Im märchenhaften Zuhause von Maler Anders Zorn

Bei dem, was auf den ersten Blick vielleicht aussieht wie das Haus des Weihnachtsmannes, ist in Wahrheit das ehemalige Wohnhaus des Malerehepaares Anders und Emma Zorn im schwedischen Städtchen Mora, das heute mit seiner erhaltenen Einrichtung von 1900 ein beliebtes Touristenziel ist.

Im märchenhaften Zuhause von Maler Anders Zorn

1886 kaufte der schwedische Maler Anders Zorn direkt neben der Kirche in Mora ein Stück Land, auf dem sein Großvater einst ein einfaches Blockhaus gebaut hatte. Der Platz bietet einen herrlichen Ausblick auf die Berge im Nordwesten, der Ort Mora bestand zu jenem Zeitpunkt aus lediglich einer Handvoll Häusern.

Zorngården 1895 | Foto: Zornsamlingarna
Zorngården 1895 | Foto: Zornsamlingarna

Doch die Pläne für das, was einmal Zorngården heißen wird, hat Anders Zorn bereits im Kopf. 1888/89 werden die Pläne in die Realität umgesetzt und der Hof dahingehend erweitert, dass Anders und seine Frau Emma ihre eigenen Räume im erste Stock bewohnen können, wenn Anders Mutter, Großmutter und Halbschwester zu Besuch kommen. Die ersten Jahre nach dem Umbau von Zorngården sind Anders und Emma noch viel auf Reisen und leben zeitweilig in Paris. Der endgültige Umzug nach Mora erfolgte erst 1896, was weitere Umbauten mit sich brachte.

Die Familie von Anders Zorn vor dem Haus anlässlich der Silberhochzeit des Malers und seiner Frau Emma am 16. Oktober 1910 | Foto: Zornsamlingarna
Die Familie von Anders Zorn vor dem Haus anlässlich der Silberhochzeit des Malers und seiner Frau Emma am 16. Oktober 1910 | Foto: Zornsamlingarna

Alle Ideen zum Um- und Ausbau von Zorngården stammten von Anders Zorn selbst. Von seinen Skizzen hat jedoch keine die Jahre überdauert. Der dritte und letzte Umbau erfolgte zwischen 1908 und 1910.

Über der Tür zur östlichen Veranda hängt ein spanisches Gemälde aus dem 14. Jahrhundert | Foto: Åke E:son Lindman
Über der Tür zur östlichen Veranda hängt ein spanisches Gemälde aus dem 14. Jahrhundert | Foto: Åke E:son Lindman

Auf jedes Detail wurde wert gelegt: Vom Türgriff über die Holzverkleidung der Wände bis hin zur monumentalen Statue von König Gustav Wasa.

Die grundsätzliche Inspiration für das Haus war die traditionelle Holzbauweise der Region. Doch ist auch der Einfluss der englischen Art and Rafts-Bewegung zu spüren, vor allem was die großen Veranden, steilen Decken und spitzen Fenster betrifft. Wie auch die Vertreter jener künstlerischen Bewegung, empfand auch Zorn die Massenproduktion des Industriezeitalters als Bedrohung für die traditionelle Handwerkskunst.

Untere Galerie in Zorngården Foto: Åke E:son Lindman
Untere Galerie in Zorngården Foto: Åke E:son Lindman

In der unteren Galerie, die Zugang zu den Räumen im ersten Stock bietet, hängen niederländische Gemälde des 17. Jahrhundert. Für die Fenster wurde mittelalterliche Glasmalerei des 13.-16. Jahrhunderts "recycelt" - eine Idee, die auch von der Arts and Rafts-Bewegung stammen könnte.

In der unteren Etage betritt man von der Galerie aus die Küche, das Esszimmer und zwei Gästezimmer. Emma Zorn, die aus einer wohlhabenden Familie stammte, die in Stockholm ein mehrstöckiges Haus bewohnte, sorgte dafür, dass Haus bei aller Liebe zur Tradition, mit modernen Annehmlichkeiten, wie beispielsweise einem Edelstahlspülbecken, ausgestattet wurde und auf Gäste einen repräsentatives Eindruck machte.

Blick von der Küche ins Esszimmer | Foto: Åke E:son Lindman
Blick von der Küche ins Esszimmer | Foto: Åke E:son Lindman

Emma musste sich mit ihrem Faible für moderne Gerätschaften gegen ihren Mann durchsetzten, der all dem skeptisch gegenüberstand. Letztendlich verfügte Zorngården schließlich doch über einen Warmwasserbereiter, einen Kühlschrank, einen Staubsauger und eine Dampfheizung - lauter Dinge, die damals in schwedischen Haushalten noch eher unüblich waren.

Herd und Warmwasserbereiter (links) in der Küche von Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman
Herd und Warmwasserbereiter (links) in der Küche von Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman

Im Esszimmer bewirtete das Ehepaar Zorn seine Gäste, bei denen es sich neben Familienmitgliedern um andere Künstler, Unternehmer oder sogar Könige handelte. Die Ausstattung des Raumes trägt ganz und gar Anders' Handschrift, der für Möbel und Dekoration Farben wählte, wie sie sonst nur in Wandteppichen zu finden sind. Inspiriert von traditioneller Handwerkskunst, hatte er auch die Möbel entworfen.

