Am 9. März 1960 präsentierte Yves Klein (1928-1962) in der Galerie Internationale d’Art Contemporain in Paris vor einem faszinierten, schockierten und erstaunten Publikum aus geladenen Gästen eine Live-Performance, wie es sie noch nie zuvor gegeben hatte: Begleitet von einem 20-köpfigen Orchester, das die von Klein eigens dafür komponierte Monotone Symphonie spielt, bestreichen sich drei nackte „Assistentinnen“ mit dem von Klein und und dem Chemiker Edouard Adam vier Jahre zuvor entwickelten intensiven Ultramarinblau „International Klein Blue“ (IKB) und pressen ihre Körper anschließend nach Anweisung des Künstlers auf eine Leinwand. Es war der Höhepunkt seiner von ihm „Anthropometrien“ genannten Kunstwerke, bei denen er die von ihm geförderte Distanzierung von der Leinwand auf die Spitze treibt und gleichzeitig die „leibhaftige Berührung mit der unkörperlichsten aller Farben möglich“ macht.
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Kleins „Anthropometrien“ haben ihren Ursprung in den „Monochromien“, mit denen sich der Künstler um 1950 zu beschäftigen beginnt. Ein kräftiges Rosa, Gold und eben Ultramarinblau sind die Farben, die für Klein künftig im Mittelpunkt stehen. Vor allem das Blau zieht ihn in seinen Bann und er verteilt es nicht nur großzügig und ausschließlich auf Leinwänden, sondern färbt auch dreidimensionale Werke wie die Nike von Samothrake oder die Venus von Milo blau ein und entdeckt den Schwamm als perfektes Instrument zum Auftragen aber auch zum Aufnehmen der Farbe. Klein schafft Schwammskulpturen und -bilder, wobei die Schwämme den zweidimensionalen Monochromien Struktur verleihen und so davor bewahren, in die Monotonie abzurutschen.
Ende Mai 1957 machte seine Ausstellung Yves – Propositions monochrome, die zunächst in Paris und Mailand zu sehen gewesen war, auch in Düsseldorf Station, wo er Mitglieder der Gruppe ZERO kennenlernte. Im selben Jahr erhielt er zudem seinen ersten öffentlichen Auftrag, der darin bestand, für den vom Architekten Werner Ruhnau entworfenen Bau des Musiktheaters im Revier in Gelsenkirchen Kunstwerke zu schaffen. Das Ergebnis waren vier riesige blaue Schwammreliefs für das gläserne Foyer.
Klein suchte nach weiteren Möglichkeiten, die blaue Farbe aufzutragen, was schließlich zu den „menschlichen Pinseln“ und den „Antropometrien“ führte.
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Am 28. Juni kommt im Zuge von Christie’s 20th / 21st Century: London Evening Sale Yves Kleins großformatiges Werk Anthropométrie de l’époque bleue, (ANT 124) von 1960 als eines der Top-Lose der Auktion zum Aufruf (Schätzpreis auf Anfrage). Das Werk befand sich ursprünglich im Besitz von Werner und Anita Ruhnau und wird nun zum ersten Mal auf dem Auktionsmarkt angeboten.
„Yves Kleins Anthropométrie de l'époque bleue (ANT 124) vereinte die bahnbrechenden Bereiche der Performance und des Action Painting zusammen und löste für Klein seine Herausforderung, die Hand des Künstlers beim Auftragen seines charakteristischen IKB-Pigments wegzulassen. Dieser entscheidende Moment im Kanon der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts ebnete den Weg für einige der größten Künstler unserer Zeit, darunter Marina Abramoviç und Tracey Emin. Klein veränderte nicht nur den plastischen Auftrag von Pigmenten, sondern erfasste mit seinem esoterischen Ansatz, was es heißt, menschlich zu sein: präsent sein, wirken und bleibende Spuren hinterlassen, die Spuren des eigenen Körpers und des eigenen Lebens. Klein hat uns ein unglaubliches Œuvre hinterlassen und dieser Pioniergeist ist das, was unsere zweite 20/21 London to Paris-Auktionsserie ausmacht. Ich kann mir keinen besseren Weg für uns bei Christie’s vorstellen, um Kleins Vermächtnis zu feiern, als das Gemälde als ein großes Highlight unseres bevorstehenden live stattfindenden und übertragenen „20th/21st Century: London Evening Sale“ zu präsentieren. Wir freuen uns darauf, unserer globalen Klientel Anthropométrie de l’époque bleue (ANT 124) zu präsentieren – als eines der ikonischsten Kunstwerke, die diesen Sommer in London auf den Markt kommen“, sagt Katharine Arnold, Head of Post-War and Contemporary Art bei Christie’s Europe.
Yves Kleins Anthropométrie de l’époque bleue, (ANT 124) wird vom 10. bis 12. Juni in Zürich zu sehen sein, bevor es ab dem 22. Juni in London ausgestellt wird.
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