Mit meiner Kunst habe ich die Seelen von vielen Leuten berührt: sie erkannten die Liebe und das Leben. Können Sie mir etwas mit dieser Freude Vergleichbares bieten?
Mary Cassatt wurde zusammen mit Berthe Morisot und Marie Bracquemond vom französischen Kunstkritiker Gustave Geffroy als eine der drei großen Damen („les trois grandes dames“) des Impressionismus bezeichnet. Cassatt war es vergönnt, von ihrer Kunst Leben zu können und sie, so wie es ihre männlichen Kollegen, zu ihrem Beruf zu machen – eine Seltenheit in der damaligen Zeit.
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Mary Stevenson Cassatt wurde am 22. Mai 1844 in Pittsburgh, Pennsylvania, in eine wohlhabende und gebildete Familie hineingeboren, in der das Reisen als Teil der kulturellen Ausbildung eines jungen Menschen betrachtet wurde. Bereits in jungen Jahren besuchte die spätere Künstlerin die bedeutenden Hauptstädte Europas, darunter Berlin, London und Paris. Nachdem sie vier Jahre lang an der Pennsylvania Academy of Fine Arts in ihrer Heimatstadt studiert hatte, lernte sie in Paris Delacroix, Corot, Ingres und Courbet kennen und nahm ab 1866 privaten Zeichenunterricht, da Frauen der Zugang zur École des Beaux-Arts verwehrt war. Wie jeder Kunststudent besuchte sie regelmäßig den Louvre, um mithilfe der dort ausgestellten Kunstwerke zu lernen.
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Ausgestattet mit einem unabhängigen und festen Charakter, ließ sich Mary Cassatt nie von ihren Vater einschüchtern, der von den Plänen seiner Tochter, sich ernsthaft einer Künstlerkarriere zu widmen, nichts hielt und ihr daher finanzielle Unterstützung vorenthielt. Um möglichst schnell Geld zu verdienen, arbeitete Cassatt unermüdlich daran, ihre Technik und ihr Können zu verbessern. 1868, im Alter von nur 24 Jahren durfte sie ihr Gemälde Mandolinenspielerin im renommierten Pariser Salon ausstellen. Drei Jahre später reiste sie im Auftrag des Erzbischofs von Pittsburgh nach Parma, um Kopien von zwei Correggio-Gemälden anzufertigen. Das Geld, das sie vorab erhielt, beglich nicht nur die Reisekosten, sondern erlaubte es ihr auch, ihre Zeit ausschließlich der Kunst zu widmen, so wie sie es sich schon immer gewünscht hatte.
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Der Aufenthalt in Parma erwies sich als sehr angenehm, wurde sie doch von der dortigen Künstlergemeinschaft, die sie in ihren künstlerischen Ambitionen unterstützte und ermutigte, herzlich aufgenommen. Nachdem Aufenthalt in Italien, dem ein Zwischenstopp in Spanien folgte, entschied sich Cassatt dafür, sich ganz in Paris niederzulassen. Dort stieß ihre Schwester Lydia dazu, die ihr häufig als Modell diente.

Mary Cassatts Talent erregte schon bald die Aufmerksamkeit von bedeutenden Künstlern wie Edgar Degas, der eine tiefe Verbindung zwischen seinen und Cassatts Arbeiten bemerkte. Vereint in der Liebe zur Kunst, hielt die 1877 geschlossene Freundschaft ein Leben lang. Degas führte Mary Cassatt in den Kreis der Impressionisten ein, mit denen sie 1879 gemeinsam ausstellte und die ihren Stil maßgeblich beeinflussten. Mary Cassatts Verbindungen nach Amerika erwiesen sich wiederum als Glücksfall für die Impressionisten, deren Werke sie ihren Landsleuten vorstellte. Und zwar nicht nur die Werke von Degas, sondern auch von anderen Künstlern wie Renoir, Monet, Manet, Pissarro und Morisot.
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Als ihre schon immer mit einer schlechten Konstitution ausgestattete Schwester Lydia 1882 starb, hinterließ das eine enorme Lücke in Mary Cassatts Seele. Aufgrund ihrer Trauer, war es der Künstlerin eine Zeit lang unmöglich zu arbeiten. Als es ihr wieder besser ging, führte sie ihre Rebellion gegen ihren Vater, der ihre Entscheidung noch immer ablehnte, und die gesellschaftlichen Vorurteile und Konventionen fort. Auch distanzierte sie sich vom Impressionismus, um einen eigenen Stil zu entwickeln, der keiner bestimmten Richtung oder Bewegung angehörte. Cassatt experimentierte mit Stilmitteln und Techniken und entdeckte auch die japanische Kunst.
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Mary Cassatt zog die Darstellung von Frauen in ihrem familiären Umfeld der Landschaftsmalerei vor. Immer wieder malte sie Bilder mit mütterlicher Thematik. Cassatt zeichnete sich durch die Darstellung von Müttern und Kindern aus, mit einer klaren bildlichen Introspektion, präziser, strenger Linienführung und schnellen Pinselstrichen, die die chromatischen Effekte und die extreme Feinheit betonten. Sie selbst heiratete nie und hatte keine Kinder. Stattdessen reproduzierte auf der Leinwand den intimen Zauber der symbiotischen und exklusiven Mutter-Kind-Beziehung mit einer perfekten Mischung aus Rationalität und Poesie.
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1904 lehnte sie den Walter Lippincott Prize ab, der ihr von der Philadelphia Academy of Fine Arts für ihr Gemälde Die Liebkosung verliehen worden war. Sie schlug vor, das Geld lieber einem jungen Künstler in Not zu geben. Im selben Jahr wurde sie für die Verdienste um die französische Kunst in die Ehrenlegion aufgenommen – die höchste Auszeichnung des französischen Staates. Ihr ganzes Leben lang forderte Cassatt auferlegte Konventionen heraus, ermutigte viele junge Künstlerinnen und Künstler und forderte Frauen im Allgemeinen auf, unabhängig zu sein und ihre Träume und Talente zu pflegen.
Der Tod ihres Bruders Gardner im Jahr 1911 stürzte Mary Cassatt erneut in eine Krise, die umso schwerer zu bewältigen war, da sie selbst mit den Folgen einer Diabeteserkrankung zu kämpfen hatte. 1914 war ihr Sehvermögen so schlecht, dass sie die Malerei aufgeben musste. Ihren Kampf für die Rechte ihrer Zeitgenossinnen gab sie jedoch nicht auf. So präsentierte sie einige ihrer Werke auf einer Ausstellung, die die Bewegung für das Wahlrecht von Frauen unterstützte. Bei ihrem Tod am 14. Juni 1926 hinterließ Mary Cassatt ein beeindruckendes Erbe – sowohl auf moralischer, als auch auf künstlerischer Ebene.
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Mary Cassatts Charakter war der Schlüssel für ihre Beharrlichkeit, mit der sie ihren Traum einer Karriere als Künstlerin gegenüber den Konventionen einer von Männern dominierten Welt verteidigte. Mit Träumen und Tatkraft wurde sie zur Ikone der Unabhängigkeit der Frauen, während ihr Talent, das amerikanische und europäische Stile miteinander verschmelzen ließ, dazu beitrug, den Impressionismus in Amerika bekannt zu machen.
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