Wie jedes andere Land hat auch jene Region, die heute als Deutschland bekannt ist, Künstler hervorgebracht, die sich von all ihren Kollegen abhoben und deren berühmtesten Werke über einen hohen Wiedererkennungswert verfügen und weithin bekannt sind.
Albrecht Dürer, Selbstbildnis

„Ach ja, der Jesus“ kommt einem bisweilen als erstes in den Sinn, wenn man dieses Herrenporträts ansichtig wird. Statt des Heilands hat Renaissancemaler Albrecht Dürer (1471-1528) hier jedoch sich selbst dargestellt – und das auf vollkommen unübliche Weise, die tatsächlich mit Christus zu tun hat. Denn die Pose, die der Nürnberger Maler einnimmt, war zu damaliger Zeit Bildnissen von Königen und eben Jesus Christus vorbehalten. Dürer mangelte es jedoch nicht an Selbstvertrauen und betrachtete sich als Divino artista, also als „göttlichen Künstler“, der von Gott mit einer schöpferischen Kraft ausgestattet worden war. Ein wichtiges Detail ist auch Dürers Kleidung. Ein solcher pelzbesetzter Umhang war nämlich nur den städtischen Eliten, insbesondere Ratsmitgliedern, vorbehalten. Dürer erreichte diese Position im Jahr 1509, weshalb es sich bei der Datierung auf das Jahr 1500, die im Gemälde zu sehen ist, vermutlich um eine spätere Fälschung handelt.
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Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Goethe in der Campagna

Die hessische Künstlerfamilie Tischbein hatte so viele Maler hervorgebracht, dass man diese, so wie auch die Brueghels, mit Spitznamen ausstatten musste, um sie auseinanderhalten zu können. In der Regel wurden sie nach ihren Hauptwirkungsstätten benannt („Kasseler Tischbein“, „Lübecker Tischbein“, „Leipziger Tischbein“, Hanauer Tischbein“). Einer erhielt seinen Beinamen von der Nachwelt jedoch aufgrund seines berühmtesten Gemäldes: Zu Beginn des Jahres 1787 malte Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829) Johann Wolfgang von Goethe, der gerade durch Italien reiste. In Rom waren Dichter und Maler aufeinander getroffen und hatten sich angefreundet. Anschließend begleitete Tischbein den sonst meist allein reisenden Dichter bis Neapel. Das klassizistische Porträt zeigt den Dichter in Lebensgröße vor der von Ruinen bevölkerten Landschaft der Campagna. Als auffälligstes Kleidungsstück fällt Goethes heller „Reisemantel“ ins Auge. 1982 griff Andy Warhol den „behüteten“ Kopf Goethes aus dem Bildnis für einen seiner berühmten Siebdrucke auf.
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Carl Spitzweg, Der arme Poet

Anders als Dichterfürst Goethe fristet der arme Poet in Carl Spitzwegs (1808-1885) berühmtesten Gemälde ein weniger ruhmvolles Dasein. Statt sich den Luxus einer Italienreise gönnen zu können, muss dieser Dichter die kalten Wintertage in seiner ärmlichen Dachstube verbringen. Da er kein Heizmaterial hat, außer seine eigenen, offenbar wenig erfolgreichen Werke, bleibt der Ofen kalt, sodass er sich samt Mantel und Nachthaube in seine provisorische Bettstatt verkriechen muss. Als Schutz vor der Feuchtigkeit hat er einen demolierten Schirm darüber gespannt. Der arme Poet von 1839 war das erste Meisterwerk von Spitzweg, der die Schrullen seiner biedermeierlichen Zeitgenossen stets mit feinfühligem Humor darstellte. Bei seiner Vorstellung im Münchener Kunstverein erntete Der arme Poet, dass heute Spitzwegs berühmtestes und beliebtestes Werk ist, jedoch so schlechte Kritiken, dass der Maler seine Arbeiten künftig nur noch mit einen Monogramm signierte.
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Caspar David Friedrich, Der Wanderer über dem Nebelmeer

