Einen wunderbaren Einblick in den Wandel in der Damenmode gewährt die Porträtmalerei. Auf Porträts konnte sich die Abgebildete den eigenen Wünschen oder einem bestimmten Anlass entsprechend darstellen lassen. Ein wichtiges Statussymbol war auch immer eine standesgemäße Garderobe. Denn modisch "up-to-date" zu sein, konnte sich nicht jeder leisten. Hinzu kamen Bekleidungsvorschriften, die lange Zeit bestimmten, welche Farben, Schnitte und Stoffe die Mitglieder der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten überhaupt tragen durften.
Doch zurück zur Porträtmalerei, die ihren letzten Höhepunkt im 18. und 19. Jahrhundert erlebte. Daher wollen wir uns im Folgenden auf Gemälde und die Mode dieses Zeitraums konzentrieren.
Die unangefochtene Hauptstadt der Mode war Paris. Das Gewand, das von dort aus im 18. Jahrhundert europaweit von allen höher stehenden Damen getragen wurde, war die Robe à la française. Diese bestand aus drei Teilen: einem Rock, einem vorne auf dem versteiften Mieder befestigten Stecker und dem darüber getragenen Manteau, der im Laufe der Zeit seine Form deutlich veränderte.

Unser erstes Gemälde ist zugegebenermaßen kein Porträt. Vielmehr handelt es sich um die Reklametafel eines Pariser Kunsthändlers, die allerdings vom ersten bedeutenden Maler des Rokoko gemalt wurde: Antoine Watteau. Watteaus Gemälde, darunter seine fêtes galantes, sind berühmt für die Darstellung eines bestimmten Kleidungsstückes jener Zeit: der Contouche. Dabei handelt es sich um den oben erwähnten, locker über Rock und Mieder getragenen bodenlangen Mantel. Sein wichtigstes Element ist der aufwändige Faltenwurf auf der Rückseite, der mitunter auch als "Watteaufalten" bezeichnet wird.
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Jeanne-Antoinette Poisson, Marquise de Pompadour war die berühmteste Mätresse des französischen Königs Ludwig XV. Sie ließ sich von den besten Malern Frankreichs porträtieren, besonders häufig von François Boucher. Für die Marquise bedeutete ein Porträt eine Demonstration ihrer Macht, ihrer Bildung und ihres guten Geschmacks. Außerdem machte sie mit den traumhaften Kleidern aus erlesenen Stoffen Werbung für die französische Seidenindustrie.
Zu ihrer Zeit schmiegte sich der Manteau der Robe à la française bereits eng an das Mieder an, wobei der rückseitige Faltenwurf noch immer existierte. Der Stecker, der Madame de Pompadours Mieder ziert, ist üppig mit Schleifen besetzt. Zehn Jahre später wird der Stecker, der mit Nadeln am Mieder festgesteckt werden musste, praktischeren Alternativen weichen müssen.
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In den 1770er Jahren war die französische Hofrobe (Robe de cour), die von den Damen des Hochadels zu formellen Anlässen getragen wurde, so pompös wie noch nie. Die Paniers, die verstärkten "Unterbauten", die dem Rock rechts und links der Hüfte die Form gaben, wurden immer breiter und die Dame von Welt bevorzugte turmhohe Frisuren, auf denen auch gerne ganze Landschaften abgebildet wurden. 1778 ließ sich Marie Antoinette in einem solchen Ensemble von der Pariser Künstlerin Élisabeth-Louise Vigée-Lebrun porträtieren. Die Königin hatte ein ausgesprochenes Faible für die Mode und gab Unsummen dafür aus. Ihre liebste Schneiderin Rose Bertin ernannte sie sogar zur "Ministerin für Mode".
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Von England aus kam um 1770 eine bequemere Mode in Umlauf, wie es zahlreiche Damenporträts der bekannten und in ewiger Konkurrenz zueinander stehenden Maler Joshua Reynolds und Thomas Gainsborough veranschaulichen. Diese Robe à l'anglaise, bei der auf breite Paniers und den Faltenwurf am Rücken verzichtet wurde, erfreute sich schließlich auch in Frankreich immer größerer Beliebtheit. Zudem wurde der Manteau nun über dem Mieder geschlossen, sodass der umständliche Stecker überflüssig wurde.
