Geboren 1858 in Radeburg bei Dresden zog Heinrich Zille im Alter von neun Jahren mit seiner Familie nach Berlin. Familie Zille bewohnte dort eine ärmliche Kellerwohnung, bevor sie es sich durch eine Erbschaft leisten konnte, ein kleines Haus in Lichtenberg zu bauen. Dem Vater schwebte für seinen Sohn eine Karriere als Metzger vor, doch Heinrichs Zeichenlehrer konnte ihn schließlich überzeugen, den begabten 14-jährigen die Ausbildung zum Lithographen antreten zu lassen. Nebenbei besuchte Heinrich Zille Abendkurse beim Illustrator und Karikaturisten Theodor Hosemann an der Königlichen Kunstschule. Von seinem Lehrer bekam er die ersten Anregungen, sich zeichnerisch mit der Berliner Arbeiterschicht auseinanderzusetzen.
Nach diversen Zwischenstationen wurde Zille 1877 als Reproduktionstechniker bei der Photographischen Gesellschaft Berlin eingestellt - eine Anstellung, die dreißig Jahre andauern sollte. Unterbrochen wird seine Arbeit dort nur durch seinen Militärdienst, der ihn nach Frankfurt an der Oder und Sonnenburg führt, wo er zahlreiche Skizzen anfertigt.
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Im Dezember 1883 heiratet Zille Hulda Frieske, mit der er eine Wohnung im Bezirk Lichtenberg bezieht. Der Hochzeit folgen drei Kinder und drei Umzüge. Der letzte Umzug führt die Familie nach Charlottenburg. Die Wohnung im 4. Stock des Mietshaus Sophie-Charlotte-Straße 88 wird Zille für den Rest seines Lebens bewohnen.

Durch seine Arbeit bei der Photographischen Gesellschaft lernt Zille viele Künstler kennen, darunter Max Liebermann und Paul Klimsch. Diese waren von Zilles Zeichnungen und herzlich-derben Karikaturen, die dieser gern mit berlinerischen Texten versah, begeistert, die in den Hinterhöfen der deutschen Hauptstadt entstanden waren. Die Arbeiterviertel mit ihren ärmlichen und beengten Verhältnissen und vor allem die dort lebenden Kinder wurden zu Zilles "Milljöh". 1901 zeigte Zille einige Werke bei der Ausstellung für Zeichnende Künste der Berliner Secession, zwei Jahre später folgte die Aufnahme in die Künstlervereinigung, 1913 wird er Vorstandsmitglied der neugegründeten Freien Secession.
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Vermutlich angeregt durch seine Arbeit bei der Photographischen Gesellschaft beschäftigte sich Zille einige Jahre mit dem Medium Fotografie. Wie mit seinem Zeichenstift, erforschte er auch mit dem Kameraobjektiv vorwiegend das Leben der untersten Gesellschaftsschicht Berlins.
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1907 wird er von seinem Arbeitgeber entlassen und lebt nun ausschließlich von seinem Einkommen als freischaffender Künstler. Zille zeichnet für Zeitschriften wie das Satireblatt Simplicissimus, Jugend und Lustige Blätter. In den folgenden zwanzig Jahren erscheinen eine Vielzahl von Mappenwerken, die den Betrachter in das "Milljöh" des mittlerweile von den Berlinern liebevoll als "Pinselheinrich" bezeichneten Zille entführen. Während des Ersten Weltkriegs veröffentlicht er Arbeiten, die den Krieg und seine Folgen für die Bevölkerung kritisch beleuchten.

Doch nicht alle Arbeiten Zilles finden Anklang, zumindest nicht bei der Obrigkeit. 1921 veröffentlichte er den Zyklus Hurengespräche, der das Leben von Arbeiterfrauen, die aufgrund ihres kärglichen Lohns gezwungen sind, nebenher als Prostituierte zu arbeiten, zum Thema hat, wohlweislich unter falschem Namen und mit falscher Jahreszahl. 1925 wurde er schließlich für die Veröffentlichung der Zeichnung Modellpause im Simplicissimus zu einer Geldstrafe verurteilt.
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Zu jenem Zeitpunkt ist Zille bereits Witwer: Seine Frau Hulda war 1919 gestorben. 1924 wird der Künstler in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen und mit einem Professorentitel ausgestattet. Zilles Zeichnungen und Erzählungen fanden sogar Einlass in die Welt des noch recht jungen Mediums Film.
Nachdem sein 70. Geburtstag 1928 in Berlin mit großen Feierlichkeiten begangen worden war, starb Heinrich Zille am 9. August 1929 in Folge zweier Schlaganfälle in seiner Wohnung in Charlottenburg.




