Fächer gehören eindeutig zu den kleineren Gebieten, auf denen sich ein Sammler bewegen kann. Das ist zum einen daran zu erkennen, dass Fächer in eher geringem Ausmaß auf dem Auktionsmarkt gehandelt werden, und zum anderen, dass es gerade einmal drei speziell Fächern gewidmete Museen auf der Welt gibt.
Der Fächer an sich ist in Europa bereits seit der Antike bekannt. Zunächst fällt einem hier wohl eine Szenerie im Reich am Nil ein, in der ein Sklave dem Pharao mit einem langstieligen Fächer dezent Luft zuwedelt. Entsprechende Fächer wurden in den 1920er Jahren im Grab des Tutanchamun entdeckt. Auch vornehme Griechinnen und Römerinnen nahmen einen solchen Service gern in Anspruch, nahmen die Dinge bisweilen mit kleineren Modellen aber auch einfach selbst in die Hand.
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Am Ende der Antike kam der langstielige Fächer in Europa aus der Mode. Erst die christliche Kirche entdeckte ihn wieder und setzte ihn bei liturgischen Zeremonien ein, einerseits zur Kühlung der Luft, zum anderen um schlicht und einfach die Fliegen von den Hostien zu vertreiben.
Erst im hohen und späten Mittelalter erreichte der Handfächer auch Europa wieder, indem er von Kreuzfahrern aus dem Orient mitgebracht wurde. Auch diese Fächer bestanden noch auch einem steifen Blatt, das sich nicht zusammenfalten ließ. Doch besaßen sie eindeutig das Zeug zum Statussymbol, wurden zu ihrer Herstellung doch teure und exotische Materialien wie Pfauen- oder Straußenfedern verwendet.
Auch in der fernöstlichen Heimat des Faltfächers war dieser ein Statussymbol. So war es im kaiserlichen China nur dem Kaiser selbst, den Mitgliedern seiner Familie und den höchsten Würdenträgern gestattet, sich mithilfe eines solchen Fächers zu erfrischen.

Nach Europa gelangte der Faltfächer, als zunächst die Portugiesen im frühen 16. Jahrhundert ihren Seehandel immer weiter auszubauen und dabei auch bis China kamen. Die Bäuche ihrer Schiffe waren auf dem Rückweg nicht nur mit Seide, Jade und Gewürzen gefüllt, auch der eine oder andere Fächer war dabei, der den starren Fächer zukünftig aus der obersten Gunst der Damenwelt vertreiben sollte, auch wenn er ihn nie völlig verdrängte.
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Auch die gefaltete Variante des Fächers blieb ein Statussymbol, das nur den wohlhabendsten Damen, sprich Adeligen, vorbehalten war. Im 18. Jahrhundert erlebte die Fächermode ihren Höhepunkt, mit Paris, der Modehauptstadt der Welt, als Zentrum. Die Produktion florierte. In und um Paris hatten sich rund 500 Fächerhersteller niedergelassen. Hinzu kam die von Hausfrauen, die sich etwas dazu verdienen wollten, ausgeführte Heimproduktion. Dabei handelte es sich meist um Stickarbeiten mit Perlen oder Pailletten oder auch das Klöppeln von Spitze.
Das Blatt des Fächers bot viel Platz, um ein schönes Motiv zu präsentieren. Zunächst bemalte man sie mit historischen Motiven oder Szenen aus der Mythologie, für die häufig Gemälde als Vorlage dienten. Im galanten Zeitalter des Rokoko kamen Schäferszenen hinzu oder auch die damals populären Chinoiserien, die an das Ursprungsland des Fächers erinnerten.
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Die Gestaltung eines Fächers konnte auf Kundenwunsch erfolgen, doch wurden auch zahlreiche fertige Fächer verkauft. Nach wie vor fanden nur die wertvollsten Materialien Verwendung: edle Hölzer, Elfenbein oder Schildpatt für die Stäbe, Seide, Pergament oder auch das damals noch sehr teure Papier für das Blatt. Auch die sogenannte „Schwanenhaut“ wurde gern gewählt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um die äußere Hülle eines anmutigen Schwimmvogels, sondern um das sehr feine Leder von neugeborenen Ziegen oder Lämmern. Zur weiteren Zier kamen Gold, Silber und Edelsteine zum Einsatz, letztere vor allem auf den äußeren Deckstäben.
