Gestern ging die diesjährige TEFAF in Maastricht zu Ende, für die renommierte Galerien, Kunst- und Antiquitätenhändler aus aller Welt das Beste aus ihren Beständen mitgebracht hatten, um es auszustellen und zu verkaufen.
Am Stand von Zebregs & Röell Fine Art (Amsterdam und Maastricht) zeigte sich das Rijksmuseum in Shopping-Laune und erwarb mit Unterstützung des Fonds „Women of the Rijksmuseum“ ein Gemälde der niederländischen Barockmalerin und -zeichnerin Gesina ter Borch (1631-1690), das nicht nur das einzige signierte Gemälde der Künstlerin ist, sondern auch ein äußerst intimes Werk, dessen Entstehungsgeschichte berührt.

Gesina ter Borch war die Tochter des Malers Gerard ter Borch (um 1583-1662) aus Zwolle, der seine umfangreiche Kinderschar aus insgesamt drei Ehen im Malen und Zeichnen unterrichte, wobei sich ein dahingehendes Talent außer bei Gesina bei Harmen (1638-1677), dem Nesthäkchen Moses (1645-1667) sowie dem Erstgeborenen, Gerard ter Borch der Jüngere (1617-1681), offenbarte. Letzterer wurde vom Vater besonders gefördert und wurde zum bekanntesten Mitglied der Künstlerfamilie.
Gesina ter Borch tat sich vor allem als Zeichnerin und Aquarellmalerin von bisweilen humorigen Alltagsszenen hervor. Ölgemälde von ihrer Hand sind selten und ihre Urheberschaft der ihr zugeschriebenen Arbeiten wird, mangels einer Signatur, meist angezweifelt.
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Doch dann entdeckte Kunsthändler Dickie Zebregs von Zebregs & Röell Fine Art and Antiques ein Ölgemälde bei einem Pariser Kollegen, der es im Dezember 2023 von einem Privatsammler erworben hatte. Durch die vorhandene Signatur konnte die Urheberschaft Gesina ter Borchs zweifelsohne festgestellt werden. Doch nicht nur dieser kunsthistorisch bedeutsame Umstand macht das Gemälde zu etwas Besonderem, sondern auch das Motiv.
Dargestellt ist Gesinas jüngster Bruder Moses, umgeben von zahlreichen Spielzeugen, im Alter von zwei Jahren, was durch die im Gemälde verzeichnete Jahreszahl, 1647, betont wird. Entstanden ist das Werk jedoch erst zwanzig Jahre später, nachdem Moses, der sich im Zuge des Englisch-Niederländisches Kriegs (1665–1667) freiwillig der Marine angeschlossen hatte, in Harwich ums Leben gekommen war. Die Trauer in der Familie war groß und gemeinsam schufen Gerard der Jüngere und Gesina ein posthumes Porträt.
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Das jüngst entdeckte Porträt des zweijährigen Moses verdeutlicht, wie schmerzhaft der Verlust für Gesina, die bei Moses Geburt bereits vierzehn gewesen war und ihn damit bewusst hatte aufwachsen sehen, gewesen sein muss und ihn in Erinnerung an dessen unbeschwerte Kindheit auf so außergewöhnliche Weise porträtierte.
Dazu Taco Dibbits, Generaldirektor des Rijksmuseums: „Gesina ter Borch malte dieses bewegende Porträt ihres 15 Jahre jüngeren Bruders nach seinem Tod. Diese krönende Leistung in ihrem künstlerischen Vermächtnis bietet auch einen intimen Einblick in ihr Privatleben. Der Schmerz des Verlusts und die Bedeutung freudig erfüllter Erinnerungen sind universell und in diesem 350 Jahre alten Gemälde immer noch spürbar.“
Seit 1886 ist das Rijksmuseum im Besitz des künstlerischen Nachlasses der Familie ter Borch, wozu auch zahlreiche Arbeiten Gesinas gehören. Nun ergänzt mit dem einzigen signierten Gemälde der Künstlerin eine weitere bedeutende Arbeit die Sammlung.




