Das Leben beginnt wieder von Neuem, wenn es das Knistern des Herbstes erhält.
Die Herbstsaison ist durch kühlere Temperaturen, kürzere Tage und in leuchtenden Farben erglühende Bäume gekennzeichnet. Hier sind fünf Gemälde, die uns daran erinnern, wie bezaubernd und erfrischend ein Spaziergang im Herbst sein kann.
Claude Monet, Herbst an der Seine in Argenteuil, 1873

Der Blickwinkel des Gemäldes deutet darauf hin, dass Claude Monet auf dem Wasser malte, vermutlich an Bord seines berühmten Atelierbootes, das er auch in vielen seiner Werke darstellte. Die brillanten Farben spiegeln sich mit einer solchen Detailgenauigkeit in der Wasseroberfläche, dass man das Ufer der Seine kaum noch wahrnehmen kann. In der Ferne fällt der Blick auf das Château Michelet, das 1871, das Jahr von Monets Ankunft in Argentueil, erbaut wurde. Während die Bäume links im Bild noch ein goldenes Blätterkleid tragen, weisen die Farben der Bäume ihnen gegenüber bereits die kühlen Töne des Winters auf. Hat Henri de Toulouse-Lautrec vielleicht ähnliches Bild vor Augen gehabt, als er sagte, dass der Herbst der Frühling des Winters ist?
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Vincent van Gogh, Pappelallee im Herbst, 1884

Dieses Gemälde entstand im Oktober 1884 während Vincent van Goghs Aufenthalt im niederländischen Nuenen. In einem Brief beschrieb er es seinem Bruder Theo: „Meine letzte Arbeit ist die recht große Studie einer Pappelallee mit gelben Herbstblättern, dem verschwindenden Licht und Punkten hier und da, die herabgefallene Blätter auf der Erbe darstellen und mit den Schatten der schlanken Bäume kontrastieren. Am Ende der Allee steht ein kleines Häuschen, über dem man den blauen Himmel durch das Herbstlaub sehen kann.“
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Gustav Klimt, Birkenwald, 1903

Bei Gustav Klimts Darstellung eines Herbstwaldes ist kein Stück blauer Himmel zu sehen. In Birkenwald ragen die silbernen Stämme der Bäume aus einem Teppich leuchtender Blätter heraus und lenken den Blick des Betrachters so vollständig auf das Unterholz, das, wie so oft in Klimts Werken, noch nie von Mensch oder Tier betreten wurde. Die Zeit schient still zu stehen und die Atmosphäre ist beinahe klaustrophobisch, ganz so wie Klimt es empfunden hat. Nur der Künstler scheint die Geheimnisse der Natur zu kennen, weiß sie aber dem Betrachter des Gemäldes zu vermitteln.
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Konrad Alexander Müller.Kurzwelly, Bachlauf im Herbstwald, um 1914

„Und wie liebe ich, oh Jahreszeit, wie liebe ich Dein Gewisper
Die fallenden Früchte, die niemand aufhebt
Den Wind und die Bäume, die im Herbst
Blatt für Blatt all ihre Tränen weinen“
Was könnte besser zu diesem Auszug aus Apollinaires Automne malade (Guillaume Apollinaire, Alcool, 1913) passen, als dieses Gemälde von Konrad Alexander Müller-Kurzwelly? Bachlauf im Herbstwald zeigt die von den Bäumen fallenden Blätter, die herumwirbeln, funkeln und schließlich vom Wasser des Bachs davongetragen werden. Dem naturalistischen deutschen Maler des frühen 20. Jahrhunderts, dessen Werke größtenteils im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, ist es perfekt gelungen, die Magie des Herbstes einzufangen.
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Wassily Kandinsky, Herbst in Bayern, 1908

Rot, Orange, Gelb, Rosa, Violett... Wassily Kandinsky bietet uns durch seine charakteristische, lebendige Farbpalette seine revitalisierte Version des Herbstes. Seine farbenfrohe, sonnengesprenkelte Herbstszene spiegelt eine Abkehr von den friedlicheren und gedämpfteren Landschaften, die wir oben gesehen haben, wider. Die gelben Flecken, die auf der bayerischen Straße knospen, erinnern daran, dass, wie Camus es so treffend formulierte, „der Herbst ein zweiter Frühling ist, in dem jedes Blatt eine Blume ist“.
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