Die koreanische Malerei umfasst eine breite Palette von Stilen. Antike Wandgemälde in den Gräbern des Königreichs Koguryo, buddhistische Standarten und Tuschebilder von Gelehrten zählen gleichermaßen dazu. Die heutige koreanische Malerei umfasst Künstler in Nord- und Südkorea sowie all jene der koreanischen Diaspora, die über die ganze Welt verstreut leben. Die heutige Kenntnis über die koreanische Malerei reicht bis ins 3. Jahrhundert zurück, auch wenn die Namen der damaligen Künstler nicht überliefert sind. Daher wollen wir an dieser Stellte mit dem Korea der Joseon-Periode beginnen und uns dann durch 700 Jahre der koreanischen Kunst bis in die heutige Zeit bewegen.
Shin Saimdang und die Erste Joseon-Periode (15.-17. Jahrhundert)

Die Joseon-Periode umfasst 500 Jahre (1392-1910) und ist wiederum in zwei unterschiedliche Perioden aufgeteilt. Viele Künstler der ersten Periode sind bekannt, doch sticht die Künstlerin Shin Saimdang (1504-1551) als besonders bedeutende Persönlichkeit des 16. Jahrhunderts hervor. Während es im Westen schwierig war, sich als Frau in einem Künstlerberuf zu behaupten, gelang es Shin Saimdang, sich neben ihren männlichen Kollegen zu etablieren.
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Saimdang war eine gebildete Künstlerin, was von professionellen Künstlern zu unterscheiden ist. Die Werke der Gebildeten, sind, gemäß der chinesischen Tradition, nicht kommerzialisiert und gelten daher oftmals als feiner und angesehener. Als Poetin, Malerin und Kalligraphin wird Saimdang als Paradebeispiel für die konfuzianischen Ideale betrachtet und daher auch "die weise Mutter" genannt. Ihr Vater arbeitete für die Regierung in Seoul, während sie von ihrem Großvater aufgezogen wurde. Im Alter von 19 Jahren heiratete sie den Kommandanten Yi Won-su, mit dem sie acht Kinder bekam, darunter auch Yi I, der als einer der größten konfuzianischen Gelehrten Koreas gilt.
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Saimdang ist bekannt für die Zartheit ihrer Kunst und die Art und Weise wie sie die Schönheit der Natur mit Insekten, Blumen, Schmetterlingen und Landschaften im Allgemeinen darstellte. Auch ist sie die Schöpferin des Chochungdo, einem Motiv, das Insekten und Pflanzen beinhaltet.
Jeong Seon und die Zweite Joseon-Periode (17.-18. Jahrhundert)

Über das persönliche Leben von Jeong Seon (auch bekannt als Gyeomjae) weiß man nicht viel, doch seine Werke sind auf der ganzen Welt bekannt. Der Maler soll 1676 geboren und 1759 gestorben sein, doch selbst diese Angaben sind nicht sicher.
Berühmtheit erlangte er im Alter von etwa 37 Jahren dank seines Albums mit Ansichten des Berges Geumgang ("Diamantberg"). Geumgangsan zählt zu den bekanntesten Bergen im heutigen Nordkorea und war eines des Lieblingsmotive Jeongs, der es mindestens einhundertmal malte. Dank ihm und den Künstlern, die er inspirierte, war es möglich, die Region zu kartografieren.
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Vor Jeong Seon wurden die meisten koreanischen Landschaftsmaler noch immer von der chinesischen Tradition inspiriert. Jeong wollte sich jedoch auf die Kultur seiner Heimat konzentrieren und entwickelte einen eigenen Stil, der ihn zum Meister der jingyeong sansu ("naturgetreue Landschaften") machte. Die Ansichten des Berges Geumgang entstanden vor Ort, sodass es heißt, Jeong habe die Freilichtmalerei fast 200 Jahre vor den Europäern erfunden. Voller Stolz auf ihr Heimatland wurden koreanische Künstler zunehmend von der Kunstwelt wahrgenommen, was den beginn des goldenen Zeitalters der koreanischen Malerei markierte.
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Der zweite Teil der Joseon-Periode war wiederum in zwei Abschnitte unterteilt, da das 19. Jahrhundert von einer Phase des Umbruchs gekennzeichnet war, die bis zum Kaiserreich Korea (1897-1910) andauerte. Während dieses zweiten Teils der Joseon-Periode konzentrierten sich die Maler mehr auf Minhwa ("Volksmalerei"), also einer Art der Volkskunst, die sich von der höfischen Kunst unterschied. Professionelle Minhwa-Maler reagierten auf eine Vielzahl von Anforderungen (z. B. Illusionismus und stilisierte Formen), was die Minhwa-Malerei zu einer wahrhaft dekorativen Kunstform macht, von der viele Leinwandgemälde die Zeiten bis heute überdauert haben.

