Kurt Schwitters wird am 20. Juni 1887 in Hannover geboren, wo er nach bestandenem Abitur im Jahr 1908 ein Studium an der Kunstgewerbeschule aufnimmt, dem sich ein Studium an der Königlich Sächsischen Akademie der Künste in Dresden anschließt. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs führt zu seiner Rückkehr nach Hannover, wo er sich 1915 mit Helma Fischer verlobt, die er noch im selben Jahr heiratet. 1916 kommt der erste Sohn, Gerd, zur Welt, der jedoch nur wenige Tage alt wird.
Künstlerisch ist Schwitters zunächst dem Impressionismus und dem Expressionismus verbunden, beginnt sich jedoch verstärkt der Abstraktion zuzuwenden. 1917 wird er zum Kriegsdienst einberufen, jedoch aufgrund seiner epileptischen Erkrankung nach nur wenigen Monaten für untauglich erklärt. Stattdessen leistet er Hilfsdienst als Werkstattzeichner in Hannover.
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Das Jahr 1918 wird ein wichtiges Jahr für Schwitters. Der Krieg endet und mit Ernst erblickt sein zweiter Sohn das Licht der Welt. Nach einer Ausstellungsbeteiligung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm in Berlin lernt er in der Hauptstadt mit Hans Arp und Raoul Hausmann zwei Mitgründer sowie mit Hannah Höch eine bedeutende Vertreterin der zwei Jahre zuvor in Zürich geborenen Dadaismus-Bewegung kennen, woraus lebenslange Freundschaften entstehen.
Durch die neue Inspiration entstehen Ende des Jahres Schwitters erste Collagen, die er aus Dingen zusammenfügt, die er auf der Straße findet, wie etwa weggeworfene Zeitungen und Eintrittskarten, Metallobjekte oder auch Schnüre. Die Werke sind eine Art Metapher für Deutschland, das nach dem Krieg neu zusammengesetzt werden muss. Doch sind nicht alle seine Dada-Kollegen von seiner Arbeit angetan, allen voran Richard Huelsenbeck, dem Schwitters zu bürgerlich-brav ist und nicht hingebungsvoll genug dem Dada-Konzept als Antikunst-Bewegung entspricht.
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Doch Schwitters bleibt seiner Linie treu und während er an einer neuen Collage arbeitet, stößt er auf jenes Wort, das zukünftig seine Ein-Mann-Bewegung beschreiben soll: MERZ, das er aus einem Zeitungsschnipsel mit dem Wort „Kommerz“ herausschneidet. Kurt Schwitters hat nun seinen „absolut individuellen Hut, der nur auf einen einzigen Kopf paßte“. Bis 1921 entstehen Kurt Schwitters bedeutende große Merzbilder, Collagen, mit dem typischen Stil des Künstlers der taktilen Überlagerungen und Transparenz.
Auch das Werk, das Schwitters aktuellen Auktionsrekord erzielen konnte, stammt aus dieser Phase: Ja - Was? - Bild von 1920, das im Juni 2014 bei Christie’s London für 13.970.500 GBP (17.169.745 Euro) versteigert wurde.
Neben seinen Collagen verfasst Kurt Schwitters auch Lyrik, darunter 1919 das Merz-Gedicht An Anna Blume, das sofort eine schnelle Verbreitung findet, sowie das dadaistische Lautgedicht Ursonate, von dem ab 1923 verschiedene Versionen entstehen.

1923 ist auch das Jahr, in dem Schwitters sein größtes Projekt beginnt: den Merzbau, eine raumfüllende Assemblage, die zunächst nur nach und nach einen Raum seiner Wohnung in Hannover füllt (er und Helma leben in einem der Mietshäuser, die Schwitters’ Eltern gehören), sich dann aber auch auf weitere Räume ausdehnt. Der Merzbau in Hannover, der 1941 einer Kriegsbombe zum Opfer fällt (eine Rekonstruktion befindet sich im Sprengel Museum), wird nicht sein einziger bleiben.
Kurt Schwitters ist in der internationalen Kunstszene, von den Niederlanden bis Ungarn, gut vernetzt und hat auch Kontakte zu der von Katherine Dreier, Man Ray und Marcel Duchamp gegründeten Société Anonyme in New York. Seine Werke werden vielfach ausgestellt (seine erste Einzelausstellung, die seinen Merzbildern und -zeichnungen gewidmet ist, hat er im April 1921 in der Galerie Der Sturm in Berlin); er präsentiert seine Gedichte und Texte, hält Vorträge (u.a. bei der offiziellen Eröffnung des Bauhaus in Weimar im Dezember 1926) und bringt ab 1923 seine eigene Zeitschrift namens Merz heraus, deren erste Ausgabe der Dada-Bewegung in den Niederlanden gewidmet ist.
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Auch unternimmt Kurt Schwitters zahlreiche Reisen, die ihn ab 1930 jährlich nach Norwegen führen. In einer Hütte auf der Insel Hjertøya beginnt er ab 1932 mit der Installation seines zweiten Merzbaus. Nachdem die Nationalsozialisten seine Kunst als „entartet“ eingestuft haben, entscheidet er sich 1937 für ein Leben im norwegischen Exil (sein Sohn Ernst ist bereits im Dezember 1936 dorthin geflüchtet). In einem Haus in Lysaker bei Oslo entsteht ein weiterer Merzbau, der jedoch 1951 durch einen Brand zerstört wird.
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Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Norwegen 1940, fliehen Kurt und Ernst Schwitters sowie dessen Frau Esther nach Schottland. Bis Dezember 1941 folgt die Internierung in verschiedenen Lagern, nach seiner Entlassung lässt sich Schwitters in London nieder und wird wieder Teil der Kunstszene. Im Oktober 1944 stirbt seine Frau Helma, die in Deutschland geblieben ist, wovon er jedoch erst zwei Monate später erfährt.
Nach Ende des Krieges bleibt Schwitters in England und nimmt 1947 die Arbeit an seinem vierten Merzbau auf, der Merz Barn im Lake District. Er wird dieses letzte große Projekt nicht mehr beenden. Nachdem er bereits mehrfach unter gesundheitlichen Problemen gelitten hat, stirbt Kurt Schwitters am 8. Januar 1948 im Beisein seines Sohnes Ernst und seiner Lebensgefährtin Edith Thomas im Krankenhaus in Kendal im Alter von nur 60 Jahren. Am Tag zuvor war ihm die englische Staatsbürgerschaft bewilligt worden.

Zweifellos war Kurt Schwitters einer der kreativsten Künstler im Deutschland der Zwischenkriegsjahre, dessen dadaistische, aber auch konstruktivistische und bisweilen surrealistische Arbeiten den in den späten 1950er Jahren aufkommenden Hard Edge-Stil teilweise vorwegnahmen. Seine Collagen inspirierten die Künstler der Pop Art, die zu seiner Merz Barn pilgerten, deren einziges fertiggestelltes Relief sich heute in der Hatton Gallery in Newcastle upon Tyne befindet. Ein Nachbau der Scheune wurde im Hof der Royal Academy of Arts in London errichtet. Schwitters Werke sind Teil vieler bedeutender Sammlungen, darunter das Museum Ludwig in Köln, das Museum of Modern Art in New York und die Peggy Guggenheim Collection in Venedig. Seinem einflussreichen Merz-Gedicht An Anna Blume kann man in Hannover als Bodenrelief in der Altstadt sowie am Anna-Blume-Brunnen im Stadtteil Mühlenberg begegnen.
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