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Auch die modebewusste Marie Antoinette sehnte sich schließlich nach einer schlichteren Garderobe. Sie ging dabei sogar soweit, dass sie einfache weiße Kleider aus schlichtem Musselin bevorzugte. Natürlich wollte sie sich in einem solchen Outfit auch für die Ewigkeit festhalten lassen. Und so malte sie Madame Vigée-Lebrun 1783 en gaule. Das Porträt wurde im Pariser Salon ausgestellt und sorgte für Entrüstung: Die Königin hat sich im Hemd malen lassen! Unmöglich! Das Bild musste aus der Ausstellung entfernt und durch ein anderes ersetzt werden.
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Der Siegeszug der Robe à la Chemise ("Hemdkleid") war jedoch nicht mehr aufzuhalten und die Französische Revolution trug zudem ihren Teil dazu bei, die Damenmode schlichter zu gestalten. Mit der dreiteiligen Robe à la française war es vorbei. Die neuen Kleider entsprachen dem klassizistischen Zeitgeschmack. Auf formgebende "Unterbauten" wurde verzichtet, die Frauen hatten es so bequem wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr.
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Mit dieser Bequemlichkeit war es jedoch schon bald wieder vorbei. Das 19. Jahrhundert erwies sich, auch was die Damenmode betrifft, als besonders sittenstreng. Das Tragen eng geschnürter Korsetts wurde obligatorisch. Ansonsten hieß es: möglichst viel bedecken. Zunächst wurden die Kleider im oberen Bereich wieder breiter – in der Form sogenannter Keulenärmel in den 1820er und 1830er Jahren. Doch schon bald war es der Rock, der die meiste Aufmerksamkeit (und den meisten Platz) für sich beanspruchte.
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Mit der Einführung der Krinoline ab etwa 1840 bekamen die Kleider wieder einen Umfang, wie sie ihn zuletzt in den 1770er Jahren gehabt hatten. Wie in einem Meer aus Stoffen und zarten Farben sitzend, erscheinen uns die französische Kaiserin Eugénie und ihre Hofdamen in ihren Krinolinenkleidern auf diesem Gemälde von Franz Xaver Winterhalter, einem der beliebtesten Porträtmaler seiner Zeit. In den 1860er Jahren war die Krinoline auf ihrem voluminösen Höhepunkt: Der Saumumfang eines solchen Kleides konnte mehr als sechs Meter betragen.
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Um 1870 verschwand die Krinoline aus dem Kleiderschrank, um Platz für die Turnüre zu schaffen, die dem Kleid nur noch auf der rückwärtigen Seite Volumen gab. Dieser Trend wurde Cul de Paris ("Pariser Hintern") genannt, ebenso wie rund 100 Jahre zuvor sein Vorbild: die aus der Robe à l'anglaise entwickelte Roba à la Polonaise mit ihrer stark aufgepolsterten Rückseite. Der vordere Bereich des Turnürenkleides des späten 19. Jahrhunderts war relativ eng anliegend, was zunächst als unschicklich angesehen wurde. Etwa zehn Jahre lang beherrschte die Tournüre die Damenmode. Nach einer kurzen Pause kehrte sie zurück, um dann ab den späten 1880er Jahren endgültig eingemottet zu werden.
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Die Kleider wurden nun noch schmaler. Wie schon fünfzig Jahre zuvor kamen nun wieder voluminöse Ärmel in Mode. Sie verstärkten den grazilen Effekt der schmalen Taille noch zusätzlich. Jedoch wurden immer mehr Stimmen laut, die auf die Gefahren des Tragens eng geschnürter Korsetts hinwiesen. Die Antwort auf den Modewahnsinn war das locker geschnittene Reformkleid.
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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Ende der Porträtmalerei endgültig eingeläutet. Die Erfindung der Fotografie ließ sie zunehmend in den Hintergrund rücken. Dennoch finden sich auch in dieser Zeit noch einige schöne Beispiele für dieses weitgehend aussterbende Genre. Auffälligstes Modeaccessoire ist nun der Hut, der so groß wie ein Wagenrad sein konnte.
Hier sind wir nun am Ende unserer kleinen Reise durch die Mode zweier Jahrhunderte. Und dankbar sind wir dafür, dass die begabtesten Maler ihrer Zeit, ihr Talent dafür verwendet haben, diese Mode so detailreich festzuhalten.
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