Jean-François Millet kam am 4. Oktober 1814 als Sohn wohlhabender Bauern in der Normandie zur Welt. Er erhielt Unterricht in Cherbourg und studierte an der École des Beaux-Arts in Paris. Zunächst konzentrierte er sich auf die Porträt- und Historienmalerei, 1840 war er erstmals im Salon vertreten. Im Jahr darauf heiratete er Pauline-Virginie Ono, die jedoch bereits nach zweieinhalb Ehejahren an Tuberkulose starb. 1845 ging er eine neue Beziehung mit Catherine Lemaire ein, mit der er neun Kinder hatte, die er jedoch erst 1853 standesamtlich heiratete. Die kirchliche Trauung fand sogar erst 1875 statt – fünfzehn Tage vor Millets Tod am 20. Januar 1875.
Hier sind fünf Dinge über Jean-François Millet, die man wissen sollte.
Er stellte die bäuerliche Arbeit in den Mittelpunkt
1848 war das entscheidende Jahr in Millets Karriere. Er war mit zwei Gemälden beim Pariser Salon vertreten, die unterschiedlicher nicht sein konnten: Zum einen das große Historiengemälde Die Gefangenschaft der Juden in Babylon, zum anderen Der Kornschwinger. Alle seine Hoffnungen hatte er in die biblische Szene gesetzt, doch die Begeisterung blieb aus (dazu später mehr). Es war Der Kornschwinger, das die Aufmerksamkeit auf sich zog.

Wirkt es aus heutiger Sicht vielleicht auch etwas unscheinbar, war es 1848 absolut revolutionär. Erstmals wurde die bäuerliche Arbeit in den Mittelpunkt eines Gemäldes gerückt und war nicht bloß Teil einer verklärenden Genreszene. Revolutionär ist an dieser Stelle ein gutes Stichwort, denn im Februar 1848, also einen Monat, bevor der Salon in jenem Jahr seine Pforten öffnete, hatte die Februarrevolution Bürgerkönig Louis-Philippe vom Thron gestoßen und Frankreich erneut zur Republik gemacht. Durch die politischen Umstände fand der Salon ohne die übliche strenge Jury statt, was die Ausstellung von Der Kornschwinger überhaupt erst möglich gemacht hatte. Das Gemälde, dessen erdige Töne und roher Farbauftrag vom Kritiker Théophile Gautier gelobt wurden, wurde schließlich vom Innenminister der Zweiten erworben. Millet selbst hatte mit seinem Gemälde allerdings keine politische Aussage treffen wollen. Für ihn widerspiegelte das bäuerliche Motiv lediglich das Umfeld wider, in dem er aufgewachsen war.
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Er erweiterte die Schule von Barbizon
Mitte der 1840er Jahre kam Millet in Kontakt mit den Malern der Schule von Barbizon, einer Künstlergemeinschaft Wald von Fontainebleau. Théodore Rousseau, einer der Gründer der Schule, wurde auf einige seiner Arbeiten aufmerksam, mit Charles Emile Jacque freundete er sich an. Die Künstler von Barbizon hatten sich der naturalistischen Landschaftsmalerei verschrieben, bei der der Mensch eine untergeordnete Rolle spielte. Jean-François Millet zog 1849 nach Barbizon, nachdem er mit Der Kornschwinger der Öffentlichkeit erstmals ein Werk vorgestellt hatte, das die bäuerliche Arbeit monumental in den Mittelpunkt eines Gemäldes rückte. Für Millet waren Landschaft und die Arbeit der Bauern, die er respekt- und würdevoll darstellte, untrennbar miteinander verbunden, wodurch das Bildprogramm der Schule von Barbizon eine wichtige Erweiterung erhielt – auch wenn keiner seiner dortigen Kollegen eine derartige Monumentalität ins eigene Œuvre übernahm.
