1763 wurde am westlichen Ende des Parks von Sanssouci in Potsdam mit dem Bau eines repräsentativen Schlosses begonnen, mit dem der Bauherr, König Friedrich II. von Preußen, nach dem für ihn erfreulichen Ausgang des Siebenjährigen Krieges die Macht und Größe seines Herrschaftsgebietes versinnbildlichen wollte. Das Neue Palais war äußerlich klar vom Klassizismus geprägt, im Inneren setzte Friedrich jedoch ein weiteres Mal auf die nach ihm benannte Ausprägung des Rokoko, die bereits in den 1740er Jahren in seinem geliebten – und von ihm selbst entworfenen – Schlösschen Sanssouci zum Einsatz gekommen war.
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Die Ausstattung eines Zimmers in seinem persönlichen Appartement im Erdgeschoss ließ Friedrich rund um eine ganz bestimmte Dekoration planen, die es ihm besonders angetan hatte. In der Fleischfarbenen Kammer – bekannt nach der rosa Farbe der Wände – versammelte Friedrich 23 überaus kostbare Vasen aus Meißen, die die Kreativität des Modelleurs Johann Joachim Kaendler und die außerordentlichen Fähigkeiten der Handwerker wie keine andere Schöpfung der dortigen Porzallanmanufaktur verkörperten. Über und über mit kleinen von Hand geformten und einzeln am Vasenkorpus befestigten Blüten bedeckt, wurden die Kreationen aufgrund ihres Aussehens, das an die kugelförmigen Blütenstände des Viburnum opulus-Strauchs erinnert, als „Schneeballvasen“ bezeichnet (siehe Titelbild).
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Das Schneeballblütenmuster war 1739 von Kaendler entwickelt worden. Zu jener Zeit begann man in der Manufaktur Meissen, der Wiege des europäischen Porzellans, Dekore und Formen nach westlichem Geschmack herzustellen, die die bis dahin gebräuchlichen Muster nach chinesischem Vorbild abzulösen sollten. Die Schneeballblüten kamen erstmals bei einem Tafelservice zum Einsatz, das der sächsische Kurfürst Friedrich August II. für seine Gemahlin, Erzherzogin Maria Josepha von Österreich, bestellt hatte. 1741/42 kamen dann die großen Schneeballvasen hinzu, die zusätzlich mit bunten Vogelfiguren, Zweigen und Nestern verziert wurden. Um 1760 folgten die durchbrochen gearbeiteten Vogelkäfige als Teil des Vasenkorpus, in denen eine weitere vollplastische Vogelfigur platziert wurde – ein Element, der den ohnehin schon anspruchsvollen Brennvorgang der filigranen Vasen weiter erschwerte.
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Insgesamt 40 Schneeballvasen bestellte Friedrich II. 1762 in der Meissener Manufaktur. Interessanterweise war Sachsen, und damit auch Meißen, während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) von Preußen besetzt, doch das persönliche Interesse des Königs ließ die Produktion weiterlaufen. Tatsächlich scheint Friedrich zu diesem Zeitpunkt bereits einige Schneeballvasen besessen zu haben, wie eine Inventarliste von 1745 vermuten lässt.

In der Fleischfarbenen Kammer wurden die Schneeballvasen auf hellen Konsolen vor den rosa Wänden platziert. Die Nutzung des Raums, der das zweite Vorzimmer der königlichen Wohnung bildete, scheint vor allem zur Präsentation der Vasen gedient zu haben. Ausgestattet mit zahlreichen Fauteuils und einem Kanapee, lud er zum Verweilen und Betrachten der Meissener Prestigeobjekte ein. Vor allem bei abendlichem Kerzenlicht muss der Effekt erstaunlich gewesen sein, schienen die dreidimensionalen Blütendekore doch lebendig zu werden.

Mit den Vasen im Neuen Palais besitzt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg heute die weltweit größte Sammlung von originalen Schneeballvasen aus dem 18. Jahrhundert. Bis heute werden Vasen nach Kaendlers Modellen in der Manufaktur Meissen hergestellt. Im Jahrhundert ihrer Erfindung traute sich keine andere Manufaktur zu, die komplexen Vasen zu kopieren – auch nicht die 1763 von Friedrich II. gegründete Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM). Erst im 19. Jahrhundert, als Historismus und eine gesteigerte Sammelleidenschaft für Antiquitäten aufeinander trafen, stellte die Pariser Manufaktur Edmé Samson & Cie. Kopien nach Meissener Vorbild her und ging dabei sogar soweit, die berühmte Schwertermarke zu imitieren.
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Meissener Schneeballvasen erzielen auf dem Auktionsmarkt Preise im fünf- oder sogar sechsstelligen Bereich, wobei Originale aus dem 18. Jahrhundert extrem selten zu finden sind. Grund dafür ist die damals äußerst begrenzte Herstellung, die in der Regel nur auf Bestellung durch Fürstenhäuser erfolgte, sodass sich die meisten Stücke heute in entsprechenden Sammlungen befinden und unverkäuflich sind. Mindestens 90% der angebotenen Schneeballvasen stammen aus dem 19. Jahrhundert, was der Bewunderung, die man ihren Herstellern entgegenbringen sollte, jedoch keinen Abbruch tut.










