Betrachtet man Fotos von königlichen Events, bei denen die Damen ihren besten Schmuck inklusive Diademe anlegen, so fällt auf, dass diese krönenden Pretiosen trotz der Vielfalt ihrer Gestaltung einiges gemeinsam haben. So wurden sie aus Weißgold oder Platin geformt und mit funkelnden Diamanten und Farbedelsteinen, manchmal auch ergänzend mit Perlen verziert. Es gibt jedoch ein Diadem, das gänzlich anders aussieht als alle anderen. Und es weist noch eine weitere Besonderheit auf, handelt es sich doch um eines der ältesten Diademe des europäischen Hochadels, das heute noch existiert und getragen wird.
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Die Rede ist vom Kamee-Diadem, das eines der Prunkstücke der Juwelensammlung der schwedischen Königsfamilie Bernadotte darstellt. Dieses Diadem weist nicht einen einzigen Diamanten oder anderen Edelstein auf. Vielmehr besteht es aus einem filigranen Gelbgoldgeflecht, das üppig mit weißen Perlen verziert ist. Die namengebende Krönung des Diadems sind jedoch die sieben Kameen, die, von weiteren Perlen umrandet, den eigentlichen Hingucker des Kopfschmucks bilden. Die aus Muschelschale und Hartstein handgeschnitzten Kameen im antiken Stil zeigen Figuren aus der griechischen Mythologie, mit Aphrodite, die Eros entwaffnet, an vorderster Stelle.
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Das Diadem stammt ursprünglich aus Frankreich, wo es um 1805 als Teil einer Parure vom kaiserlichen Hofjuwelier Nitot angefertigt wurde, um (vermutlich) als Geschenk Napoleons an dessen damalige Gemahlin Joséphine überreicht zu werden. Die Parure besteht neben dem Diadem aus einer Halskette, einer Brosche, zwei Armbändern und einem Paar Ohrringen, wobei nicht sicher ist, ob einige Stücke nicht erst später hinzukamen. Joséphine besaß eine umfangreiche Schmucksammlung, die auch viele Diademe umfasste, da diese durch die damalige Mode im antiken Stil „en vogue“ waren.
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Obwohl Napoleon Joséphine sehr liebte, ließ er sich 1809 von ihr scheiden, da sie nicht in der Lage war, ihm einen Thronfolger zu gebären. Ihre Schmucksammlung durfte sie jedoch behalten. Ein Jahr nachdem die Ehe der Bonapartes gescheitert war, wurde der französische Marschall Jean-Baptiste Bernadotte zum schwedischen Thronfolger gewählt. Verheiratet war er mit Desirée Clary, der einstigen Verlobten Napoleons, die dieser für Joséphine hatte sitzen lassen. Doch das nur nebenbei. Viel wichtiger für die Geschichte des Diadems ist, dass sich der Sohn von Jean-Baptiste und Desirée, oder vielmehr Karl XIV. Johann und Desideria, wie sie ab 1818 als Königspaar von Schweden hießen, 1822 mit Joséphine von Leuchtenberg verlobte und sie im Jahr darauf heiratete.
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Joséphine von Leuchtenberg war die älteste Tochter von Joséphine de Beauharnais’ Sohn Eugène und dessen Gemahlin, Prinzessin Auguste von Bayern. Von seinem Stiefvater Napoleon war Eugène zum König von Italien ernannt worden, nach dessen Fall erhielt er von seinem Schwiegervater, dem König von Bayern, den Titel eines Herzogs von Leuchtenberg. Zu ihrer Hochzeit mit dem zukünftigen König Oskar I. erhielt Joséphine die Kamee-Parure ihrer 1814 verstorbenen Großmutter geschenkt, wodurch diese, inklusive dem außergewöhnlichen Diadem, nach Schweden gelangte.
Als Königin Joséphine (schwed. Josefina) 1876 starb, vermachte sie die Parure ihrer einzigen Tochter Eugénie, die eine begabte Künstlerin und für ihre Großzügigkeit bekannt war, jedoch unverheiratet blieb. Mangels eigener Nachkommen vererbte Eugénie das Schmuckset 1889 ihrem Neffen Eugen. Auch Eugen ging nie den Bund fürs Leben ein und hatte somit keine Partnerin, der er das Kamee-Diadem aufs Haupt hätte setzten können. Er lieh es jedoch ab und an seiner Schwägerin, Kronprinzessin Margaret. Es war schon ein etwas seltsamer Zufall, dass das Diadem, das an prominenter Stelle mit antiken Liebesgöttern verziert ist, so lange im Besitz unverheirateter Eigentümer verblieb.
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1932 änderte sich jedoch endlich das Schicksal des Diadems, als Eugen es mitsamt den dazugehörenden Schmuckstücken Prinzessin Sibylla von Sachsen-Coburg und Gotha schenkte, als diese den schwedischen Kronprinzen Gustav Adolf heiratete. Sibylla trug das Diadem beispielsweise auch anlässlich der Hochzeit ihrer Schwägerin Ingrid mit dem dem späteren dänischen König Frederik IX. Zuvor hatte sie Ingrid die Parure ausgeliehen, als diese sich für ein Kostümfest als Königin Josefina, die „Kameen-Importeurin“, verkleidete.

Es begann nun die Ära des Kamee-Diadems als Hochzeitsdiadem der Familie Bernadotte. Zwei Töchter Sibyllas, Birgitta und Désirée, trugen es, als sie 1961 bzw. 1964 den Bund fürs Leben schlossen. Nach Sibyllas Tod ging die Kamee-Parure in den Besitz von ihrem einzigen Sohn, dem heutigen König Carl XVI. Gustav, über. Als dieser 1976 die Deutsche Silvia Sommerlath ehelichte, trug auch sie das außergewöhnliche Diadem.
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Die nächste königliche Braut, die das traditionsreiche Diadem am schönsten Tag ihres Lebens trug, war Kronprinzessin Victoria im Jahr 2010. Aus ihrer Ehe mit Daniel Westling entsprangen zwei Kinder: Oscar und die ältere Estelle, bei deren Hochzeit das Diadem sicherlich ebenfalls zum Einsatz kommen wird. Doch hat es die 13-jährige Prinzessin damit sicherlich noch nicht eilig.










