Anders Zorn erblickte am 18. Februar 1860 in Yvraden bei Mora, Dalarna län das Licht der Welt. Seine Eltern waren der deutschstämmige Brauer Leonard Zorn und die Schwedin Grudd Anna Andersdotter, die sich in Uppsala kennengelernt hatten, als beide dort in einer Brauerei arbeiteten. Es kam zu einer kurzlebigen Affäre, aus der der kleine Anders hervorging, der einmal einer der berühmtesten Künstler der schwedischen Kunstgeschichte werden sollte.
Zusammen mit seiner Mutter und deren Eltern wuchs Anders Zorn friedlich auf einem Bauernhof nahe Mora auf. 1872, im Alter von 12 Jahren, zog er nach Enköping, um dort zur Schule zu gehen. Ermöglicht wurde das durch das bescheidene Erbe, das er nach dem Tod seines Vaters, den er nie kennengelernt hatte, erhielt.
Lesen Sie auch: Das teuerste Dalapferd der Welt

In seinem Zuhause wurde nur Moramål, die damals offizielle Sprache in Mora, gesprochen, sodass er Schwedisch erst lernte, als er nach Enköping kam. Zu jener Zeit bemerkte sein Lehrer auch das große Zeichentalent des Jungen, der noch während seiner Schulzeit für seine Kunst ausgezeichnet wurde.
Als Anders 15 Jahre alt war, verwendete er den Rest seines Erbes, um in Stockholm die Königliche Kunstakademie zu besuchen, wo er als der Beste seiner Klasse galt. Seine erste Ambition war es, Holzschnitzer zu werden, doch schon bald darauf entdeckte er seine Vorliebe für die Aquarellmalerei. Erst viel später, 1887, begann er, mit Ölfarben zu experimentieren.

1880 wurde sein Aquarell I sorg ("In Trauer") für die jährliche Ausstellung der Akademie ausgewählt, was ein bedeutendes Ereignis in seiner noch jungen Karriere darstellte. Sein Werk erhielt viel Aufmerksamkeit und ermöglichte es ihm, den Status eines professionellen Künstlers zu erreichen.
Der Erfolg der Ausstellung führte zu einer Vielzahl von Auftragsarbeiten für wohlhabende schwedische Familien, was mit seinem Studium an der Akademie jedoch kaum zu vereinbaren war. Nachdem er wegen seiner vielen Fehlstunden verwarnt worden war, verließ Anders die Schule ohne Abschluss.

Anders Zorn gehörte jener Künstlergeneration an, die gegen die akademische Ausbildung aufbegehrte. 1885 schrieben mehrere Künstler einen Brief mit Reformvorschlägen an die Akademie. Im selben Jahr brachen die Opponenterna ("Opponenten") denen Anders angehörte, endgültig mit dem Konservatismus des Establishments. Auf der ersten Ausstellung der 1886 gegründeten Künstlervereinigung präsentierte Anders mit Vårt dagliga bröd ("Unser täglich Brot") ein bemerkenswertes Werk, das vom Nationalmuseum erworben wurde.
Lesen Sie auch: Schwedens Nationalmuseum: Eine Schatzkammer im hohen Norden
Inspiriert von den Gemälde Egron Lundgrens, unternahm Anders Zorn ab 1881 zahlreiche Reisen, um seinen Horizont zu erweitern. Die ersten führten ihn über vier Jahre vor allem nach England und Spanien. Während seiner Reisen studierte er besonders die Wirkung reflektierender Oberflächen, vor allem Wasser, und entwickelte seine raffinierte und charakteristische Technik.

Mit Kärleksnymf ("Liebesnymphe"), das 1885 in Madrid entstanden war, gelang Anders der Durchbruch in Europa, was seine fianzielle Situation deutlich verbesserte. Dadurch war es ihm möglich, nach seiner Rückkehr nach Schweden, noch im selben Jahr seine langjährige Verlobte Emma Lamm zu heiraten, eine kultivierte junge Dame, die einer jüdischen Familie in Stockholm entstammte. Die Hochzeitsreise führte die Frischvermählten nach Ungarn und in die Türkei, wo Anders an Typhus erkrankte. Erst nach drei Monaten konnten Anders und Emma ihre Reise fortsetzen.

