Um für ein wenig Klarheit zu sorgen, sind wir bis ins 15. Jahrhundert zurückgegangen und haben uns die verschiedenen Stilepochen seitdem einmal etwas näher angeschaut.
Renaissance (1450-1650)

Ausgehend von Italien eroberte der Renaissancestil im 16. Jahrhundert Europa im Sturm. Die "Wiedergeburt" der Antike war interessanterweise der Start in die Neuzeit, der das "finstere Mittelalter" endgültig hinter sich ließ. Die Möbel dieser Epoche waren einem streng geometrischen Aufbau unterworfen, der sich an der Architektur orientierte. Ihr Dekor bestand aus Morisken, Akanthuslättern, Grotesken und Zierbeschlägen.
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Barock (1650-1720)

Mit schwer und massiv, repräsentativ und würdevoll lassen sich die Möbel des Barockzeitalters wohl am besten beschreiben. Dunkles, geschnitztes Holz steht im Zentrum der bürgerlichen Wohnstuben, während die Aristokratie auf vergoldete und bemalte Elemente setzt. "Barock" leitet sich vom portugiesischen Wort "barroco", mit dem eine unregelmäßig geformte Perle beschrieben wird. In Gebrauch kam der Begriff jedoch erst, als der Stil bereits seinem Ende entgegensah und man ihn damit als "übertrieben" oder "eigenartig" beschrieb.
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Rokoko (1720-1775)

Nach all der wuchtigen Repräsentation des Barock wurde dieser im frühen 18. Jahrhundert durch die Leichtigkeit und Intimität des Rokoko abgelöst. Der Begriff "Rokoko" wurde ebenfalls erst im Nachhinein geprägt, und leitet sich von dem französischen Wort "rocaille" für "Muschelwerk" ab, das eines der Hauptelemente des Stils beschreibt. Die zarten Farben und das elegante, vergoldete Schnitzwerk wurden durch Einflüsse auf Fernost ergänzt, die in den allgegenwärtigen Chinoiserien zum Ausdruck kamen. Es war auch die Epoche der großen Kunsttischler, die ihre Erzeugnisse mit aufwändigen Intarsien und Marketerie verzierten.
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Klassizismus und Empire (1775-1815)

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts endete auch die verspielte Leichtigkeit des Rokoko und ging in die antizipierenden Formen des Klassizismus über. Griechische, römische und etruskische Elemente fanden sich nun in den Salons der Aristokratie und des gehobenen Bürgertums wieder. Vor allem in Frankreich, wo das Kaiserreich Napoleons dem aus dem Klassizismus hervorgegangenen Empire-Stil (1800-1815) seinen Namen gab, mischten sich auch ägyptische Einflüsse darunter, die nach dem Ägyptenfeldzug Napoleons populär wurden.
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Biedermeier (1815-1848)

Nach den Aufregungen rund um die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege, dürstete es viele Menschen nach häuslicher Beschaulichkeit und in den Ländern Europas wurde diesem Wunsch von der Obrigkeit nur zu gerne entsprochen. Das Ergebnis war der elegant-schlichte Biedermeier-Stil, bei dem großen Wert darauf gelegt wurde, das die bescheidene Zier der Holzmaserungen besonders gut zur Geltung kam. Auch beginnt man in dieser Epoche damit, alte Stile wieder aufleben zu lassen und damit ein neues Nationalbewusstsein zu schaffen. Etwa mit der Neogotik, mit der in Deutschland auf romantische Weise das Ideal der Ritterzeit heraufbeschworen wurde.
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Historismus (1848-1915)

Das, was in der Epoche des Biedermeiers bereits begonnen hatte, setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem Historismus verstärkt fort: Die Rückbesinnung auf ältere Stilepochen. Auf modifizierte Weise ließ man das Rokoko wieder aufleben, genauso wie die Renaissance oder den Barock. Hinzu kamen byzantinische und romanische Elemente der Spätantike, gemischt mit einer gehörigen Portion Orientalismus, der für Exotik sorgte. Vor allem in und an den Prachtbauten der europäischen Metropolen wie Wien oder Paris vermischte man alle Stile zu einem eklektischen Mix, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend kritisch betrachtet wurde.
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Jugendstil (1890-1920)

Ein neuer Stil entstand, der sich aus dem Arts and Crafts Movement in England entwickelte. Dort und in Frankreich wurde er Art nouveau, also "Neue Kunst", genannt, in Deutschland setzte sich die Bezeichnung "Jugendstil" durch. Der Stil ist geprägt durch Elemente der Natur. Florales Dekor spielt dabei die größte Rolle und wirkt trotz ihrer geschwungenen Linien und Verspieltheit nie überladen. Ein Effekt, den der Jugendstil der Beimischung von grafischen Elementen aus Japan verdankt.
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Art déco (1915-1940)

Art déco ist die verkürzte Form von "Art décoratif" und hier ist der Name wirklich Programm. Der moderne Stil setzt durch und durch auf dekorative Elemente, edle Materialien und plakativ eingesetzte kräftige Farben, die Luxus und Raffinesse vermitteln, dabei aber die Funktionalität nicht aus den Augen verlieren sollen. Das moderne Design beginnt allmählich Fuß zu fassen, erleichtert durch neue Fertigungsmöglichkeiten, die die Serienherstellung von Möbeln ermöglichen.
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Moderne (1940-heute)

Den größten Einfluss auf das moderne Design des 20. Jahrhunderts hatte das von 1919 bis 1933 bestehende Bauhaus unter der Leitung von Walter Gropius, das eine völlig neue Formensprache kreierte. Ebenfalls bedeutsam ist die Erfindung und der Zugang der Designer zu neuen Materialien, allen voran natürlich das Plastik, das sich in bis dato völlig ungeahnte Formen verbiegen ließ. Starke Impulse für die "europäische Wohnlandschaft" kommen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts aus Italien und ganz besonders aus Skandinavien.