Ko Hui-dong und die japanische Okkupation (1880-1945)
Vom späten 19. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts erlebte Korea eine schwierige Phase, die vor allem mit der Okkupation durch das Kaiserreich Japan im Jahr 1910 begann. Diese Zeit war geprägt vom japanischen Versuch, traditionelle Werke zu zerstören, aber auch von einem starken westlichen Einfluss.
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Go Hui-dong (1886 -1965) war einer der ersten koreanischen Künstler, der die traditionelle koreanische Kunst mit westlichen Techniken ergänzte. Geboren in eine wohlhabende Familie, war sein Vater einer der ersten Englischübersetzer. Er besuchte die französische Hanseong-Schule und studierte traditionelle Malerei. 1908 war er der erste koreanische Student, der nach Japan ging, um westliche Kunst und Ölmalerei zu erlernen. Diese Technik war in der koreanischen Kunst noch nicht akzeptiert, doch Go Hui-dong ließ die Öltechnik nach und nach in seine traditionellen Werke einfließen, vor allem für die Darstellung von Schatten und beim Spiel mit dem Licht.
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1911 gründete eine Gruppe koreanischer Maler und Kalligrafen das Institut für Kalligrafie und schöne Künste (sohwa misulhoe kangsupso), die die erste Kunstschule in Korea war. Go Hui-dong wurde ein Teil davon und brachte all seine neuen Techniken und Ideen mit ein. Er wurde zudem Mitglied mehrerer Künstlergruppen und lehrte, neben anderen Fächern, auch die Ölmalerei.
Es war eine revolutionäre Zeit in Korea, und von da an modernisierten viele Künstler ihre Gemälde in einem westlichen Stil, allerdings unter Beibehaltung traditioneller Methoden (beispielsweise die Seidenmalerei).
Nam June Paik und die zeitgenössische Periode

Nam June Paik (1932-2006) war ein amerikanisch-koreanischer Künstler. Er wurde in Seoul als Sohn einer wohlhabenden Familie geboren und studierte zunächst Musik. Während des Koreakriegs zog seine Familie nach Japan und Nam June Paik teilte seine Zeit zwischen Japan und Westdeutschland auf, wo er Mitglied der Fluxus-Bewegung wurde und sich mit dem Komponisten und Künstler John Cage anfreundete. 1964 zog er nach New York und begann, zusammen mit der Cellistin Charlotte Moorman an Performances zu arbeiten. Kurz darauf begann er, Fernseher und Videorekorder in seine Arbeiten zu integrieren, was ihm eine steigende Aufmerksamkeit einbrachte.
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Dank der tragbaren Sony Portapak-Kamera, die er 1967 gekauft hatte, war es Paik möglich, sich umherzubewegen und dabei Dinge aufzunehmen, da es sich bei dem Gerät um den ersten tragbaren Video- und Audiorekorder handelte. Von da an wurde Paik ein internationaler Star, bekannt für seine kreative und unterhaltsame Arbeit. Gemeinsam schufen Paik und Moorman kontroverse Werke und Performances, darunter 1967 Opera Sextronique, während der Moorman verhaftet wurde, weil sie oben ohne aufgetreten war.

Nam June Paik spielte eine führende Rolle bei der Überbrückung der Lücke zwischen Kunst und Technologie und hat immer wieder unter Beweis gestellt, wie innovativ er war, indem er sich in verschiedenen Formen der Kunst probierte, von Bildhauerei zu Performance, Musik und Live-Übertragungen.
1984 kehrte Paik nach Korea, das er fast 35 Jahre zuvor verlassen hatte, zurück. In den kommenden zehn Jahren spielte er ein bedeutende Rolle in der koreanischen Kunstszene, indem er dabei half, sie für den Rest der Welt zu öffnen und umgekehrt.
Min Jung-Yeon und das Heute
Min Jung-Yeon ist eine 1979 in Südkorea geborene zeitgenössische Künstlerin. Sie studierte Visuelle Kunst an der Hongik Universität in Seoul und machte 2003 ihren Abschluss. 2006 zog sie nach Paris, um ihr Studium an der Académie des Beaux-Arts fortzusetzen. Die Künstlerin ist bekannt für ihre fantastischen Landschaften, die Form, Raum, Perspektive und Maßstab infrage stellen.
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Min Jung-Yeon schient von der Welt des Hieronymus Bosch inspiriert zu sein, während die gleichzeitig modernere Formen, die gleichzeitig sanft und energiegeladen sind, heraufbeschwört. Interessant zu bemerken ist hierbei der konstante Austausch zwischen der realen und der virtuellen Welt, wovon sich die Künstlerin stark inspirieren lässt. Tatsächlich lässt sich eine Art Parallele zu jenen Kunstwerken erkennen, die heute von Künstlichen Intelligenzen geschaffen werden. Wir sehen Landschaften, die vor unserem Auge Gestalt annehmen: eine Eruption, ein Berg in der Ferne und Sturm auf hoher See...