Im Esszimmer kann man schwedisches Porzellan und holländische Fayence aus dem 18. Jahrhundert entdecken | Foto: Åke E:son Lindman
Im Esszimmer kann man schwedisches Porzellan und holländische Fayence aus dem 18. Jahrhundert entdecken | Foto: Åke E:son Lindman
Esszimmer in Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman
Esszimmer in Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman

Das dunkle Gästezimmer wurde mit Möbeln aus Emmas Elternhaus eingerichtet und mit Kunstwerken von Per Hillerström und Egron Lundgren dekoriert.

Das dunkle Gästezimmer in Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman
Das dunkle Gästezimmer in Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman

Das weiße Gästezimmer mit seinen Möbeln aus dem 18. Jahrhundert zieren drei Gemälde des Prinzen Eugen, dem jüngsten Sohn von König Oskar II. Eugen, ein begabter Maler und Kunstsammler bewohnte den Raum während eines Aufenthaltes im Jahr 1902. Die drei Bilder ließ er als Andenken da. Die helle Einrichtung des weißen Gästezimmers unterschiedet sich sehr vom Rest des Hauses und war vermutlich vom Interieur von Prinz Eugens kleinem Schloss Waldemarsudde auf der Stockholmer Halbinsel Djurgården inspiriert.

Das weiße Gästezimmer in Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman
Das weiße Gästezimmer in Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman

Blickfang in einem Raum mit gelber Satintapete und Mahagoni- und Nussbaummöbeln des 19.Jahrhunderts ist ein Empire-Bett des Möbelherstellers Johan Jung. Bei dem Raum handelt es sich um Emmas Schlafzimmer, an dessen Wänden frühe Werke ihres Mannes hängen.

Emmas Schlafzimmer in Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman
Emmas Schlafzimmer in Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman

Emma interessierte sich sehr für die Literatur und verfügte in Zorngården über eine kleine Bibliothek. In dem Raum, der stilistisch dem Schlafzimmer angepasst ist, finden sich Geschichtsbücher über die nordischen Völker, aber auch Schriften der zeitgenössischen Autorin und Kämpferin für das Frauenwahlrecht Anna Söderblom. Emma war auch maßgeblich an der Einrichtung der ersten öffentlichen Bibliothek von Mora beteiligt.

Emmas Bibliothek in Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman
Emmas Bibliothek in Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman

Auch die Gemälde von Alexander Roslin und Gustav Lundberg im grünen Zimmer stammen aus Emmas Elternhaus. Das Zimmer ist im Louis Seize-Stil eigerichtet, dessen schwedisches Äquivalent der "gustaviansiche Stil" ist.

Das grüne Zimmer in Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman
Das grüne Zimmer in Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman

Der eklektische Stil, der die Inneneinrichtung von Zorngården bestimmt, kommt vor allem in dem großen Raum in der zweiten Etage zum Ausdruck. Hier vereinen sich die Traditionen der Handwerkskunst mit den Idealen der Arts and Crafts-Bewegung, die gekonnt mit Möbeln und Gegenständen verschiedener Kulturen und Epochen kombiniert wurden und so das große kulturelle Interesse des Ehepaares Zorn widerspiegeln.

Heimelige Gemütlichkeit trotz hoher Decken | Foto: Åke E:son Lindman
Heimelige Gemütlichkeit trotz hoher Decken | Foto: Åke E:son Lindman
Die "nordische Ecke" des Hauses mit Wandteppichen aus Norwegen und Dänemark | Foto: Åke E:son Lindman
Die "nordische Ecke" des Hauses mit Wandteppichen aus Norwegen und Dänemark | Foto: Åke E:son Lindman

In der obersten Etage des Hauses befindet sich unter anderem das Bergmannszimmer, das seinen Namen seiner Tapete aus dem 18. Jahrhundert verdankt, die auf der Auktion in einem Bergmannshaus ersteigert worden war.

Bergmannszimmer in Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman
Bergmannszimmer in Zorngården | Foto: Åke E:son Lindman
Ausschnitt aus Anders Zorns Sammlung mit antiken griechischen und etruskischen Skulpturen | Foto: Åke E:son Lindman
Ausschnitt aus Anders Zorns Sammlung mit antiken griechischen und etruskischen Skulpturen | Foto: Åke E:son Lindman

Zorngården widerspiegelt auf wundervolle Art und Weise das Interesse seines Schöpfers an Kunst und Geschichte, die handwerklichen Traditionen aus der bäuerlichen Umgebung und Emmas bürgerlichen Stil, den sie aus Stockholm mitgebracht hatte. Nur durch diese Kombination aus unterschiedlichen Einflüssen konnte dieses einmalige Anwesen entstehen, das ebenso repräsentativ und beeindruckend als auch vielseitig und verspielt ist.

Die für den Artikel verwendeten Bilder wurden von Åke E:son Lindman im Buch Zorngården 2017 veröffentlicht. Die Texte entstanden in Zusammenarbeit mit Zorngården. Besuchen Sie für weitere Informationen die Website des Museums.