Der Übergang von der Aquarell- zur Ölmalerei vollzog sich allmählich nach einem kurzen Aufenthalt in dem südwestenglischen Fischerort St Yves im Winter 1887/88 und war ein Wendepunkt in Anders' Karriere.
1888 zogen Anders und Emma nach Paris, wo sie fast acht Jahre bleiben sollten, auch wenn sie weiterhin viel reisten. Neben England, Spanien und Nordafrika ging es auch in die Vereinigten Staaten, wo damals eine große Nachfrage nach Porträtmalern bestand. Die Qualität seiner Porträts und die große Sorgfalt, mit der er sie ausführte, trugen erheblich zu Anders' außerordentlichem Erfolg in diesem Genre bei. Bis 1911 fuhr Anders Zorn insgesamt sieben Mal über den Atlantik und malte amerikanische Unternehmer, Society Ladys und Politiker (darunter drei US-Präsidenten), wofür er großzügig entlohnt wurde.
Lesen Sie auch: Jenny Nyström: Mehr als nur der Weihnachtsmann

In Paris porträtierte Anders den einflussreichen Journalisten und Kunstkritiker Antonin Proust, der ihn bedeutenden Sammlern vorstellte. Anders freundete sich mit anderen skandinavischen Künstlern wie August Hagborg, Christian Eriksson, Louis Sparre und Albert Edelfelt an und traf die französischen Meister Pierre-Auguste Renoir, Auguste Rodin und Albert Besnard.
Lesen Sie auch: Grez-sur-Loing, die skandinavische Kolonie

Auch wenn Paris ihr damaliger Lebensmittelpunkt war, verbrachten Anders und Emma die Sommer in Schweden, genauer gesagt in Dalarö im Stockholmer Schärengarten, wo Emmas Familie ein Sommerhaus besaß. Dort war bereits 1886 Anders' berühmtes Aquarell Sommarnöje ("Sommervergnügen") entstanden, das 2010 bei Stockholms Auktionsverk versteigert und mit den erzielten 26 Millionen SEK (ca. 2,6 Millionen Euro) zum bis dahin teuersten schwedischen Gemälde auf dem Auktionsmarkt wurde.
Während der folgenden Jahre perfektionierte Anders seine Technik der Ölmalerei, was ihm noch mehr internationalen Erfolg bescherte. Nach der Pariser Weltausstellung von 1889, auf der er mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde, wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.

Obwohl Anders Zorn seine Hauptbeschäftigung mit der Bildhauerei noch während seiner Zeit an der Akademie aufgegeben hatte, verschwand diese Disziplin nie völlig aus seinem Schaffen. Inspiriert von Rodin, schuf er Bronzeplastiken, darunter eine Büste mit Emmas Konterfei (1889) sowie Faun und Nymphe (1885).

Nach acht Jahren in Paris zog es Anders und Emma zurück in die Heimat. Daheim in Mora verschrieb sich Anders verstärkt der Folklore und der Aktmalerei, wobei Szenen aus dem bäuerlichen Umfeld zu wiederkehrenden Motiven in seinem Œuvre wurden.
Lesen Sie auch: Von zeitlosem Charme: Schwedische Volkskunst
Später bezeichnete Anders Midsommardans ("Mittsommertanz") als sein Lieblingsbild unter seinen folkloristischen Gemälden. Weitere bekannte Werke aus dieser Sparte sind Midnatt ("Mitternacht") und Dans i Gopsmorstugan ("Tanz in der Gopsmorkate"). Anders Zorns bäuerliche Motive und Aktdarstellungen hatte großen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen.

Anders' Interesse an der Aktmalerei hatte in den 1880er Jahren begonnen. Er malte seine Modelle oft in der Natur, bevorzugt in der Nähe von Gewässern, deren Oberflächen und Reflexionen ihn besonders faszinierten (siehe oben).
Lesen Sie auch: Fünf Jahrhunderte der weiblichen Aktmalerei

Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!
1883 erlernte Anders während eines Aufenthaltes in London die Technik der Radierung. Sein Lehrer war sein Landsmann Axel Herman Hägg, der auch gleich sein erstes Modell wurde. Es folgten 288 weitere Radierungen, darunter einige Selbstporträts, die von den Werken Rembrandts inspiriert waren.

Anders Zorn starb am 22. August 1920 im Krankenhaus in Mora an den Folgen einer Blutvergiftung. Im Jahr zuvor hatten er und Emma, die keine Kinder bekommen hatten, in einem gemeinsamen Testament verfügt, dass ihr Besitz dem schwedischen Staat vermacht werden sollte. 1939 wurde das Zornmuseet eröffnet und nach dem Tod Emmas im Jahr 1942 wurde das Anwesen Zorngården ebenfalls in ein Museum verwandelt.
Lesen Sie auch: Im märchenhaften Zuhause des Malers Anders Zorn
Anders Zorns Werke sind auf dem heutigen Auktionsmarkt sehr begehrt. Seine Aquarelle, Ölgemälde und Radierungen locken stets ein großes Publikum in die Auktionssäle. Sein aktuelles Rekordwerk ist Söndagsmorgon ("Sonntagmorgen") von 1891, das 2021 bei Bukowskis für 35.250.000 SEK (ca. 3,4 Millionen Euro) versteigert wurde.
Entdecken Sie weitere Künstlerbiografien im Barnebys Magazine!




