Es war im Jahre 1952, als der Künstler Francis Bacon den ehemaligen Kampfpiloten Peter Lacy zum ersten Mal traf. Von diesem Tag an sollte sein Leben nicht mehr dasselbe sein: Er markierte den Beginn einer leidenschaftlichen, überwältigenden Liebe, die in ihrem Kern Gewalt und Obsession verbarg. Kurz zuvor war die acht Jahre währende, erstickende Beziehung von Bacon mit dem Bankier Eric Hall zu Ende gegangen und er fühlte sich gleichzeitig wiedergeboren als auch zum Verblassen verurteilt. Doch auch die nun folgende Beziehung mit Peter Lacy war alles andere als harmonisch, im Gegenteil: Lacy erwies sich als gewalttätig, der seinen Partner schlug und erniedrigte und ihn nach einem Streit sogar aus dem Fenster warf. "Sein Gesicht war so zerstört, dass sein rechtes Auge wieder festgenäht werden musste", berichtete der Kunsthistoriker John Richardson in der New York Review. Francis Bacon liebte Peter Lacy mehr als sich selbst.
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Bacon hatte sich in Lacy verliebt, gerade weil dieser wusste, wie man ihn dominieren und verletzen konnte. Diese Liebe war eine Sucht, eine Beziehung zwischen Sex und Blut.
Jedes Mal, wenn ich zum Metzger gehe, denke ich, wie außergewöhnlich es ist, dass ich nicht anstelle des Tieres bin.
Bacon war der Sklave von Lacys neurotischem Sadismus und tat alles, um ihm nahe bleiben zu dürfen. Er konnte es nicht ertragen, von seinem Geliebten getrennt zu sein, und als Lacy zu einer Reise nach Tanger in Marokko antrat, folgte Bacon ihm schon bald nach.
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Das Frustrierende ist, dass Menschen niemals nahe genug beieinander sein können. Wenn Sie verliebt sind, können Sie die Barrieren der Haut nicht abbauen.
Tanger war für die beiden Männer ein Zufluchtsort, der im Gegenteil zum klaustrophobischen London der 1950er Jahre tolerant gegenüber Homosexuellen war. Während seines Aufenthaltes in Tanger malte Bacon viel, In einem Brief an Erica Bauser berichtete er: "Ich hoffe, Anfang Oktober mit 20 oder 25 Gemälden zurückzukehren [...] Ich stecke mitten in der Arbeit und denke, dass ich jetzt einige schöne Bilder machen kann."

Eines Abends zerstörte Bacon vor Wut fast alle Leinwände, die er bemalt hatte, um seine Erinnerungen an Peter Lacy zu beseitigen. Die verbleibenden fünf oder sechs übergab er seinem Freund Nicolas Brusilowski in der Hoffnung, dass sie wiederverwendet werden könnten. Glücklicherweise wurden sie jedoch nie übermalt. Eines dieser Leinwandgemälde war Pope von 1958, das 2019 bei Sotheby's für 6,6 Millionen USD (6 Millionen Euro) versteigert wurde.
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Trotz seines liberalen Klimas erwies sich Tanger für Peter Lacy schon bald als tödlich, als er 1962 als Folge seiner Alkoholsucht im Alter von nur 46 starb. Nur wenige Stunden vor der Eröffnung von Bacons Einzelausstellung in der Tate in London erhielt er die tragischen Neuigkeiten per Telegramm. Für Francis Bacon war es ein schwerer Schlag, eine Wunde, die niemals heilen sollte. Lacy hatte ihn verlassen und diesmal für immer.

Francis Bacon porträtierte Peter Lacy auch nach dessen Tod - komplett mit all seinen Lastern und Schwächen. Study for a portrait of P.L. entstand noch in Lacys Todesjahr - ein Meisterwerk der physiognomischen, psychologischen und emotionalen Analyse. Peter Lacy sitzt mit verschränkten Armen und einem Glas Wein vor einem sterilen und zeitlosen Hintergrund, der keine genaue räumliche Situation preisgibt. Bacons Blick ruht auf Lacys Gesicht wie eine brutale Hand, die bereit ist, seine Intimität zu stören. Vom Opfer zum Henker quält er ihn, verschlingt ihn von innen und nimmt ihn in Besitz. Er wühlt in ihm, bis er nicht wiederzuerkennen und deformiert ist.
Milan Kundera schrieb: „Bacons Porträts sind eine Frage der Grenzen des Selbst. Inwieweit bleibt ein Individuum noch es selbst? Bis zu welchem Grad der Verzerrung bleibt ein geliebter Mensch noch ein geliebter Mensch? Wie lange bleibt ein liebes Gesicht erkennbar, das in Krankheit, Wahnsinn, Hass, Tod versinkt? Wo ist die Grenze, jenseits derer ein Ich aufhört, Ich zu sein?"

Auf der ständigen Suche nach Liebe fand Bacon bald einen anderen Mann in seinem Leben. Aber diesmal wiederholte sich die Geschichte in umgekehrter Weise: Die turbulente Beziehung voller Liebe und Gewalt sollte bei George Dyer sowohl zum physischen als auch zum psychischen Zusammenbruch führen.



