Die Inspirationsquelle für das, was wir den Empire-Stil nennen, war vor allem die griechisch-römische Antike. Doch auch das Alte Ägypten spielte eine große Rolle, nachdem Napoleon 1798 einen Feldzug in das ehemalige Reich der Pharaonen angeführt hatte. Zu den vielen Wissenschaftlern und Künstlern, die Napoleon begleiteten, gehörten auch die beiden bedeutenden Architekten Charles Percier und Pierre Fontaine. Sie sammelten Artefakte, um sie zu studieren und zu zeichnen. Anschließend wurden die Stücke nach Paris geschickt, wo sie schnell zur Inspirationsquelle für Architektur, Kunsthandwerk, Möbel, Stoffe und andere Dinge wurden. Von der tonangebenden Modehauptstadt Paris verbreitete sich der Trend in ganz Europa.
Lesen Sie auch: Barocke Silbermöbel oder Wie man seine Macht zur Schau stellt

Wie bei jedem Stil ist es auch beim Empire schwierig, einen genaue Geburtsstunde festzulegen. Nach dem politischen und wirtschaftlichen Chaos der Französischen Revolution entwickelte er sich Ende der 1790er Jahre aus dem antikisierenden Klassizismus. Der Name leitet sich vom Empire (frz. für „Imperium“), der zehnjährigen Herrschaft Napoleons als Kaiser der Franzosen (1804-14/15) ab. Die Blütezeit dauerte bis Mitte der 1820er Jahre. Anschließend wurden die stilistischen Ideale bürgerlicher. In Schweden etwa entwickelte sich der etwas bescheidenere Karl-Johan-Stil. Dennoch blieb das Pariser Vorbild tonangebend und die Handwerke schufen weiterhin exquisite Stücke.
Lesen Sie auch: Die königliche Geschichte der teuersten Großuhr der Welt
Die Nachfrage nach vergoldeten Bronzen wurde im späten 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts so groß – die Aufträge kamen nicht mehr nur vom Adel und den Königshäusern, auch das aufstrebende Bürgertum mischte zunehmend mit – dass die Zeit manchmal auch als „Zweite Bronzezeit“ bezeichnet wird. Ein streng geregeltes Zunftwesen hielt den hohen Standard bei der Herstellung der Bronzen aufrecht. An der Produktion eines solchen Objekts waren mehrere Zünfte beteiligt, was nicht selten zu Konflikten führte. In Frankreich wurde das Zunftwesen 1791 abgeschafft, sodass alle Teile in derselben Werkstatt hergestellt werden konnten. Waren die Waren des 18. und frühen 19. Jahrhunderts noch von der hohen Kunst ihrer Meister geprägt, entwickelte sich die Produktion in der Empire-Epoche in Richtung industrieller Massenproduktion, wie wir sie heute kennen. Der Grund dafür war die wachsende Mittelschicht, die ihre Häuser ebenfalls mit vergoldeten Gegenständen schmücken wollte. Da für diese Kunden die Kosten niedriger gehalten werden mussten, sparte man bei der Qualität.

Frankreich gab in der Herstellung den Ton an und beherbergte die meisten Werkstätten. Doch natürlich wurden Bronzen in ganz Europa hergestellt. Auszubildende verließen ihre Heimat und hielten sich oft für längere Zeit im Ausland auf, um das dort erlangte Wissen mit nach Hause zu nehmen und eine eigene Produktion zu beginnen. Da es keinen Urheberrechtsschutz gab, konnten Gesellen Abgüsse erstellen sowie Teile und Objekte mit nach Hause in die eigene Werkstatt nehmen, wodurch es heute schwierig sein kann, genau zu bestimmen, wo und von wem ein Objekt angefertigt wurde.
Lesen Sie auch: Vorboten des Rokoko: Das Silber der Brüder van Vianen
In den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts gab es allein in Paris rund 130 Werkstätten unter der Leitung verschiedener Meister. Die größte unter ihnen war die Werkstatt von Pierre-Philippe Thomire, in der rund 800 Mitarbeiter für die verschiedenen Produktionsschritte zuständig waren. Claude Galle beschäftigte in seiner Werkstatt rund 300 Angestellte.
Bereits lange vor der Revolution war Bronze als edles Material zur Herstellung von Dekorationsobjekten aller Art, wie Uhren, Kronleuchter, Applikationen, Kerzenhalter und mehr verwendet worden.

