswunder, aber es ist schon interessant, wie er zum Symbol dieser so gegensätzlichen Lebensweisen werden konnte.

1962 wurde der 1-millionste T1 in Hannover gefertigt (und der UNICEF in Paris geschenkt), vier Jahre später ging das 1-millionste Exemplar in den Export. Dennoch waren die Tage des T1 gezählt – zumindest in Deutschland, wo am 3. August 1967 der T2 in Produktion ging, der statt der zweiflügeligen Seitentür über eine Schiebetür verfügte sowie statt einer zweigeteilten eine durchgehende, gewölbte Windschutzscheibe hatte. Im VW-Werk in Brasilien wurde der T1 allerdings noch bis 1975 gebaut, als eine Mischung aus T1- und T2-Elementen sogar bis 1997.
Lesen Sie auch: Porsche: Eine zeitlose Anziehungskraft

Die Popularität des Volkswagen Transporters befand sich in diesen Jahren auf ihrem Höhepunkt. 1972 markierte das Jahr, in dem mit knapp 300.000 gebauten Exemplaren die höchste Jahresproduktion des Fahrzeugs erzielt wurde.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!
Als 1979 der T2 vom T3 abgelöst wurde, bedeutete das einen großen Einschnitt. Statt auf runde Formen, setzte man nun auf eckige, was dem Typ 2 einen völlig anderen Look verlieh, an dem sich die Geister schieden und bis heute scheiden. Die Veränderung reflektierte die Umstellung, die VW bereits 1974 mit der Einführung des Golf eingeleitet hatte, der den Käfer als erfolgreichstes Fahrzeug von Volkswagen den Rang ablaufen sollte.

Der Transporter von Volkswagen rollt heute in seiner siebten Generation über die Straßen dieser Welt. Der besondere Platz im Herzen von Auto-Fans und -Nostalgikern bleibt jedoch vor allem dem T1 vorbehalten, der zwischen 1950 und 1967 in Wolfsburg und Hannover gebaut wurde. Insgesamt rollten dort 1,8 Millionen Exemplare vom Band, wie viele bis heute überlebt haben, ist nicht bekannt. Wer einen besitzt, hegt und pflegt ihn hingebungsvoll und präsentiert ihn stolz auf den jährlichen Treffen der Fangemeinde. Wer einen besitzen möchte, sollte außer bei entsprechenden Händlern auch auf dem Auktionsmarkt Ausschau halten. Dabei ein Schnäppchen zu machen, könnte sich jedoch als schwierig gestalten, denn für ein Exemplar in gutem und fahrtüchtigem Zustand muss man mit Preisen im mittleren fünf- oder sogar sechsstelligem Bereich rechnen.
Lesen Sie auch: Die 10 teuersten Classic Cars der Auktionsgeschichte

Besonders begehrt ist der Samba, ein edles Sondermodell des T1, das 1951 auf der Internationalen Automobilausstellung erstmals vorgestellt wurde, wobei die Entstehung des Spitznamens Samba nicht ganz klar ist; ein Theorie besagt, dass es sich um ein Akronym von „Sonderausführung mit besonderer Ausstattung“ handelt. Im englischen Sprachraum wurde er als „Microbus Deluxe“ gehandelt. Ausgelegt auf den Transport von acht Personen, zeichnet sich der Samba-Bus durch seine vielen Fenster (erst 23, dann 21), die verchromten Zierleisten und das Faltschiebedach über dem Fahrgastraum aus. Selbstredend handelt es sich auch bei dem bislang teuersten Volkswagen-Transporter der Auktionsgeschichte um einen T1 Samba: 2017 versteigerte das auf Sammlerautos spezialisierte Auktionshaus Barrett-Jackson in Scottsdale, Arizona ein Exemplar von 1965 für 302.500 US-Dollar (287.375 Euro).
Ihre persönliche Suche nach einem T1 können Sie einfacher gestalten, indem Sie sich bei Barnebys anmelden und einen Suchalarm erstellen – selbstverständlich kostenlos. Sobald ein entsprechendes Los in einer Auktion auftaucht, werden Sie darüber per E-Mail informiert.
Weitere Artikel über sammelwürdige Autos finden Sie im Barnebys Magazin