Ob im galanten 18. Jahrhundert tatsächlich eine umfassende „Fächersprache“ erfunden wurde, mithilfe derer man mit dem anderen Geschlecht nonverbal kommunizieren konnte, ist nicht gänzlich nachzuweisen. Möglicherweise handelt es sich dabei um die Werbestrategie des Fächerhersteller Duvelleroy im sittenstrengen 19. Jahrhunderts, als man tatsächlich stark darauf achten musste, beim Flirten nicht erwischt zu werden.

Eine andere Art der Kommunikation mit Fächern, die sich im Laufe des 18. Jahrhunderts auf jeden Fall entwickelt hat, war jene, das Fächerblatt zu verwenden, um mit darauf abgebildeten Motiven politische oder gesellschaftliche Ereignisse aufzugreifen. Zudem war der Fächer allmählich nicht mehr nur ein Privileg des Adels. Das aufstrebende Bürgertum holte auf und betrat am Vorabend der Französischen Revolution die Bühne. Und einen kostbaren Fächer konnten sich die Gattinnen von Bankiers, Steuerpächtern und Heereslieferanten schon lange leisten.

Die Weiterentwicklung der Mode spielte bei der Fächerherstellung eine Rolle. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann die Damenwelt zum ersten Mal in der Geschichte, eine Art Handtasche am Handgelenk zu tragen, in der sie ihre wichtigsten Utensilien mit sich führen konnte. Der klassische Faltfächer, oder die Variante des „Cabrioletfächers“, bei dem das Blatt in zwei, bisweilen auch drei Teile aufgeteilt wurde, passte in diese kleinen runden Beutel nicht hinein. Aus dieser Not heraus wurde vermutlich der „Teleskopfächer“ erfunden, dessen Blatt auf den verkürzten Stäben bei Gebrauch nach oben geschoben werden konnte.
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Allgemein erlebte die Fächerproduktion nach der Französischen Revolution einen enormen Einbruch. Statussymbole wie diese waren nicht mehr gefragt und auch die leichte Damenmode der hemdartigen Empirekleider verlangte weniger Erfrischung als die schweren Seidenstoffe des Ancien Régime. Wenn überhaupt waren jetzt die sogenannten „Briséfächer“ gefragt, die ganz ohne Blatt auskamen und nur aus sich nach unten verjüngenden, aufwändig geschnitzten oder bemalten Stäben bestanden.
Zum Wiederaufleben der Fächermode kam es um 1830 durch den jungen und sehr engagierten Fächerhersteller Jean-François Duvelleroy in Paris, dessen Unternehmen auch heute noch existiert.
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Da Fächer nun durch die verbesserten und vielfältigeren Herstellungsmöglichkeiten, die die Industrielle Revolution mit sich gebracht hatte, quasi für jeden zu haben waren, mussten die Damen umso mehr darauf achten, dass ihre Fächer ihre Position in der Gesellschaft hervorhoben.
Eine Dame der oberen Gesellschaftsschicht wechselte ihr Outfit mehrmals am Tag und immer gehörte ein passender Fächer mit zu dem entsprechenden Ensemble, mit dem man spazieren ging, Besuche machte oder sich auf einem Ball amüsierte. Tatsächlich gab es Unterschiede zwischen einem Morgen-, Nachmittags- und Abendfächer. Die Sammlung einer Dame aus höchsten Kreisen konnte dann auch gerne 300 bis 400 Fächer umfassen.
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Mit diesem Wissen im Hinterkopf mag man sich das Naserümpfen des Wiener Adels vorstellen können, als sich herausstellte, dass die Aussteuer der zukünftigen Kaiserin Elisabeth, die nur aus einer Nebenlinie des bayrischen Königshauses entstammte, im Jahr 1854 lediglich zwei Fächer beinhaltete. Später hatte die scheue Kaiserin diesen Makel eindeutig aufgeholt und verließ niemals ohne Fächer ihre Räume, um ihr Gesicht sofort vor jedem Fremden, der ihr begegnete, verbergen zu können.
Die Bedeutung der Fächermode wurde auch durch die Tradition der „Hochzeitsfächer“ hervorgehoben. Diese wurden am Tag der Hochzeit stets von der Mutter an die Tochter weitergegeben und waren meist mit entsprechenden Motiven verziert, wie historische oder mythologische Vermählungen oder ihr Elternhaus verlassene Töchter.
