Der Trend zur Braut im jungfräulichem Weiß wurde im 19. Jahrhundert etabliert, vor allem angestoßen vom weißen Seidenkleid, das Queen Victoria 1840 bei ihrer Vermählung mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha trug. Dennoch blieb die Anfertigung eines speziellen Kleides für den „schönsten Tag im Leben einer Frau“ lange Zeit der Oberschicht vorbehalten, während die Braut niederer Herkunft bis weit ins 20. Jahrhundert hinein auf ihren oftmals schwarzen Sonntagsstaat zurückgreifen musste.

Wer sich für die Geschichte des Brautkleides interessiert oder sich Inspiration für den eigenen großen Tag holen möchte, für den ist der Auktionsmarkt die perfekte Fundgrube. Auch wir haben uns dort, genauer gesagt unter den in der Vergangenheit versteigerten Hochzeitsroben, einmal umgeschaut.
Das historische Hochzeitskleid
1916 schritt ein französisches Fräulein in diesem Traum aus belgischer Spitze zum Altar - ein Labsal für das Auge im damals vom Krieg erschütterten Europa. Gemäß der Einlieferer-Familie soll es sich um eine Kreation des Hauses Worth handeln, welches 1858 vom ersten Star-Designer Charles Frederick Worth in der Rue de la Paix in Paris eröffnet worden war.

Als die Argentinierin María de las Mercedes Dose y Obligado und der österreichische Fürst Alexander von Dietrichstein einander 1930 in Paris das Jawort gaben, trug die Braut ein Geschenk ihrer lieben Freundin Coco Chanel. Das Kleid war das Hochzeitsgeschenk der Modedesignerin. Für einen solchen perfekt geschneiderten Vintage-Traum aus dem Hause Chanel muss man natürlich einiges hinblättern. Christie’s hielt im November 2013 5.000-8.000 GBP daher für angebracht. Verkauft wurde das Kleid jedoch letztendlich für stolze 40.000 GBP.
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Das Haute Couture-Hochzeitskleid
Den klassischen New Look von Christian Dior entdecken wir in diesem Brautkleid des französischen Designers aus den 1950er Jahren. Der New Look, den Dior selbst als Ligne Corolle („Blütenkelch-Linie“) bezeichnete, setzte auf eine schmale Taille und einen weiten, wadenlangen Rock, der der Zurückhaltung der Nachkriegsjahre Lebewohl sagte.
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1973 schockiert Yves Saint Laurent das Publikum seiner Frühjahr/Sommer-Show mit diesem Kleid im griechischen Stil. Was schockierte war vor allem die Schlichtheit. Doch scheint das Kleid durchaus einflussreich gewesen zu sein, erinnert es doch an die Garderobe von Prinzessin Leia aus den Star Wars-Filmen, die ab 1977 in die Kinos kamen.
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15 Jahre später kreierte der im Dezember 2019 verstorbene Emanuel Ungaro dieses Kleid, das keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass es aus den 1980er Jahren stammt. Ungaro hatte seine ganz eigene Arbeitsweise, indem er seine Schöpfungen „direkt am Modell“ entwarf, ohne zuvor Skizzen anzufertigen.

Ein weiterer Traum aus Spitze stammt aus dem Jahr 1995 - dem Jahr, in dem die neue Lacroix Boutique in London eröffnet wurde. Das romantische Kleid war dort zunächst im Schaufenster ausgestellt, bevor es bei der Hochzeit des Ladeninhabers tatsächlich getragen wurde.
Das Hochzeitskleid aus fernen Ländern

Wem eine klassische Hochzeitsrobe zu langweilig ist, könnte sich von den Brautgewändern aus anderen Gegenden dieser Welt inspirieren lassen. Einen Hauch von Exotik erschafft man beispielsweise mit einem solchen Seidengewand einer Braut aus der Mandschurei (Nord-Ost-China), welches mit einem aufwändigen Blütenkopfputz kombiniert wird. Die Farbe Rot ist in China die traditionelle Farbe des Glücks und spielt auch heute bei chinesischen Hochzeitszeremonien eine große Rolle - auch wenn die Braut bei der anschließenden Feier meist ein westliches Kleid trägt.
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Das Hochzeitskleid im Film
Filme, in denen geheiratet wird, erfreuen sich großer Beliebtheit, z. B. Die Hochzeit meines besten Freundes, Mamma Mia! und natürlich Vier Hochzeiten und ein Todesfall. Da schmachtet man mit, das geht ans Herz. Eher irritierend war 1969 vielleicht der Film Im Geheimdienst Ihrer Majestät, als Geheimagent James Bond, der sonst nichts anbrennen lässt, tatsächlich den Bund fürs Leben einging.

So außergewöhnlich wie dieses Ereignis war natürlich auch das Gewand der Braut Teresa „Tracy“ di Vincenzo, dargestellt von Diana Rigg: ein Blüten-Jumpsuit im Stil der späten 60er, der mit einem zarten Mantel aus Chiffon kombiniert wurde. Der Mantel wurde 2001 bei Christie’s in London versteigert und erzielte 5.640 GBP (Schätzpreis: 1.500-2.000 GBP).
Das Celebrity-Hochzeitskleid
Natürlich heiraten berühmte Menschen auch im echten Leben. Bestes Beispiel dafür ist wohl Elizabeth Taylor, die gleich achtmal den Gang zum Altar wagte. Der erste Auserwählte hieß Conrad „Nicky“ Hilton, Spross der berühmten Hotelier-Dynastie. Taylor war damals beim Filmstudio MGM unter Vertrag, welches es sich nicht nehmen ließ, die für den 6. Mai 1950 in Beverly Hills angesetzte Zeremonie medienwirksam zu begleiten und auszustatten. So war das Brautkleid ein Entwurf der damaligen Chef-Kostümdesignerin von MGM, Helen Rose. Die Versteigerung des Kleides im Juni 2013 in London, bei der es für 121.875 GBP (Schätzpreis: 30.000-50.000 GBP) einen neuen Besitzer fand, war erfolgreicher, als die Ehe zwischen Taylor und Hilton, die bereits am 1. Februar 1951 wieder geschieden wurde.

