Anfang April 1987 versteigerte Sotheby’s in Genf die Schmucksammlung der im Jahr zuvor verstorbenen Wallis Simpson, Duchess of Windsor, für die der englische König Edward VIII. 1936 den Thron aufgegeben hatte. Die Auktion erregte internationales Aufsehen, war die Schmucksammlung der Herzogin doch geradezu legendär. Mit einem Gesamtergebnis von 50 Millionen USD erzielte Sotheby’s dann auch den bis dato höchsten Preis für die Schmucksammlung einer einzelnen Person.
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Unter den 250 Losen der Auktion befanden sich auch 16 Kreationen der französischen Schmuckdesignerin Suzanne Belperron, von denen jedoch nur fünf korrekt zugeschrieben wurden. Warum das so war, erfahren wir später. Die Schmuckauktion in Genf war jedoch der Auftakt zu einem neuen Interesse an den Preziosen Belperrons, die bis dahin ein wenig in Vergessenheit geraten waren.

Die später unter dem Namen Suzanne Belperron bekannte Schmuckdesignerin erblickte am 26. September 1900 als Madeleine Suzanne Marie Claire Vuillerme in einem Städtchen ganz im Osten Frankreichs das Licht der Welt. Dort hatte das Handwerk eine lange Tradition, vor allem das Schleifen von Diamanten und anderen Edelsteinen. Auch Suzanne zeigte schon bald Anzeichen von Kreativität und wurde von ihren Eltern auf die Hochschule der Bildenden Künste in Besançon geschickt, wo sie ihr Talent als Zeichnerin vertiefen konnte.
Nach ihrem Abschluss ging die erst 18-jährige Suzanne nach Paris, wo sie nach kurzer Zeit eine Anstellung fand, und zwar als Schmuckdesignerin beim Juwelier Boivin. Die Witwe des Firmengründers, Jeanne Boivin, Schwester von Couturier Paul Poiret, die jetzt die Geschäfte leitete, hatte Suzannes Talent erkannt und schon bald lagen die Kreationen ihrer jungen Angestellten im Schaufenster des Geschäfts, wo sie viel Aufmerksamkeit erregten, da sie sich von den den damals üblichen Schmuckstücken im damals aufkommenden Art déco-Stil unterschieden.
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Suzanne liebte es, sich von den Formen der Natur inspirieren und leiten zu lassen und entsprechend umzusetzen, statt sie in geometrischen Gebilden zu abstrahieren. Aber auch exotische Einflüsse aus China, Japan, Indien, Afrika und dem Orient setze sie in ihren Preziosen um, für die sie gern auf bis dahin nur wenig beachtete Materialien wie Chalcedon, Quarz und Karneol zurückgriff.
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1924 wurde zu einem erfolgreichen Jahr für Suzanne, sowohl beruflich, als auch privat. Mit nur 23 Jahren wurde sie zur Co-Direktorin des Hauses Boivin ernannt und im Juli heiratete sie den Ingenieur Jean Belperron, mit dem sie in das Künstlerviertel Montmartre zog.
Mein Stil ist meine Signatur.
1932 beschloss Suzanne Belperron, das Haus Boivin zu verlassen, um sich gemeinsam mit dem Edelstein- und Perlenhändler Bernard Herz selbstständig zu machen. Schon bald gab sich in dem Geschäft in der Rue de Chateaudun eine noble Klientel die Klinke in die Hand, denn Suzanne Belperron war in der Pariser Modeszene gut vernetzt, sodass ihre Kreationen fortwährend in den führenden Modemagazinen zusammen mit den Kreationen der großen Modeschöpfer wie Elsa Schiaparelli oder Coco Chanel abgebildet wurden.

Der Zweite Weltkrieg und die Besetzung Frankreichs durch das nationalsozialistische Deutschland bedeutete einen tragischen Einschnitt für das Unternehmen Belperron-Herz, der mit der Ermordung des jüdischen Bernard Herz in Auschwitz endete. Suzanne Belperrons Bemühungen, ihn zu befreien, waren erfolglos geblieben. Herz hatte Belperron zuvor die alleinige Geschäftsleitung übertragen. Nach Ende des Krieges übernahmen Belperron und Bernard Herz’ Sohn Jean die Leitung zu gleichen Teilen.
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Mit der Nachkriegszeit kehrte der Glamour in das Haus Belperron-Herz zurück, das seinen internationalen Ruf weiter ausbauen konnte. Zu den Kunden gehörten die Rothschilds genauso wie das persische Herrscherhaus, aber auch Sängerin Joséphine Baker, Schriftstellerin Colette, zahlreiche Stars aus Hollywood und eben auch die Duchess of Windsor.
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Ihre einzigartigen Kreationen zu signieren, hielt Belperron für unnötig. „Mein Stil ist meine Signatur“ pflegte sie zu sagen. Doch das macht es heute teilweise so schwierig, ihren Namen einem Stück in ihrem Stil eindeutig zuschrieben zu können. Und es führte dazu, dass der Name Suzanne Belperron nach ihrem Unfalltod am 28. März 1983 weitestgehend in Vergessenheit geriet.

Viel Licht ins Dunkel brachte dann 2007 die Entdeckung des Archivs von Suzanne Belperron, das Entwurfskizzen und Auftragsbücher von 1937 bis 1974, dem Jahr, in dem sich Belperron aus dem Geschäft zurückgezogen hatte, enthielt.
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Heute erzielen die Schmuckstücke von Suzanne Belperron Auktionsergebnisse im sechsstelligen Bereich und sorgen so dafür, dass der Name und die Kreativität ihrer Schöpferin nicht noch einmal in Vergessenheit geraten werden. Der aktuelle Rekordpreis liegt bei 852.500 US-Dollar (752.758 Euro, inkl. Gebühren), der im Dezember 2018 bei Christie's in New York mit dem zeitlosen Armband Tube erzielt wurde. Das Armband hatte Suzanne Belperron um 1948 kreiert, um den Neubeginn des Unternehmens Herz-Belperron zu symbolisieren.










