Straße in Delft ist neben Ansicht von Delft eine von nur zwei Stadtansichten im Œuvre des niederländischen Barockmalers Jan Vermeer. Gemalt um 1658/59, zeigt das 54,3 x 44 cm messende Ölgemälde, das seit über 100 Jahren Teil der Sammlung des Rijksmuseum in Amsterdam ist, einen scheinbar recht willkürlich gewählten Ausschnitt einer Straße und ihrer Bebauung, wobei der Fokus auf einem repräsentativen, wenn auch bereits ein wenig verwitterten Backsteingebäude mit Stufengiebel liegt. Belebt wird die Szene von vier Personen: einer Magd, die im Hof neben dem Haus arbeitet, zwei spielenden Kindern neben der geöffneten Eingangstür sowie einer weiteren weiblichen Person, die, mit einer Handarbeit beschäftigt, in besagter Eingangstür sitzt.
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Im Vorfeld der großen Vermeer-Ausstellung, die 2023 im Rijksmuseum Amsterdam stattfand und 28 der 37 bekannten Gemälde Vermeers versammelte, wurde Straße in Delft genauer unter die Lupe genommen. Dabei stellte sich heraus, dass Vermeer die Eingangstür ursprünglich geschlossen gemalt und die dort sitzende Person gespiegelt an der Tür zum Hinterhof platziert hatte. Dies ergänzt frühere Entdeckungen, wonach auch die spielenden Kinder und der rote Fensterladen zunächst nicht geplant gewesen waren und erst später von Vermeer ergänzt wurden.
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Die neuen Forschungsergebnisse zu Straße in Delft und weiteren Gemälden Vermeers, an denen Forschende vom Rijksmuseum und weiteren Institutionen beteiligt waren, wurden in dem Band Closer to Vermeer veröffentlicht, der auf über 400 Seiten interessante und detailreiche Einblicke zu den Werken des Meisters gewährt.
Dazu Pieter Roelofs, Leiter der Bildenden Künste im Rijksmuseum: „Indem Vermeer die Tür buchstäblich öffnet, macht er die Szene für den Betrachter zugänglich. Diese und viele weitere Neuentdeckungen im Buch Zeichnen das Bild eines engagierten Künstlers, der ständig nach der Perfektion seiner Gemälde strebte.“
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Weitere Entdeckungen, die das Buch behandelt, betreffen unter anderem Vermeers Werke Der Soldat und das lachende Mädchen (1658, Frick Collection, New York), Diana mit ihren Gefährtinnen (1655/56, Mauritshuis, Den Haag) sowie Allegorie des katholischen Glaubens (1671-74, Metropolitan Museum of Art, New York). Auch Untersuchungen zu den von Vermeer verwendeten Farbpigmenten und neu entdeckte Dokumente werden vorgestellt.
Jan Vermeer zählt zu den faszinierendsten Malern der Kunstgeschichte, dessen Œuvre noch viele weitere Geheimnisse birgt, die nur darauf warten, gelüftet zu werden.