Geradezu legendär sind natürlich die beiden Ehen, die Elizabeth Taylor mit dem walisischen Schauspieler Richard Burton einging, den sie 1962 bei den Dreharbeiten zum Film Cleopatra kennen und lieben gelernt hatte. Nachdem beide von ihren damaligen Ehepartnern geschieden worden waren, fand die erste Taylor-Burton-Hochzeit 1964 in Montreal statt. Es war der Beginn einer quasi öffentlich geführten Skandal-Ehe, die mit Affären, luxuriösem Schmuck und leider auch Alkohol weltweit für Gesprächsstoff sorgte. Die Scheidung erfolgte nach 10 turbulenten und leidenschaftlichen Jahren im Juni 1974.

Doch war die Trennung nicht von langer Dauer: Bereits im Oktober 1975 heiratete das berühmte Liebespaar erneut. Dieses Mal in Botswana in einer Freiluft-Zeremonie. Passend dazu trug die Schauspielerin ein luftiges Kleid im Hippie-Style von Gina Fratini. Im Dezember 2011 war es Teil der Versteigerung der Elizabeth Taylor Collection bei Christie’s in New York, wo es für 62.500 USD (Schätzpreis 10.000-12.000 USD) einen neuen Besitzer fand.
Das royale Hochzeitskleid
Gibt es noch etwas Besseres zu ersteigern als ein Hochzeitskleid aus den Reihen der Hollywood-Royalty? Natürlich! Und zwar eines aus den Reihen der echten Royalty.

Die berühmtesten Hochzeitskleider dieser Sparte sind zweifellos jene von Grace Kelly, die 1956 Fürst Rainier von Monaco heiratete, und von Diana Spencer, die 1981 den englischen Thronfolger Charles ehelichte. Beides sind Ikonen und moderne Schätze, die natürlich nie auf dem Auktionsmarkt aufgetaucht sind. Grace Kellys Brautkleid, übrigens ebenfalls ein Entwurf von MGM-Designerin Helen Rose, wird heute im Philadelphia Museum of Art ausgestellt. Dianas Märchenkleid ging nach ihrem tragischen Tod zunächst in den Besitz ihres Bruders über, der es im Spencer-Anwesen Althorp ausstellte. Gemäß Dianas Testament wurde es 2014 jedoch an ihre beiden Söhne weitergegeben.
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Aber… 2005 wurde im englischen Auktionshaus Cooper Owen „Diana’s ‚second‘ wedding dress“ angeboten, eine für den Notfall geschaffene, etwas schlichtere Kopie des berühmten Kleides des Designer-Paares David & Elizabeth Emanuel, die die Braut bei den Anproben ebenfalls getragen haben soll. Wie Brautkleid Nr. 1 sei auch dieses Kleid vor der Hochzeitszeremonie streng unter Verschluss gehalten, danach jedoch zum Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds gebracht worden, wo es fortan das wächserne Ebenbild des neuesten Mitglieds der Königsfamilie umhüllen sollte.

Diese Geschichte wurde auch von Seiten Madame Tussauds bestätigt. Aber es gab im Vorfeld der Auktion auch Stimmen, die die ganze Geschichte etwas anders sahen, und zwar niemand anderes als die Designerin Elizabeth Emanuel höchstselbst. Emanuel gab gegenüber CBS an, dass das Kleid niemals als Notfallkleid gedacht war und vor allem, dass Diana es niemals anprobiert habe: „Sie war so beschäftigt und wir mussten alle Anproben in ihren Terminplan reinquetschen. Es ist absolut unmöglich, dass sie dieses Kleid hätte anprobieren können.“
In einem Artikel der Daily Mail von 2017 ist jedoch zu lesen, dass es insgesamt drei Kleider gegeben aus dem Atelier der Emanuels gegeben habe: das eigentliche Hochzeitskleid, jenes für Madame Tussauds und ein unfertig gebliebenes Ersatzkleid, das ein anderes Design aufwies und zum Einsatz gekommen wäre, wäre das Aussehen von Dianas eigentlichen Hochzeitskleid vor dem großen Tag publik geworden. Der Verbleib dieses Ersatzkleides liegt jedoch im Dunkeln. „Es hing lange Zeit im Studio, dann verschwand es. Ich weiß nicht, ob wir es eingelagert oder verkauft haben. Es war so eine geschäftige Zeit. Ich bin mir sicher, dass es eines Tages in einem Kleidersack wieder auftaucht“, äußerte sich Elizabeth Emanuel.
Egal, ob echt oder nicht, und vor allem, ob Diana es tatsächlich jemals getragen hat, das mysteriöse "second dress" wechselte jedenfalls am 7. Dezember 2005 für 90.000 GBP den Besitzer - und die (vermeintliche) Märchenhochzeit von 1981 war um eine weitere Legende reicher.
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