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Als der Jugendstil Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Formensprache hervorbrachte, hatte wohl noch niemand damit gerechnet, dass die Fächermode nur wenige Jahrzehnte später endgültig dem Untergang geweiht war. Wieder betrat Hersteller Duvelleroy das Parkett und erfand den Ballonfächer, der seinen Namen seiner Form im aufgefalteten Zustand verdankt.

Doch so bezaubernd diese letzte große Fächermode auch war, in den 1920er Jahren hatten die einst unentbehrlichen Accessoires ausgedient. Zum einen lag das ein weiteres Mal an den Veränderungen in der Mode, die von langen Kleidern und steifen Korsetts, die ihren Trägerinnen die Atemluft raubten, nichts mehr wissen wollte. Zum anderen musste der Fächer Platz für ein neues Accessoire machen, das als ungemein chic galt: die Zigarette.
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Nachdem sich die Allgegenwart des Fächers in der westlichen Hemisphäre sozusagen in Rauch aufgelöst hatte, blieb er der Nachwelt vor allem durch Kostümfilme und Flamenco-Tänzerinnen in Erinnerung. Doch etablierte sich auch eine engagierte Sammlergemeinde, die heute durch Interessengemeinschaften wie den Fan Circle International (FCI) global vernetzt ist und sich in jüngerer Zeit über ein wachsendes Interesse aus Asien freuen darf, wo der Fächer auch heute noch im Alltag weit verbreitet ist.
Eine solche Gruppe sowie Museen, die historische Kleidung im Allgemeinen oder sogar ausschließlich Fächern ausstellen, sind die besten Anlaufstellen, wenn Sie mit dem Sammeln von Fächern beginnen möchten oder auch, wenn Sie bereits einen Fächer besitzen und diesen gerne von einem Experten genauer unter die Lupe nehmen lassen möchten, um etwas über sein Alter, seine Herkunft oder auch seinen Wert zu erfahren.
Auch einen Online-Schätzungsservice oder Experten von Auktionshäusern können Sie zurate ziehen. Fächer werden zwar oft nur vereinzelt, aber in allen Preisklassen versteigert. Informieren Sie sich (z. B. in unserer Datenbank mit erzielten Preisen), in welchen Auktionshäusern in der Vergangenheit des Öfteren Fächer unter den Hammer gekommen sind.
Was man beim Sammeln von Fächern auf jeden Fall bedenken muss, ist, dass es mit dem Kauf nicht getan ist. Auch hinterher ist ein gewisses Engagement vonnöten, um die historischen Stücke, die aus kostbaren und mitunter auch vergänglichen und empfindlichen Materialien bestehen, vor Feuchtigkeit, Sonnenlicht, Würmern und Motten zu schützen.
Wer seine Leidenschaft dem Sammeln von historischen Fächern widmen möchte, hat sich ein Gebiet ausgesucht, das nicht nur interessant, sondern auch ästhetisch sehr ansprechend ist. Die Mühe, nach diesen vielseitigen Schätzen Ausschau zu halten ist in jedem Fall lohnenswert, nicht zuletzt, um diese bezaubernden Zeugen der Vergangenheit zu erhalten und nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
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Sehr herzlich bedanken möchte ich mich in dieser Stelle bei Frau Maria Plet, Leiterin des Deutschen Fächermuseums in Bielefeld, durch deren Fachwissen viele interessante Details Eingang in diesen Artikel fanden. Das 1995 als Stiftung gegründete Museum, das die herausragende und mit viel Liebe und Sachverstand zusammengetragene Sammlung von Marie-Luise und Günter Barisch umfasst, ist eines von nur drei speziell dem Fächer gewidmeten Museen weltweit. Die beiden anderen Fächermuseen befinden sich in London sowie im kalifornischen Healdsburg. Das bereits 1893 gegründete Fächermuseum in Paris hatte seit einigen Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, sodass die permanente Schließung drohte. Wie im Frühjahr 2023 bekannt wurde, wird das Museum in Paris zwar tatsächlich geschlossen, doch die Sammlung bleibt der Öffentlichkeit erhalten und wird künftig im Musée de la Nacre et de la Tabletterie (Perlmutt- und Drechslereimuseum) in Méru, Département Oise, ausgestellt werden.
Artikel über weitere Sammlergebiete finden Sie im Barnebys Magazin
Aktualisierte Version eines Artikel vom 11. März 2022