Karl XIV. Johan (1763-1844), König von Schweden und Norwegen, wollte die heimische Produktion unterstützen. 1821 bestellte er über den schwedischen Gesandten in Paris, Gustaf Löwenhielm, Objekte nach der neuesten Mode, die als Vorbilder für die Herstellung in Stockholm dienten. Auch Königin Desideria, die wie ihr Mann aus Frankreich stammte, verfolgte die Stilentwicklung. Statt in Stockholm lebte sie bis 1823 in Paris und versorgte den schwedischen Hof von dort aus mit Skizzen, Zeichnungen und Objekten. In Schweden ist der Empire-Stil in zwei königlichen Residenzen besonders gut vertreten, nämlich Rosersberg und Rosendal, wobei in letzterer der Karl-Johan-Stil vollständig umgesetzt wurde. Wer sich für Historisches interessiert, sollte bei seiner Schwedenreise einen Abstecher zu diesen beiden Schlössern auf jeden Fall einplanen.
Lesen Sie auch: Eine kleine Stilgeschichte

In Russland wollte Katharina die Große (1729-1796) eine Produktion schaffen, die es mit der französischen aufnehmen konnte. Daher schuf sie für ausländische Kräfte sehr günstige Bedingungen, um ihre Werkstätten in Sankt Petersburg zu betreiben. Schon bald versammelten sich in Russland viele bedeutende Kunsthandwerker aus verschiedenen europäischen Ländern, darunter Friedrich Bergenfeldt, Johann Zech und Andrei Schreiber – um nur einige zu nennen. Der Austausch zwischen Stockholm und Sankt Petersburg war äußerst fruchtbar. Viele schwedische Gesellen besuchten die russische Stadt während ihrer Ausbildung zum Meister ihrer Zunft, darunter Eric Thale, Johan Ekman und die Brüder Lindroth.
Die Herstellung
Von der zweidimensionalen Zeichnung zum fertigen Produkt bedurfte es mehrerer Handwerker. Zunächst fertigte ein Bildhauer ein dreidimensionales Modell aus Holz, Ton oder Wachs an. Die Form wurde in Sand gepresst und flüssige Bronze so sorgfältig in den Abdruck gegossen, dass jedes Detail klar hervortreten konnte. Nach der Abkühlung wurde die Qualität des Gusses überprüft und etwaige Ungenauigkeiten beseitigt. Anschließend wurde die Oberfläche poliert und mit Gravuren nach der gezeichneten Vorlage versehen. Dieser Prozess war von hoher Bedeutung, da er dem Objekt durch Kontraste und Reflexionen Lebendigkeit verlieh.
Lesen Sie auch: Nicht nur für gekrönte Häupter: Die Geschichte des Diadems

Die Feuervergoldung
Die Vergoldung war der letzte Schritt, der einen großen Teil der Herstellungskosten ausmachte. Auf das bronzene Objekt wurde eine Mischung aus Gold und Quecksilber aufgetragen, die extrem erhitzt wurde. Das Quecksilber verdampfte und auf der Oberfläche blieb eine Goldschicht haften. Dieser Vorgang wurde mehrfach wiederholt, bis die Schicht dick genug war. Während des Prozesses war es wichtig, dass das Objekt kontinuierlich in Bewegung blieb. Die Technik wird als Feuervergoldung bezeichnet; in Frankreich heißt sie ormolu oder bronze doré, in England ormolu oder gilt bronze. Zum Schluss wurden einige Oberflächen mit Blutstein (einer Kombination aus Jaspis und Quarz) poliert, um Kontraste zu schaffen.
Dann gab es aber auch jene Bronzeobjekte, die nicht vergoldet wurden. Sie wurden nach dem Gießen und der Herausarbeitung der Details stattdessen in Säure getaucht und mit einem klaren und einem gelben Lack bemalt, was ihnen das Aussehen von Gold verlieh.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!

Ein Problem der Feuervergoldung war die Gesundheitsgefährdung der Vergolder durch den Umgang mit Quecksilber. Oft starben sie einen frühen Tod. Wie gefährlich es war, zeigt auch ein Angebot der französischen Regierung, das es zu einer lebenslangen Haftstrafe Verurteilten ermöglichte, ihre Strafe statt im Gefängnis in einer Vergoldungswerkstatt abzusitzen. In den 1830er Jahren wurde die Feuervergoldung in Frankreich verboten. Da es jedoch keine qualitativ gleichwertige Alternative gab, wurde sie mancherorts fortgeführt. Schließlich sollte ein Abzug die Lösung sein, doch viele Vergolder waren der Ansicht, dass ein solcher ihre Bewegungsfreiheit während des Prozesses einschränken würde, und fuhren fort wie bisher.
Lichtquellen
Ein wichtiger Aspekt war die Schaffung effizienter Lichtquellen in Form von Decken- und Wandleuchten und Kerzenhaltern. Lange Zeit setzte man auf Wachskerzen in Kombination mit Prismen aus Glas oder Kristall, die das Kerzenlicht reflektieren sollten. Doch zu oft erwies sich diese Kombination als nicht ausreichend genug. Nach vielen Versuchen waren Gaslampen schließlich die erfolgreichste Lösung, die allerdings mit Gefahren verbunden war. Das Gas war ebenfalls gesundheitsschädlich und obendrein leicht entzündlich, was vor allem für die in den Wänden verlegten Gasleitungen galt. Erst der Einsatz von elektrischem Licht sorgte für ein Höchstmaß an Effektivität und Sicherheit.
Lesen Sie auch: 8 einzigartige Tischleuchten, die man gesehen haben muss
Signaturen und Marken
Viele Bronzegießer aus der Zeit des Empire sind bekannt, nur leider signierten sie ihre Werke nur selten, sodass man sie ihnen nur schwer zuordnen kann. Viele Modelle wurden ausgiebig und über einen längeren Zeitraum verwendet, was die Zuordnung zusätzlich erschwert. Manchmal wurden auch nur Teile bestimmen Modelle kopiert oder von anderen Werkstätten übernommen. Ein Urheberrecht gab es nicht, sodass nach Belieben kopiert, ausgetauscht und verändert werden konnte.

