Geboren 1896 in Paris, zog Paul Jacoulet im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern nach Japan, wo sein Vater eine Anstellung als Französischlehrer an der Höheren Handelsschule in Tokio erhalten hatte. Paul selbst besuchte japanische Schulen, wo er die Sprache sowie die Sitten und Gebräuche seiner neuen Heimat erlernte. Aufgrund seiner schwachen Konstitution (er war eine Frühgeburt gewesen) war Paul jedoch oft bettlägerig.
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Im Alter von 11 Jahren zeigte er erstmals ein Interesse am Zeichnen, ein dahingehendes Karrieredenken entwickelte sich jedoch erst viel später. Nach dem Tod des Vater im Jahr 1921 verließ Pauls Mutter Asien für acht Jahre und kehrte später an der Seite ihres zweiten Ehemanns zurück, allerdings nach Korea, das damals eine japanische Kolonie war. Paul Jacoulet blieb jedoch in Japan und begleitete seinen Freund Yujirô Iwasaki 1929 auf einer Reise nach Mikronesien. Nach dieser Reise, die einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterließ, beschloss Jacoulet, Künstler zu werden.
Die vielen Aquarelle und Zeichnungen, die er während der Reise angefertigt hatte, stärkten sein Bewusstsein hinsichtlich der Verletzlichkeit einiger Bewohner Mikronesiens und die vielen Reisen auf die Marianen- und Karolineninseln, die folgen sollten, inspirierten ihn, Szenen des dortigen Lebens auf Papier festzuhalten.
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In den 1930er Jahren verschrieb sich Paul Jacoulet der Tradition des ukiyo-e, einem Begriff, der sich mit „Bilder der fließenden Welt“ übersetzen lässt. Er kombinierte den Stil des 17. Jahrhunderts mit Techniken, die er selbst entwickelt hatte. 1933 gründete er seine Werkstatt, in die er zahlreiche Meistergraveure und -drucker einlud, die ihn bei der Herstellung von ukiyo-e-Drucken auf traditionelle Weise unterstützten. Bereits seine erste Serie brachte ihm einigen Ruhm in Japan ein und er wurde zu einem der wenigen westlichen Künstler, die es zur Meisterschaft in der Holzdrucktechnik brachten. Noch heute wird er in Japan als Meister der Drucktechnik verehrt. Der Einfluss Paul Gauguins auf viele seiner Werke ist deutlich spürbar, vor allem auf jene, die in Mikronesien entstanden sind.
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Während des Zweiten Weltkriegs zog Jacoulet nach Karuizawa in der Präfektur Nagano. Aufgrund des Materialmangels sah er sich gezwungen, die Kunst vorübergehend aufzugeben. Ermutigt von den Mitgliedern der amerikanischen Besatzungstruppen nahm er seine Arbeit 1946 wieder auf und wurde auf Antrag eines seiner größten Sammler, General Douglas MacArthur, Kunstprofessor am Tokyo Army College.
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Vor allem MacArthurs zweite Ehefrau förderte Jacoulets Talent. Sie stellte seine Werke im Hauptquartier des Generals in Tokio und später im Waldorf Astoria Hotel in New York aus. Dank seiner neuen Arbeitsstelle und des Interesses seitens des Ehepaares MacArthur, wurde Paul Jacoulet in Amerika populär. Bereits 1946 fanden drei Ausstellungen auf zwei amerikanischen Militärbasen in Japan statt. Dennoch war Jacoulets Beziehung zu den Vereinigten Staaten am Ende seines Lebens angespannt: Aufgrund seiner offen gelebten und oft in seinen Werken zum Ausdruck gebrachten Homosexualität war es ihm nicht erlaubt, amerikanisches Territorium zu betreten.

In den 1950er Jahren verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, was ihn jedoch nicht davon abhielt Australien, Hongkong, Singapur, Tahiti und die Westindischen Inseln zu bereisen. Nach seiner Rückkehr plante er ein großes Projekt mit 20 Drucken, das gefährdete Völker in Asien und des Pazifiks zum Thema hatte.
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Paul Jacoulet erlag im März 1960 den Folgen seiner Diabeteserkrankung und hinterließ 166 Drucke im ōban-Format (ca. 37 x 25 cm; neben dem chūban-Format am häufigsten für ukiyo-e verwendet) sowie eine Reihe kleinerer Werke mit Postkartengröße.

Bekannt für das Verwenden der besten Materialien und die Zusammenarbeit mit den besten Graveuren, produzierte Paul Jacoulet Drucke, die die arbeitende Bevölkerung in vielen Ländern Asiens und Ozeaniens zeigen.
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Paul Jacoulet führte ein unkonventionelles Leben und betätigte sich neben der Kunst als Kalligraph, Linguist und Schmetterlingssammler. An der Schnittstelle zwischen Ost und West stellte er detailliert die Kleidung, Frisuren und Tätowierungen der Menschen, die er auf seinen Reisen traf, dar.

Arbeiten von Jacoulet aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg sind unglaublich selten. Die meisten von ihnen wurden von ausländischen Sammlern aus Japan fortgebracht oder während des Krieges zerstört. Heute erzielen die Drucke auf dem Auktionsmarkt mehrere Tausend Dollar. Jacoulets aktueller Rekord liegt bei 36.250 US-Dollar (inkl. Aufgeld), die im Dezember 2022 im Auktionshaus Eldred's in Massachusetts für ein vollständiges Set seiner fünfteiligen Serie Dames Chinoises et Mandchoues gezahlt wurden.
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Obwohl er in Frankreich das Licht der Welt erblickte, war Paul Jacoulet in seinem Geburtsland lange Zeit ein Unbekannter. Erst die Ausstellungen in der Nationalgalerie und im Musée du quai Branly 2011 und 2013 verstärkten dort das Interesse an ihm und seiner Kunst.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 4. Februar 2022