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Er beeinflusste viele nachfolgende Künstler
Der Einfluss Jean-François Millets wird eher bei nachfolgenden Künstlergenerationen deutlich, die sich von seinen Bauernbildern genauso inspirieren ließen wie von Gustave Courbets realistischen Darstellungen der arbeiteten Klasse. Zu nennen sind hier etwa die beiden naturalistischen Maler Jules Bastien-Lepage und Jules Breton. Auch die Impressionisten und Post-Impressionisten fanden bei ihm Inspiration: Künstler wie Pissarro, Degas, Seurat und Gauguin begeisterten sich für Millets Vereinfachung der Formen, seine starken Konturen und ungewöhnliche Bildausschnitte sowie die Konzentration auf wenige große Formen. Monet und Renoir hingegen waren von Millets Spätwerk Der Frühling fasziniert, eine Landschaft, die einen spontanen Lichteinfall festhielt. Berühmt sind auch die Werke, die Vincent van Gogh nach Millet schuf. Der Sämann hatte es ihm besonders angetan und er kopierte ihn mehr als einmal – in dem ihm eigenen Stil.
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Millets Einfluss reichte sogar bis Salvador Dalí, auf den Das Angelusläuten von 1859 nachhaltigen Eindruck machte. Dalí hielt das Werk für rätselhaft und beunruhigend und war davon überzeugt, dass es eine zweite Bedeutungsebene hatte, mit einer Botschaft zu Tod, Angst und Sexualität. Das Gemälde wurde zur Basis von Dalís „paranoisch-kritischer Methode“ und von zwei Gemälden, die er in den 1930er Jahren malte: Architektonisches Angelus von Millet (1933) und Archäologische Reminiszenz von Millets Angelus (1933-35).
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Er übermalte ein ungeliebtes Gemälde
Dass Maler ein älteres Werk übermalten, kam nicht selten vor. Häufig war Geldmangel der Grund dafür, denn das allseits bekannte Bild des „armen Künstlers“ kommt nicht von ungefähr. Doch auch Leinwände, die frühen Werken als Bildträger dienten, wurden gern ein zweites Mal verwendet, wenn sich das darauf befindliche Gemälde von seinem Schöpfer als nicht wertvoll genug – oder vielleicht sogar peinlich – eingestuft wurde.
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In Jean-François Millets Œuvre gibt es ein Gemälde, das lange Zeit als verschollen, wenn nicht sogar als zerstört, galt. Wie wir schon wissen, hatte er 1848 mit viel Einsatz die biblische Szene Die Gefangenschaft der Juden in Babylon gemalt, die er in jenem Jahr im Pariser Salon ausstellte. Das Werk kam nicht gut an und fand keinen Käufer. Anschließend verlor sich seine Spur, die erst 1984 wieder aufgenommen werden konnte, als die Forscher des Museum of Fine Art in Boston Millets Gemälde Junge Schafhirtin genauer unter die Lupe nahmen und mithilfe einer Röntgenuntersuchung feststellten, dass die Leinwand mit dem verloren geglaubten Historiengemälde dafür wiederverwendet worden war. Millet hatte Junge Schafhirtin Anfang der 1870er Jahre gemalt, als er während des Deutsch-Französischen Kriegs in seine normannische Heimat zurückgekehrt war. Malermaterial war damals schwer zu bekommen, weshalb sich Millet dazu entschloss, ein Gemälde zu übermalen, dass ihm mehr als zwanzig Jahre zuvor kein Glück gebracht hatte.
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Er war nicht der einzige Maler mit diesem Namen
Wer durch die Säle von Museen wie die National Gallery in London, die Kunsthalle Bremen, das Musée Carnavalet in Paris oder das Musée de Grenoble streift, wird dort auf Werke von Millet stoßen – doch nicht etwa in der Abteilung mit Gemälden des 19. Jahrhunderts, sondern bei den Alten Meistern. Tatsächlich hatte Jean-François Millet einen Vorgänger gleichen Namens, der allerdings ohne Bindestrich geschrieben wird. Jean François Millet (1666-1723) war ein französischer Maler des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts, der klassische Landschaften und Historienbilder schuf. Er war der Sohn eines aus Flandern eingewanderten Malers mit selbigem Schwerpunkt und selbigem Namen. Jean François Millet der Ältere (1672-1679) ist jedoch meist mit dem Vornamen Francisque aufgeführt. Jean François Millet der Jüngere hatte wiederum einen Sohn namens Joseph-François Millet (1697-1777), der die Malertradition seines Vaters und seines Großvaters fortsetzte. Ein verwandtschaftliches Verhältnis zwischen den „klassischen“ Millets und dem „realistischen“ Millet konnte bislang nicht festgestellt werden.
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