Bronzegießer in Schweden
Informationen über die bekannten Bronzegießer jener Epoche, die in Stockholm tätig waren, sind rar, einige von ihnen möchten wir Ihnen an dieser Stelle trotzdem vorstellen.
Fredric Ludvig Rung
Fredric Ludvig Rung wurde 1758 in Stockholm als Sohn des Gürtelmachers Fredric Rung geboren. Durch die Arbeit seines Vaters kam er schon früh mit Verfahren wie Gießen, Vergolden, Versilbern, Treiben und Ziselieren in Berührung. Seine Grundausbildung erhielt Rung vermutlich in der Werkstatt seines Vaters. Mit dessen Hilfe und der des großartigen Jean Eric Rehn brachte er es später zum Hofziselierer. Rehn bescheinigte Rung, dass er bereits gute Fähigkeiten im Zeichnen, Modellieren, Ziselieren und Bronzieren erworben habe. Um sein Wissen abzurunden, musste Rung jedoch ins Ausland reisen. Nach einer Reise durch das Deutsche Reich und die Niederlanden erreichte er 1782 Paris, wo feuervergoldete Bronzen von höchster Qualität hergestellt wurden. Wie er selber schrieb, erhielt er „Zugang und die Möglichkeit […], mein Wissen bei dem führenden Künstler auf diesem Gebiet über drei Jahre hinweg ununterbrochen zu vertiefen“. Während Rungs Zeit in Paris besuchte auch der schwedische König Gustav III. (1746-1792) die französische Hauptstadt und gewährte Rung dort 1784 eine Audienz. Gustav stattete Rung mit einer Rente aus, damit er seine Kenntnisse weiter vertiefen konnte. Als Fredric Ludvig Rung 1787 nach Stockholm zurückkehrte, erhielt er sofort Auftrage von Gustav III., für den er den neuen Pavillon im Hagapark ausstatten sollte.

Carl Ludwig Mangeot
Der in Frankreich geborene Gürtelmacher Carl Ludwig Mangeot wurde von Rung ausgebildet, der die Exklusivrechte für die Herstellung hochwertiger Bronzebeschläge hatte. Mit der Zeit gründete Mangeot seine eigene Werkstatt und konkurrierte so mit Rung um den Verkauf von feuervergoldeten Objekten. Seine vielseitige Produktion umfasste alle Arten von Objekten wie Kerzenhalter, Leuchter, Tischplatten und Halterungen für Porphyr-Objekte. Von 1826 bis 1830 fertigte Mangeot umfangreiche Lieferungen für die königlichen Schlösser. Die Qualität seiner Arbeit in Bezug aufs Ziselieren und Bronzieren war von sehr hohem internationalen Standard, Objekte von ihm sind heute jedoch relativ selten.
Familie Lindroth
Die Familie Lindroth bestand aus Vater Reinhold Fredric und den Söhnen Reinhold Fredric, Johan Bernard, Karl Abraham und Erik Abraham sowie dessen Sohn Otto Wilhelm. Ihre Werkstatt war häufig am schwedischen Hof beschäftigt und mehrere hochwertige Auftragsarbeiten von Karl XIV. Johan stammen von dort. Vater Lindroth galt als der geschickteste Gießer Stockholms und schuf unter anderem einen prächtigen Kronleuchter für Stockholmer Schloss. Er und seine Söhne trugen über einen langen Zeitraum mit Arbeiten verschiedener Art zur Ausstattung von Schloss Rosendal bei, darunter mehrere Bronzekronleuchter und die Dekoration von Mosaiktischen. Arbeiten aus der Lindroth-Werkstatt sind hin und wieder auf dem Auktionsmarkt anzutreffen.



