Eine aktuelle Onlineauktion widmet Sotheby’s ausschließlich dem deutschen Künstler Otto Dix (1891-1969). Highlight des 32 Lose starken Katalogs „Otto Dix: Haunted Visions | Graphic Masterworks from an Important Private Collection“ ist das Mappenwerk Der Krieg von 1924, in dem sich Dix mit seinen Erlebnissen als Soldat im Ersten Weltkrieg auseinandersetzte.
Der Krieg besteht aus 50 Blättern mit Kaltnadel- und Aquatinta-Radierungen und wird bei Sotheby’s vollständig angeboten. Jedes Blatt ist mit Bleistift signiert, ebenso die fünf jeweils zehn Blätter umfassenden Umschläge, die zudem die Nummerierung „39“ tragen. Insgesamt wurden 70 Exemplare des Mappenwerks herausgegeben.
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Otto Dix hatte sich nicht enthusiastisch, aber dennoch freiwillig zum Kriegsdienst in jenem Konflikt gemeldet, der sich zum Ersten Weltkrieg entwickeln sollte. Als Maschinengewehrschütze wurde er sowohl an der West- als auch an der Ostfront eingesetzt und bekam das Kriegsgeschehen aus erster Hand mit.

Oder besser gesagt: den Wahnsinn des Krieges. Denn als solches stellte Dix seine Erlebnisse dar – eine nichts beschönigende, ehrliche Auseinandersetzung mit dem, was nicht nur er, sondern Millionen andere erfahren mussten. Der Krieg zeigt den Ersten Weltkrieg als das, was er war: eine Apokalypse mit einer bis dahin noch unbekannten Art der Kriegsführung.

Nach Kriegsende kehrte Otto Dix nach Dresden zurück und setzte sein Malereistudium fort. Doch der Krieg ließ ihn nicht los. Immer wieder thematisierte er ihn in seinen Gemälden: Schützengraben (seit 1940 verschollen) entstand 1921-23, das Triptychon Der Krieg zwischen 1929 und 1932 und auch in seinem berühmten Triptychon Großstadt von 1927/28 sind neben dem Glamour der Goldenen Zwanziger die Versehrten des Krieges zu sehen.
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Nach seinem Wechsel nach Düsseldorf im Jahr 1922 begann sich Dix mit grafischen Techniken auseinanderzusetzen. Sein Lehrer war Wilhelm Herberholz, der an der Akademie unterrichtete. 1923 begann Dix mit der Arbeit an der Grafiksammlung Der Krieg, die im Jahr darauf anlässlich des Antikriegsjahres publiziert werden sollte. Die meisten Bilder fertigte Otto Dix nach seinen Erinnerungen. Die Realität und der greifbare Schrecken der Darstellungen belegen, wie präsent die Erlebnisse auch Jahre nach Kriegsende noch waren.

Die Grafiken aus Der Krieg und das Gemälde Der Schützengraben wurden von Kritik und Publikum gelobt und als Antikriegs-Meisterwerke betrachtet. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten änderte sich das jedoch. Die Werke Otto Dix’ waren den kriegstreibenden neuen Machthabern ein Dorn im Auge. Sie ließen sie aus den Museen entfernen. 1933 verlor Otto Dix seine Professorenstelle an der Dresdner Kunstakademie, 1937 wurden seine Arbeiten, die die Neue Sachlichkeit maßgeblich mit geprägt hatten, als „entartete Kunst“ eingestuft.

Publiziert wurde Der Krieg von der Berliner Galerie Nierendorf, dessen Mitgründer Karl Nierendorf (1889-1947) einer von Otto Dix’ wichtigsten Förderern war. Das vorliegende Exemplar war von einem Schweizer Sammler in den 1960er Jahren in der 1955 wiedereröffneten Galerie Nierendorf erworben worden.
Die Nachfahren des Sammlungsgründers haben nun Sotheby’s die Versteigerung des auf 200.000-300.000 GBP (ca. 233.000-350.000 Euro) geschätzten Meisterwerks anvertraut. Die Onlineauktion läuft noch bis zum 19. März.
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