Ein Teller mit Mandelgebäck ist nicht nur ein köstlicher Imbiss, sondern auch der Mittelpunkt eines Stilllebens, das am 16. August bei Vichy Enchères unter den Hammer kam und bereits im Vorfeld der Auktion für Aufsehen gesorgt hatte.
Der Kunstgeschichte bislang unbekannt, wurde Nature morte aux financiers zu Beginn des Jahres zufällig in einer Privatsammlung entdeckt und als ein Werk des französischen Barockmalers Lubin Baugin (1610-1663) identifiziert. Damit gesellt es sich zu den vier weiteren bekannten Stillleben von der Hand Baudins, die allesamt in Museen aufbewahrt werden, zwei davon im Louvre.

Vergleichen lässt sich Nature morte aux financiers vor allem mit einem der Louvre-Stillleben, Le dessert de gaufrettes, das nicht nur einen ähnlichen Bildausschnitt und -aufbau aufweist, sondern auch denselben über den Tischrand hinausragenden Zinnteller und ein Prunkglas im niederländischen Stil beinhaltet.
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Ein weiteres Werk, Nature morte à la chandelle, das Teil der Sammlung der Galleria Spada in Rom ist, liefert mit seiner gut sichtbaren Datierung auf das Jahr 1630 den Anhaltspunkt für die Entstehung sämtlicher Stillleben im Œuvre Baugins, nämlich die frühe Schaffensphase des damals etwa zwanzigjährigen Künstlers, der sich nach seiner ersten Ausbildung in der Provinz in Paris niedergelassen hatte und dort zum Meister wurde, jedoch ohne das Recht, größere Gemälde ausführen zu dürfen. Daher nahm er kleine Aufträge des Bürgertums an, denen sich die Stillleben, die allesamt signiert sind, klar zuordnen lassen.
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Um sich fortzubilden, reiste Baugin 1632 nach Rom, wo er in den folgenden neun Jahren die dortigen Meister, allen voran Guido Reni, studierte. Dies brachte ihm nach seiner Rückkehr nach Frankreich die Anerkennung als Historienmaler und damit Aufträge für jene Altarbilder und andere großformatigen Werke religiösen Inhalts ein, die seine Reifephase ausmachen.
Anders als in den Niederlanden spielte die die Stilllebenmalerei im Frankreich des 17. Jahrhunderts, wo die Historienmalerei dominierte, eine eher untergeordnete Rolle, was der Mangel entsprechender Werke in öffentlichen Sammlungen widerspiegelt. Daher ist die Wieder- oder auch Neuentdeckung eines französischen Stilllebens jener Epoche ein bedeutsames Ereignis, und das nicht nur für das Œuvre des jeweiligen Künstlers, sondern für die kunsthistorische Forschung insgesamt.
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Die Bedeutung von Nature morte aux financiers wurde auch durch den vorab der Auktion festgelegten Schätzpreis in Höhe von 200.000-300.000 Euro deutlich, der damit im Bereich des bisherigen Auktionsrekords Lubin Baugins lag (296.240 Euro, die 2016 bei Sotheby’s New York mit Olinde et Sophronie sur le bûcher erzielt worden waren). Nature morte aux financiers stellte das damalige Ergebnis jedoch in den Schatten, als es seine untere Schätzung mit den erzielten 440.000 Euro (550.000 Euro inkl. Aufgeld) mehr als verdoppelte.
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