Es war im Jahr 1824 bei einer Auktion von Christie’s, als die von Rembrandt ausgeführten Porträtpendants eines älteren Ehepaares zum letzten Mal öffentlich zu sehen gewesen waren. Anschließend gerieten sie vollkommen in Vergessenheit und selbst die Forschung verlor sie aus den Augen. Knapp 200 Jahre später wurde Henry Pettifer, International Deputy Chairman für Alte Meister bei Christie’s, bei einer Routinebewertung im Haus der Nachfahren des damaligen Käufers auf sie aufmerksam. Er empfahl, die signierten und datierten Bildnisse eingehend untersuchen zu lassen, um ihr Authentizität zu bestätigen. Dies geschah über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren durch die Experten des Rijksmuseums – eine bedeutende Ergänzung zu Rembrandts Œuvre.
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Im Entstehungsjahr 1635 beendete Rembrandt, die Zusammenarbeit mit seinem Kunsthändler Hendrick van Uylenburgh, dessen Nichte Saskia er im Jahr zuvor geheiratet hatte. Die Zusammenarbeit war sehr erfolgreich gewesen und hatte Rembrandt zu einem begehrten Porträtmaler von Amsterdams wohlhabender Kaufmannschaft gemacht. Uylenburgh hatte seine Schützling ab 1631 viele solcher lukrativen Aufträge vermittelt, doch nach vier anstrengen Jahren sehnte sich Rembrandt wohl nach etwas Neuem – irgendwann hat man schließlich genug Menschen in schwarzen Roben mit weißer Spitze und Mühlsteinkragen gemalt. Finanziell nun gut gestellt, wandte er sich verstärkt der Historienmalerei zu.
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Doch obwohl er der Porträtmalerei im Jahr 1635 weitgehend abgeschworen hatte, führte Rembrandt die beiden vorliegenden Porträts aus, die mit ihren Maßen von 20,8 x 16,7 cm bzw. 19,9 x 16, 7 cm zu den kleinsten seines Œuvres gehören. Der Grund dafür dürfte auf der Tatsache beruhen, dass er hier zwei Familienmitglieder abbildete: den wohlhabenden Klempner Jan Willemsz. van der Pluym (ca.1565-1644) und dessen Ehefrau Jaapgen Carels (1565-1640) aus Rembrandts Heimatstadt Leiden, deren Sohn Dominicus mit einer Cousine des Künstlers verheiratet war (Karel, der Sohn der beiden, ging später bei Rembrandt in die Lehre). Sehr wahrscheinlich kannten sich Rembrandt und das Ehepaar van der Pluym bereits viele Jahre, als die Porträts, auf denen er auch mit „Æ 69“ bzw. „Æ 70“ das Alter der Dargestellten angab, entstanden.
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Die leicht unterschiedlichen Ovale der Bildträger lassen darauf schließen, dass die Porträts nicht ganz zeitgleich entstanden. Neben den Dargestellten verbindet sie jedoch Rembrandts charakteristischer Chiaroscuro und die gekonnte Pinselführung sowie „eine Unmittelbarkeit und eine Intimität“, wie Pettifer es ausdrückt.
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Die Porträts von Jan Willemsz. van der Pluym und Jaapgen Carels blieben in Familienbesitz, bis ihr Ururenkel sie 1760 versteigern ließ. Nachfolgende Stationen waren Warschau, Paris und schließlich London, wo sie 1824 bei Christie’s versteigert wurden und anschließend aus der Öffentlichkeit und dem allgemeinen Bewusstsein verschwanden. Nun schließt sich gewissermaßen der Kreis, wenn sie – 200 Jahre später – am 6. Juli als eines der Highlights der Auktion „Old Masters Part I“ erneut bei Christie’s in London unter den Hammer kommen (Schätzpreis 5.000.000 - 8.000.000 Millionen GBP (ca. 5,8 - 9,3 Millionen Euro).
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„Sie stammen aus einem entscheidenden Jahr seiner Karriere – und geben nicht nur einen seltenen Einblick in die Persönlichkeit der von Rembrandt Dargestellten, sondern auch von Rembrandt selbst“, sagt Maja Markovic, Expertin für Alte Meister und Head of Evening Sale bei Christie’s. Ebenfalls hervorgehoben werden muss, dass es sich wohl um Rembrandts letzte Porträtpendants in Privatbesitz handelt und um das einzige erhaltene Porträtpaar mit Darstellungen von Familienmitgliedern.
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