Die Kunst der Mode - Mode in der Kunst

Fashionistas werden es bestätigen: Mode ist auch eine Form der Kunst, denn sie erfordert Fantasie, Kreativität und zuweilen auch völlige Hingabe. Und das ist durchaus kein neuer Trend. Schon seit Jahrhunderten steht die Frau von Welt morgens auf und denkt: Was soll ich heute bloß anziehen?

Die Kunst der Mode - Mode in der Kunst

Einen wunderbaren Einblick in den Wandel in der Mode gibt uns vor allem die Portraitmalerei. Auf Portraits konnte sich der Abgebildete seinen Wünschen entsprechend darstellen lassen und so die Wichtigkeit seiner Person hervorheben. Ein wichtiges Statussymbol war auch immer eine standesgemäße Garderobe. Denn modisch "up-to-date" zu sein, konnte sich nicht jeder leisten. Eine Dame der Gesellschaft, die den Auftrag zu einem Portrait vergab, hätte es sich niemals nehmen lassen, sich - natürlich dem aktuellen Zeitgeschmack unterworfen - in ihre feinsten Stoffe zu hüllen.

Ihren Höhepunkt erreichte die Portraitmalerei im 18. und 19. Jahrhundert. Daher wollen wir uns im Folgenden auf Gemälde und die Mode dieser zweihundert Jahre konzentrieren. Die unangefochtene Hauptstadt der Mode war Paris. Das Gewandt, das europaweit von allen Damen getragen wurde war die Robe à la française, die am französischen Königshof erfunden worden war. Sie bestand im Grunde aus drei Teilen: Einem Rock, einem versteiften Mieder und dem darüber getragenen Manteau, der im Laufe der Zeit seine Form deutlich veränderte.

Antoine Watteau (1684-1721), Les deux cousines (c. 1717-1718) | Foto via Wikipedia
Antoine Watteau (1684-1721), Les deux cousines (c. 1717-1718) | Foto via Wikipedia

Unser erstes Gemälde ist zugegebenermaßen kein Portrait. Vielmehr gehört es der von eben diesem Maler geschaffenen Bildgattung der fêtes galantes an. Ebenso typisch wie dieses Genre, war für Watteau die Darstellung eines bestimmten Kleidungsstückes jener Zeit - der Contouche. Dabei handelt es sich um den oben erwähnten, locker über Rock und Mieder getragener, bodenlanger Mantel. Sein wichtigstes Element ist der aufwändige Faltenwurf auf der Rückseite.

François Boucher (1703-1770), Portrait der Madame de Pompadour, 1759 | Foto via Wikipedia
François Boucher (1703-1770), Portrait der Madame de Pompadour, 1759 | Foto via Wikipedia

Jeanne-Antoinette Poisson Marquise de Pompadour ist wohl die berühmteste Maitresse des französischen Königs Ludwig XV. Sie ließ sich häufig von den besten Malern Frankreichs portraitieren, wie in diesem Fall von François Boucher. Für die Marquise bedeutete ein Portrait eine Demonstration ihrer Macht, ihrer Bildung (häufig ließ sie sich mit Büchern oder Manuskripten abbilden) und ihres guten Geschmacks. Außerdem machte sie mit den traumhaften Kleidern aus erlesenen Stoffen Werbung für die französische Seidenindustrie.

Élisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842), Königin Marie Antoinette von Frankreich, 1778 | Foto via Wikipedia
Élisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842), Königin Marie Antoinette von Frankreich, 1778 | Foto via Wikipedia

In den 1770er Jahren war die französische Hofrobe so pompös wie noch nie. Die paniers - die verstärkten "Unterbauten", die dem Rock rechts und links der Hüfte die Form gaben, wurden immer breiter und die Dame von Welt bevorzugte turmhohe Frisuren, auf denen auch gerne ganze Landschaften abgebildet wurden. 1778 ließ sich die unglückselige und verschwenderische Marie Antoinette in einem solchen Ensemble von der Pariser Künstlerin Élisabeth-Louise Vigée-Lebrun portraitieren. Die Königin hatte ein ausgesprochenes Faible für die Mode und gab Unsummen dafür aus. Ihre liebste Schneiderin Rose Bertin ernannte sie sogar zur "Ministerin für Mode".

Joshua Reynolds (1723-1792), Emily Cecil, 1st Marchioness of Salisbury, 1780 | Foto via Wikipedia
Joshua Reynolds (1723-1792), Emily Cecil, 1st Marchioness of Salisbury, 1780 | Foto via Wikipedia

In England liebte man es zu dieser Zeit schon weitaus bequemer, wie es viele Damenportraits der bekannten und in ewiger Konkurrenz zueinander stehenden englischen Maler Joshua Reynolds und Thomas Gainsborough belegen. Diese Robe á l'anglaise, bei der auf breite paniers und den Faltenwurf am Rücken verzichtet wurde, erfreute sich schließlich auch in Frankreich immer größerer Beliebtheit.

Élisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842), Marie Antoinette "en gaule", 1783 | Foto via Wikipedia
Élisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842), Marie Antoinette "en gaule", 1783 | Foto via Wikipedia

Auch die modebewusste Marie Antoinette sehnte sich schließlich nach einer schlichteren Garderobe. Sie ging dabei sogar soweit, dass sie einfache weiße Kleider aus schlichtem Musselin bevorzugte. Natürlich wollte sie sich in einem solchen Outfit auch abbilden lassen. Und so malte sie Madame Vigée-Lebrun dieses Mal en gaule. Das Portrait wurde 1783 im Pariser Salon ausgestellt und sorgte für Entrüstung: Die Königin hat sich im Hemd malen lassen! Unmöglich! Das Bild musste aus der Ausstellung entfernt werden.

François Gérard (1770-1837), Portrait der Julie Récamier, 1802 | Foto via Wikipedia
François Gérard (1770-1837), Portrait der Julie Récamier, 1802 | Foto via Wikipedia

Der Siegeszug der Robe à la Chemise (Hemdkleid)war jedoch nicht mehr aufzuhalten. Und die Französische Revolution trug zudem ihren Teil dazu bei, die Damenmode schlichter zu gestalten. Mit der dreiteiligen Robe à la française war es vorbei. Die neuen Kleider entsprachen dem klassizistischen Zeitgeschmack. Auf formgebende "Unterbauten" wurde verzichtet, die Frauen hatten es so bequem wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr.

Joseph Karl Stieler (1781-1858), Bildnis der Nanette Kaulla in der Schönheitengalerie König Ludwigs I. von Bayern, 1829 | Foto via Wikipedia
Joseph Karl Stieler (1781-1858), Bildnis der Nanette Kaulla in der Schönheitengalerie König Ludwigs I. von Bayern, 1829 | Foto via Wikipedia

Mit dieser Bequemlichkeit war es jedoch schon bald wieder vorbei. Das 19. Jahrhundert erwies sich, auch was die Damenmode betraf, als besonders sittenstreng. Das Tragen äußerst eng geschnürter Korsetts war nun obligatorisch. Ansonsten hieß es: Möglichst viel bedecken. Zunächst wurden die Kleider im oberen Bereich wieder breiter - in der Form sogenannter Keulenärmel in den 1820er und 1830er Jahren.

Franz Xaver Winterhalter (1805-1873), Kaiserin Eugénie von Frankreich mit ihren Hofdamen, 1855 | Foto via Wikipedia
Franz Xaver Winterhalter (1805-1873), Kaiserin Eugénie von Frankreich mit ihren Hofdamen, 1855 | Foto via Wikipedia

Mit der Einführung der Krinoline ab etwa 1840 bekamen die Kleider wieder einen Umfang, wie sie ihn zuletzt in den 1770er Jahren gehabt hatten. Wie in einem Meer aus Stoffen und zarten Farben sitzend, erscheinen uns die französische Kaiserin Eugénie und ihre Hofdamen in ihren Krinolinenkleidern auf diesem Gemälde von Franz Xaver Winterhalter, einem der beliebtesten Portraitmaler seiner Zeit. In den 1860er Jahren war die Krinoline auf ihrem voluminösen Höhepunkt: Der Saumumfang eines solchen Kleides konnte mehr als sechs Meter betragen.

Pierre-Auguste Renoir (1841-1919), Die Pariserin, 1874 | Foto via Wikipedia
Pierre-Auguste Renoir (1841-1919), Die Pariserin, 1874 | Foto via Wikipedia

Um 1870 verschwand die Krinoline aus dem Kleiderschrank, um Platz für die Turnüre zu schaffen, die dem Kleid nur noch auf der rückwärtigen Seite Volumen gab. Der vordere Bereich war relativ eng anliegend, was zunächst als unschicklich angesehen wurde.

John Singer Sargent (1856-1928), Cora Smith, Countess of Strafford, 1908 | Foto via Wikipedia
John Singer Sargent (1856-1928), Cora Smith, Countess of Strafford, 1908 | Foto via Wikipedia

Am Ende des 19. Jahrhunderts war die Turnüre bereits wieder eingemottet. Die Kleider wurden noch schmaler. Wie schon fünfzig Jahre zuvor waren nun wieder voluminöse Ärmel in Mode. Sie verstärkten den grazilen Effekt der schmalen Taille noch zusätzlich.

Philip Alexius de László (1869-1937), Kronprinzessin Cecilie von Preußen, 1908 | Foto via Wikipedia
Philip Alexius de László (1869-1937), Kronprinzessin Cecilie von Preußen, 1908 | Foto via Wikipedia

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Ende der Portraitmalerei endgültig eingeläutet. Die Erfindung der Fotografie ließ sie zunehmend in den Hintergrund rücken. Dennoch finden sich auch in dieser Zeit noch einige schöne Beispiele für dieses aussterbende Genre, wie das folgende Bild beweist. Auffälligstes Modeaccessoire ist nun der Hut, der so groß wie ein Wagenrad sein konnte.

Hier sind wir nun am Ende unserer kleinen Reise durch die Mode zweier Jahrhunderte. Und dankbar sind wir dafür, dass die begabtesten Maler ihrer Zeit, ihr Talent dafür verwendet haben, diese Mode so detailreich festzuhalten.