Im ersten Teil dieses Ratgebers haben wir aufgezeigt, wie man seine moderne Küche mit ihren Einbauschränken und allerhand technischem Schnickschnack mit historischen Möbelstücken aufpumpen kann. Im zweiten Teil beschäftigen wir uns nun mit dem…
Wohnzimmer
Der traditionelle Wohnbereich kann eine der spannendsten Herausforderungen für einen Stilmix sein. Moderne Sitzmöbel sind in der Regel sehr bequem und zweckmäßig – oftmals aber auch unnötig sperrig. Als historisches Äquivalent bieten sich hier spätviktorianische Stücke an, die sich von den nüchternen, abgerundeten, länglichen Formen unterscheiden, von denen viele moderne Designs geprägt sind. Howard & Sons wird ganz besonders mit diesen bequemen und diskreten Designs in Verbindung gebracht und bis heute oft kopiert.

Die klassizistischen Regency-Designs des frühen 19. Jahrhunderts, die von der Antike inspiriert sind, haben mit ihrem extravaganten Armlehnen und Säbelbeinen eine eher skulpturale Qualität und bieten den Vorteil, dass sie großartig aussehen, wenn sie unbesetzt sind, und theatralisch im Fall der Benutzung. Eine Chaiselongue oder ein ähnliches Möbelstück in diesem Stil sind praktisch die Definition von berüchtigter Eleganz.
Weniger theatralisch erscheinen hingegen die Sofas und Sessel des späten 18. Jahrhunderts, als der Klassizismus noch in den Kinderschuhen steckte. Ihre eleganten rechteckigen Formen, manchmal mit verschnörkelten Arm- und Rückenlehnen, lassen sich leicht mit zeitgenössischen Interieurs kombinieren. Als Oberflächendekoration dominieren zu dieser Zeit, vor allem in England, feine Furniere und Intarsien. Einige Stühle im Sheraton-Stil könnten mit ihrer schlichtem, schnörkellosen Eleganz fast aus den 1950er Jahren stammen.
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Die Biedermeierzeit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland und Österreich zeichnete sich durch starke Maserungen mit minimalen dekorativen Details aus. Bevorzugt wurden helle Hölzer wie Kirsche, Esche und Ahorn, die oft mit ebonisierten Leisten hervorgehoben wurden. Auch hier war, wie beim französischen Empire oder dem englischen Regency, der Einfluss des antiken Griechenlands noch immer spürbar. Insbesondere die bündigen Oberflächen und die kühne Geometrie von Schreibtischen und Sekretären können leicht mit Art déco-Designs der 1920er Jahre verwechselt werden.
Seit dem Ausbau des Ostasienhandels im 17. Jahrhundert gehören chinesische Möbel zum Repertoire der Innenarchitektur im Westen. Die Stühle, Tische und Kommoden des 17. und 18. Jahrhunderts aus Harthölzern sind ein Feuerwerk der Handwerkskunst und Formen und ergänzen auch das strengste minimalistische Interieur auf hervorragende Weise. Glücklicherweise wurden diese Designs immer wieder aufgegriffen, sodass man günstigere Alternativen zu den horrenden Preisen findet, die oftmals für Originale aus der Zeit aufgerufen werden.
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Schlichte Wände verlangen geradezu nach etwas, das das Auge festhält, und ein dekorativer Spiegel mit vergoldetem Rahmen ist ein guter Anfang. Vergoldetes Holz oder andere vergoldete Oberflächen werden normalerweise nicht mit moderner Innenarchitektur in Verbindung gebracht – vielleicht mit Ausnahme des einen oder anderen Bilderrahmens. Ein gut platziertes einzelnes Objekt kann seine eigene Qualität und die seiner Umgebung jedoch betonen.
Ein starkes barockes Design aus dem späten 17. oder frühen 18. Jahrhundert mit einem geschnitzten Rahmen aus symmetrischen Schnörkeln und Blattwerk oder die darauf folgende Rokokomode à la Chippendale oder Louis XV verleihen einem kühlen Raum Eleganz.
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Gut funktionieren auch extravagante Hingucker wie Kabinettschränke auf geschnitzten Konsolen oder kunstvoll intarsierte Truhen. Japanische und chinesische Lackschränke des 18. Jahrhunderts mit gemalten und vergoldeten Dekorationen können einem Raum beträchtlichen Glanz verleihen, insbesondere in den roten, grünen oder den weniger verbreiteten cremefarbenen Varianten. Immer wieder unterschiedlich kombinierte Intarsien, Lacke, Farben und exotische Hölzer wurden in ganz Europa verwendet, um immer opulentere Effekte zu erzielen. Der Trick bei der Platzierung in einer modernen Umgebung lautet hier eindeutig „weniger ist mehr“ und man sollte sich auf ein einzelnes Stück im Raum beschränken.
Offene Bereiche
In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts waren opulente runde Mitteltische in Mode, die gerne aus exotischen Hölzern gefertigt und mit vergoldeten Bronzebeschlägen verziert wurden. Die begehrtesten Beispiele haben Oberflächen aus unterschiedlichen Steinplatten (Pietra dura) oder komplexe Intarsienarbeiten aus tropischen Hölzern.

Diese Tische eignen besonders für die Positionierung in großen Eingangsbereichen oder in offenen Räumen, die Wohn- und Essbereich in sich vereinen. Die Tische eignen sich natürlich auch hervorragend als Ablage. Wer jedoch über ein Exemplar mit aufwendig verzierter Oberfläche verfügt, sollte diese Option nur temporär wählen.
Zusammenfassung
Wer das Alte mit dem Neuen verbinden möchte, kann dies auf zwei Arten tun: Bei der ersten fügt man frühere Stile, die zufällig dem aktuellen Geschmack entsprechen, in sein zeitgenössisches Interieur ein. Bei der zweiten verwendet man hochdekorative Objekte, um einen vollständigen Kontrast zu schaffen.

Wir haben das große Glück, über ein so großes Repertoire an historischen Möbeln und Stilen zu verfügen, und es wäre schade, einige davon nicht in unser modernes Leben zu integreren. Viele ältere Objekte wurden von Hand gefertigt und oft aus Materialien, die heute knapp und teuer geworden sind.
Das moderne Design hat uns unzählige Vorteile gebracht, aber mehr Spaß hat man auf jeden Fall, wenn man es mit etwas Amüsantem, Exquisitem, Lehrreichem oder sogar leicht Anstößigem kombiniert. Schließlich ist die Moderne mittlerweile eine antike Form, die uns seit mehr als hundert Jahren begleitet.
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Artikel von Martin Snape
Martin Snape arbeitete in leitender Position bei Sotheby’s in der Bond Street, wo er 32 Jahre lang als Gutachter für englische und europäische Möbel tätig war. Neben dem Verfassen von Bewertungen hat Martin Vorträge zu den verschiedensten Aspekten des Möbeldesigns und der Möbelgeschichte gehalten, einschließlich spezialisierter Kurse am Sotheby’s Institute und anderen professionellen Institutionen.









