Ohne jeden Zweifel zählt Yves Saint Laurent zu den größten Modedesignern des 20. Jahrhunderts. Der Liebhaber von Kunst und des androgynen Looks sollte während seiner gesamten Karriere die Moderichtlinien der Frau auf den Kopf stellen. Zu seinen großen Entwürfen zählt nicht nur das Mondrian-Kleid, sondern auch das transparente Top, der Jumpsuite sowie der erste Hosenanzug für die Dame. Diese ikonischen Stücke bilden die Reputation jenes Künstlers, dessen Karriere in den 1950er Jahren begann, als er auf den Geschäftsmann Pierre Bergé traf.
Geboren am 1. August 1936 im algerischen Oran, war der junge Yves Henri Donat Mathieu-Saint-Laurent von Anfang an stark beeinflusst von der "kosmopolitischen Stadt der Händler, einer funkelnden Stadt wie ein Flickenteppich aus tausend Farben unter der ruhigen Sonne Nordafrikas", wie er es einmal selbst beschrieb. Diese Neigung zu Offenheit und Universalismus war die Basis der Karriere des dünnen jungen Mannes mit aristokratischen Wurzeln, der in den 1950er Jahren beschloss, nach Paris zu gehen – im Alter von nur 17 Jahren. Bereits zwei Jahre später erhielt er eine Anstellung bei Dior, wo er zunächst als Assistent arbeitete und nach dem plötzlichen Tod Christian Diors 1957 zum künstlerischen Leiter aufstieg.
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Doch er blieb nicht lange dort. 1961 versetzte er die Modewelt in Erstaunen, als er sein eigenes Geschäft für Haute Couture eröffnete – gemeinsam mit dem Geschäftsmann Pierre Bergé, der auch sein Partner im Leben werden sollte. In den folgenden Jahren waren alle seine Kreationen dahingehend zugeschnitten, ihren Trägerinnen mehr Macht zu verleihen. 1962 brachte er mit Y sein erstes Parfum auf den Markt. Schon bald zählten die großen französischen Schauspielerinnen zu seinen Kundinnen, darunter Jeanne Moreau, Claudia Cardinale, Arletty und vor allem Catherine Deneuve. Seine erste Prêt-à-porter-Boutique eröffnete Yves Saint Laurent 1966 in Paris. Im selben Jahr designte er seinen ersten Hosenanzug für die Dame, für den er vom amerikanischen Modemagazin Harper's Bazaar ausgezeichnet wurde.
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In den 1970er Jahren war Yves Saint Laurent schließlich auf dem Höhepunkt seines Ruhms. Inspiriert von der männlichen Garderobe kleidete er Frauen diesseits und jenseits des Atlantiks ein, in einem Stil, der als frei und sexy empfunden wurde und immer wieder für Skandale in der Presse sorgte – so geschehen bei seiner Frühjahr/Sommer-Kollektion 1971, die vom Retro-1940er-Stil inspiriert war, den die Frauen in Frankreich während der Besatzungszeit getragen hatten.
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Diese und die nachfolgende Dekade gaben Yves Saint Laurent die Möglichkeit, jenen Künstlern durch seine Entwürfe Tribut zu zollen, die ihn inspirierten: Van Gogh, Matisse, Velázquez und Picasso, um nur einige zu nennen. Künstlerisch schuf er in dieser Zeit ein umfangreiches Erbe im Bereich der Damenmode, was im krassen Gegensatz zu seiner Sucht nach Drogen und Alkohol stand, die seine Neigung zu Angstzuständen verstärkte.
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Es war eine Phase in seinem Leben, in der er Trost in imaginären und echten Reisen nach Marokko, vor allem Marrakesch, fand, wo er an seinen Kollektionen arbeitete. Anfang der 1980er Jahren erwarben Yves Saint Laurent und Pierre Bergé eine Villa in Marrakesch, die ehemals dem französischen Maler Jacques Majorelle gehört hatte – ein Ort voller Poesie, mit Teichen und exotischen Pflanzen, der heute der Öffentlichkeit zugänglich ist.

1983 wurde Yves Saint Laurent als erstem Modedesigner überhaupt die Ehre zuteil, noch zu Lebzeiten mit einer Retrospektive im Metropolitan Museum of Art in New York geehrt zu werden. Es folgten Ausstellungen in Museen auf der ganzen Welt, darunter 1986 im Musée des Arts de la Mode in Paris.
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In den 1990er Jahren zog sich Yves Saint Laurent immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück, arbeitete aber weiterhin. In seinem Fokus standen nun die "Hommage"-Kollektionen, für die er sich u.a. von Marilyn Monroe, Marcel Proust und Catherine Deneuve inspirieren ließ. Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich 1998 versammelte Yves Saint Laurent 300 Models in seinen Kreationen auf dem Rasen des Stade de France – ein beutendes Event, das von Millionen Zuschauern auf der ganzen Welt gesehen wurde und seinen Bekanntheitsgrad nochmals enorm erweiterte. 2002 gab er dann seinen Rückzug aus der Modewelt bekannt und das Ende seines Haute Couture-Hauses, eines der größten Modeunternehmen der Welt. Seine Aufmerksamkeit widmete er nun der Fondation Pierre Bergé-Yves Saint Laurent.
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Bevor Yves Saint Laurent am 1. Juni 2008 im Alter von 71 Jahren die Augen für immer schloss, residierte er in der Villa Majorelle in Marrakesch. Zu seinem Gedenken wurde dort eine Stele errichtet. Nicht weit davon entfernt befindet sich das Musée Yves Saint Laurent, in dem tausende Zeichnungen, Kleider, Accessoires und persönliche Gegenstände des Designers ausgestellt werden. Ein anderer Teil seines Nachlasses befindet sich im Musée Yves Saint Laurent im 16. Arrondissement von Paris. Hier darf der Besucher Fotografien, Filmzeugnisse und 50 emblematische Modelle bewundern.

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Das Sammeln von Kunst begleitete den französischen Designer sein ganzes Leben lang. Ein Jahr nach Yves Saint Laurents Tod beschloss Pierre Bergé, alles zu verkaufen. Die Auktion wurde von Christie's durchgeführt und fand im Hauptsaal des Grand Palais in Paris statt. Die "Auktion des Jahrhunderts" zog 30.000 Menschen aus aller Welt an und umfasste 733 Objekte, darunter Gemälde von Picasso und Mondrian sowie Altägyptische Skulpturen. Zu den teuersten Stücken, die bei der Auktion verkauft wurden, gehörten Les coucous, tapis bleu et rose von Henri Matisse und Madame L.R. des rumänischen Künstlers Constantin Brâncuși.