Eine Ikone der romantischen Malerei und eines der berühmtesten deutschen Gemälde überhaupt ist Caspar David Friedrichs (1774-1840) Der Wanderer über dem Nebelmeer von 1818. Hier vereinte der selbst unter melancholischen Attacken leidende Maler mit Landschaftsdarstellung, Religiosität, Jenseitsdenken und Einsamkeit die großen künstlerischen Themen der damaligen Epoche. Das Gemälde erscheint wie die Visualisierung des deutschen Wesens und der während der Romantik geprägten Begriffe „Wanderlust“ und „Weltschmerz“, die so prägnant waren, dass sie Eingang in viele andere Sprachen gefunden haben. Friedrichs Werk hat aber auch eine politische Komponente, vor allem repräsentiert durch den von ihm so prominent in Rückansicht platzierten Wanderer. Dieser ist in eine Altdeutsche Tracht gehüllt, eine Mode, die während der Befreiungskriege als Gegenentwurf zur französischen Empiremode aufgekommen war. Davon ausgehend, kann das Nebelmeer, das sich zu Füßen des Wanderers bis in die Ferne erstreckt, als die noch im Unklaren liegende Zukunft Deutschlands betrachtet werden.
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Franz Xaver Winterhalter, Elisabeth von Österreich

Der im Schwarzwald geborene Franz Xaver Winterhalter (1805-1873) hat sie alle gemalt: die gekrönten Häupter Europas. Von den künstlerischen Entwicklungen des Realismus und des Impressionismus völlig unberührt, war er ein Vertreter der Salonmalerei, der die Kunst beherrschte, die Porträtierten im bestmöglichen Licht darzustellen – eine Fähigkeit, die ungemein zu seiner Beliebtheit beitrug. Für die hochstehende Dame, die für Winterhalters berühmtestes Porträt Modell stand, waren irgendwelche Verschönerungen jedoch gar nicht nötig. Kaiserin Elisabeth von Österreich galt nämlich nicht nur als die schönste Monarchin Europas, sondern auch als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit – ein Image, das Elisabeth pflegte, indem sie sich ab den 1870er Jahren nicht mehr fotografieren ließ und ein aufwändiges Schönheitsprogramm betrieb. Winterhalters Porträt entstand im Jahr 1865 und zeigt die Kaiserin in einem Kleid von Charles Frederick Worth und mit jenen Diamantsternen im Haar, die sie von ihrem Gemahl, Kaiser Franz Joseph I., geschenkt bekommen hatte. Parallel zu diesem offiziellen Bildnis entstanden noch zwei weitere, intime Porträts, die Elisabeth in lockerer Kleidung und mit offenen Haaren zeigen und die nur für die Augen des Kaisers bestimmt waren.
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Franz Marc, Blaues Pferd I

Der Münchener Maler Franz Marc (1880-1916) ist vor allem für seine Tiermotive bekannt, für die er die zeitgenössischen Strömungen wie Kubismus und Fauvismus aufgriff. Tiere waren für ihn der Inbegriff der Unschuld der Natur und der Harmonie der Schöpfung. Vor allem Pferde hatten es ihm angetan. Zeitgleich mit der Hinwendung zu Tiermotiven begann Marc sich mit der Farbgebung seiner Werke auseinanderzusetzen. Er wollte Farben nicht mehr nur als vorgegebenes Element einsetzen, sondern als Metapher. Blau stand in seiner Farblehre für das „herbe und geistige“ männliche Prinzip. Ein Großteil von Marcs Pferdebildern zeigen die edlen Rösser in Blau, so auch bei dem berühmten Werk Blaues Pferd I von 1911, das Marc noch im Entstehungsjahr bei der ersten Ausstellung der von ihm und Wassily Kandinsky gegründeten Redaktionsgemeinschaft Der Blaue Reiter zeigte. Wie so viele Werke der avantgardistischen Künstler jener Zeit, wurde auch Franz Marcs blaues Pferdchen von der breiten Öffentlichkeit und den Kritikern negativ beurteilt. Heute ist es eines der meist reproduzierten Kunstwerke überhaupt.
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