Alles im Weiße Haus dreht sich um Politik – oder? Hin und wieder kommt es vor, dass der persönliche Modestil der First Lady die volle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Da mussten wir uns einmal umschauen.
Dolley Madison

Dolley war die Frau von US-Präsident James Madison (1809-17). Sie war es, die das Weiße Haus für Parties und Empfänge öffnete. Doch nicht nur darin war sie eine Trendsetterin, sondern auch in Sachen Mode. Als Tochter einer Quäkerfamilie hatte sie sich zurückhaltend zu kleiden. Doch nachdem sie die strengen Glaubensregeln ihrer Eltern einmal hinter sich gelassen hatte, liebte sie es, sich in leuchtende Farben und Stoffe mit Mustern zu hüllen. Viele Gemälde zeigen sie gekleidet im Stil der damaligen Zeit: das hochgegürtete Empire-Kleid, welches sie gerne mit einem um ihr Haar gewickelten Schal kombinierte.
Jeden Mittwoch gab Dolley einen Empfang im Ovalen Salon, vor dessen Fenster leuchtend rote Samtvorhänge drapiert waren – ein weiteres Beispiel für Dolleys kühnen Geschmack. Während der drohenden Invasion durch die britische Armee im Jahr 1814 (Britisch-Amerikanischer Krieg 1812-15), war es Dolley, die sich um die Evakuierung des Porträts George Washingtons und wichtiger Regierungsdokumente kümmerte. Auch die Samtvorhänge ließ sie in Sicherheit bringen. Später ließ sie sich aus ihnen ein Kleid schneidern, das sich nach ihrem Tod im Jahr 1849 in ihrem Nachlass befand.
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Mary Lincoln

Mary Lincoln war die Frau an der Seite von Präsident Abraham Lincoln (1861-65), in dessen Amtszeit die Abschaffung der Sklaverei und der Amerikanische Bürgerkrieg fielen. Einer wohlhabenden Familie entstammend, wurde Mary vom Personal als The Madam bezeichnet. Ihre Garderobe bestand aus Kleidern, die gerne bis zu 2000 USD kosten konnten. Natürlich ließ sich auch Mary vom Modediktat Europas beeinflussen und trug eng taillierte Krinolinenkleider, während ihren Kopf beeindruckender Blumenschmuck zierte. Einen Senator verleiteten diese Arrangements dazu zu sagen, sie würde einen "Blumentopf" auf dem Kopf tragen.
Auch wenn sie von vielen, auch von ihrem Mann, dafür kritisiert wurde, während des Krieges und der nationalen Krise so teuere Kleider zu tragen, betrachtete sie sich selbst als Leuchtfeuer und Botschafterin ihres Landes: "Ich muss teure Materialien tragen."
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Eleanor Roosevelt

Als Ehefrau von Präsident Theodore Roosevelt (1901-09) war Eleanor die erste First Lady, die wirklich zu einer öffentlichen Person wurde und sich für Menschenrechte einsetze, u. a. für die Bürgerrechtsbewegung. Ihr Stil war eher zurückhaltend und praktisch und war nicht darauf aus, Modetrends zu folgen oder auf Fotos zu glänzen.
Auch lange nach der Präsidentschaft ihres Mannes kämpfte Eleanor in schlichten Kostümen, Jacken und Kleidern für soziale Gerechtigkeit. Und trotz alledem hat auch Eleanor Roosevelt in gewisser Weise Mode- bzw. Fotografiegeschichte geschrieben, war sie doch die erste First Lady, die im Badeanzug abgelichtet wurde.
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Jackie Kennedy

Die modebewussteste unter den First Ladies, die außerdem nicht bloß Trends folgte, sondern selbst zur Ikone wurde, ist natürlich Jacqueline "Jackie" Kennedy, die an der Seite von Präsident John F. Kennedy (1961-63) ins Weiße Haus einzog. Von Chanel bis Dior – Jackie wusste immer ganz genau, was sie tragen wollte und brachte sogar ihren Schneider Jean-Louis Scherrer dazu, nach ihren eigenen Skizzen und Beschreibungen zu arbeiten. Jackies Stil wurde zu einer eigenen Modebewegung, der sich Frauen auf der ganzen Welt anschlossen: der "Jackie Look" definierte den Stil der 1960er Jahre. Das Erfolgsrezept von Jackies Stil war "elegante Einfachheit", ihr Look war modern und minimalistisch ohne wilde Farbkombinationen. Geradezu legendär sind bis heute ihre ebenfalls schichten "Pillbox Hats". Ohne den Hang zum Extravaganten, war es für andere Frauen ein Leichtes, den "Jackie Look" zu kopieren.
Auf Jackie Kennedy angesprochen, sagte Modedesigner Valentino einmal: "Nur wenige Frauen in der Geschichte haben die Fantasie so beflügelt wie sie, und es waren Jackies Mut und Anmut, die ihr Image zu einem dauerhaften gemacht haben. Sie war ein Original, eine Ikone."
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Nancy Reagan

Acht Jahre lang füllte Nancy die Rolle der First Lady an der Seite ihres Mannes, Präsident Ronald Reagan (1981-89), aus. Wie so viele ihrer Vorgängerinnen hatte auch Nancy einen teuren Geschmack, ihre Kleider und Kostüme stammten von Designern wie Oscar de la Renta oder James Galanos (angeblich soll ein weißes Abendkleid von Galanos einmal stolze 10.000 USD gekostet haben). Es war jedoch die Farbe Rot, die Nancys Stil definierte – so sehr, dass ein bestimmter leuchtender Rotton als "Reagan Red" bekannt wurde.
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Bei soviel Glamour sind Kontroversen schon beinahe vorprogrammiert: 1982 kam heraus, dass Nancy Kleider und Schmuck im Wert von Tausenden von Dollar gratis oder als Spenden angenommen hatte, wofür sie scharf angegriffen wurde, denn die Wirtschaftslage war damals nicht die beste. Obendrein hatte sie diese Spenden nirgendwo angegeben. Nancy entschuldigte sich und glättete die Wogen. 1989 hatte man ihr verziehen und wurde auf der jährlichen Gala des Council of Fashion Designers of America geehrt.
