Sollte Ihnen einmal auf einem Flohmarkt oder im Haus Ihrer Großeltern ein Teller mit dem Logo von Rörstrand in die Hände fallen, könnte es sein, dass Sie es mit einem wahren Schatz der schwedischen Porzellanherstellung zu tun haben. Erfahren Sie mehr über die Geschichte der Manufaktur anhand von zehn Eckdaten!
1726: Der Anfang
1726 begann die Porzellanproduktion auf Schloss Rörstrand in Stockholm. Zunächst konzentrierte man sich jedoch vor allem auf Fayencen, dessen weiße Zinnglasur nach chinesischem Vorbild mit kobaltblauem Dekor verziert wurde. Dank Rörstrand wurde Geschirr aus Porzellan in Schweden populär und löste die bis dahin bevorzugten Metallteller ab.
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1758: Die Geburt einer Marke
Bis in die späten 1750er Jahre war Rörstrand der einzige Porzellanhersteller in Schweden und markte seine Waren einfach mit „Stockholm“. Als 1758 mit der Mariebergs Porslinsfabrik das erste Konkurrenzunternehmen gegründet wurde, fing man an, die Marke „Rörstrand zu verwenden. Porzellan wurde damals an speziellen Porzellanständen verkauft, von denen sich der erste bekannte am Riddatorget in Stockholms Gamla Stan befand.
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1770: Das Sepia-Service
Während sich die englische Innovation „Flintware“ – eine Mischung aus Fayence und Porzellan – zu verbreiten beginnt, gesellen sich mehrere leuchtende Farben zum buslang dominierenden Blau hinzu und erweitern so die kreativen Möglichkeiten. In dieser Zeit brachte Rörstrand mit Sepia sein erstes komplettes Service auf den Markt.
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1807: Die erste Dampfmaschine
1807 erwarb Rörstrand seine erste Dampfmaschine, was die Produktion erheblich veränderte. Nachdem sich Mitarbeiter in England umgeschaut hatten, begann Rörstrand, Motive mit Kupferplatten zu drucken, was eine wichtige Ergänzung zu den handgemalten Design darstellte. Rörstrand schuf nun immer umfangreichere Service, zu denen auch prächtige Terrinen und Tabletts gehörten. Der englische Einfluss machte sich auch in den Motiven mit englischen oder exotischen Landschaften bemerkbar, beispielsweise in den Serien Willow und Svart Sverige.
1874: Die Gründung von Arabia
1874 gründete Rörstrand seine Tochterfirma Arabia, um den riesigen russischen Markt zu bedienen. Zehn Jahre später komplettierte Rörstrand seine Marke, indem es eine Krone hinzufügte. Es war die Ära der großen Dinner und Empfänge mit verschwenderischen Menüs und gut gekleideten Gästen, die in prächtigen Speisesälen zusammenkamen, deren Tafeln luxuriös eingedeckt waren. Unnötig zu erwähnen, dass die Geschäfte der Porzellanbranche boomten…
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1926: Abschied von Stockholm
1909 erschien mit Höganäs Keramik in Skåne ein neuer Konkurrent auf der Bildfläche und 1926 verabschiedete sich Rörstrand von Stockholm, um künftig von Göteborg aus zu agieren.
1932: Ostindia - ein neuer Klassiker
1932 wurde das Service Ostindia eingeführt. Das Design war von einer Scherbe inspiriert, die von dem Ostindienfahrer Gothenburg geborgen worden war, der am 12. September 1775 gesunken war, als er nach seiner dritten Reise nach China nach Göteborg zurückkehrte. Auch wurde Gunnar Nylund in den 1930er Jahren künstlerischer Leiter bei Rörstrand und konnte mit seiner Steingutware große Erfolge feiern.
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1941: Willkommen, Hertha Bengtson
Funktionalität gewann an Bedeutung und die Hersteller setzten auf Gebrauchsgegenstände, wie die von Gunnar Nylund speziell für den Kühlschrank kreierte Serie Frigi. 1941 begrüßte das Rörstrand-Team Hertha Bengtson, eine Keramikerin, die heute als eine der wichtigsten Vertreterinnen des Handwerks im 20. Jahrhundert gilt.
1950: Weibliche Kreativität
Rekrutierungen wie diese sind vielleicht der Grund, weshalb die 1950er Jahre als das dynamischste Jahrzehnt betrachtet werden. Marianne Westman wird mit einzigartigen Serien wie Picknick und Mon Amie zu einer der wichtigsten Designerinnen bei Rörstrand, während Hertha Bengtson mit zeitlosen Klassikern wie Koka Blå und Blå Eld von sich reden macht. Porzellandesigns von Westman und Bengtson sind auch heute noch beliebt.
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1960: Die Wiederbelebung von Gröna Anna
In den 1960er Jahren belebte Rörstrand das beliebte Motiv Gröna Anna aus den 1890er Jahren neu. Von da bis 1990 durchlief Rörstrand mehrere Eigentümer, darunter Upsala-Ekeby AB, das finnische Wärtsilä, Hakusan und die Porzellanfabrik Gustavsberg. 2001 wurde Rörstrand Teil von Iittala, das die Produktion nach Sri Lanka und Thailand verlagerte. Am 30. Dezember 2005 schloss das Werk in Lidköping seine Tore, womit nach fast 280 Jahren ein wichtiges Kapitel schwedischer Industriegeschichte endete. 2007 wurde Iittala und damit auch Rörstrand wiederum von Fiskars übernommen.
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Betrachtet man die Geschichte von einem Flaggschiff der Handwerkskunst wie Rörstrand, stellt man fest, dass Trends kommen und gehen und lange als verstaubt und langweilig angesehen Muster plötzlich wieder populär werden.
Das wirkt sich natürlich auch auf die Preise aus: So könnte ein Service, dass in den 1970er Jahren für einen Spottpreis erworben wurde, Jahre später für eine hohe Summe weiterverkauft werden. Das aktuell teuerste Erzeugnis von Rörstrand auf dem Auktionsmarkt ist die Pfauenvase von Anna Broberg aus dem Jahr 1900, die 2014 bei Christie’s für 68.500 GBP (ca. 83.000 Euro) verkauft wurde.
Es ist also ratsam, ein altes Service von Rörstrand gut aufzubewahren und die Preisentwicklung im Auge zu behalten, falls man sich eines Tages davon trennen möchte. Und da man sowieso alles von zwei Seiten betrachten sollte, ist ein Blick auf die Rückseite eines jeden Tellers, der einem auf einem Flohmarkt in die Hände fällt, nicht weniger empfehlenswert.









