In Bezug auf eine Gemälde von Caravaggio sprach der Historiker Giulio Carlo Argan (1909-1992) seinen berühmten Satz: „Das Göttliche offenbart sich in Demut“. Schon lange vor ihm hatte der heilige Augustinus bekräftigt, dass Demut die Menschen mit den Engeln gleichstellt. Ohne sich allzu sehr in theologische oder philosophische Theorien zu verstricken, lässt sich bemerken, dass so mancher Künstler von seinen weniger privilegierten Mitbürgern fasziniert war.
10. Pieter Brueghel der Ältere, Bauerntanz, 1567

Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen spezialisierte sich der niederländische Maler Pieter Brueghel d. Ä. auf Genrebilder aus dem Leben der Bauern. Er porträtierte das ländliche Leben ohne es zu idealisieren, nicht selten mit einem Augenzwinkern. Heute bieten diese Gemälde außerdem interessante Einblick in die damalige Zeit. Mit Bauerntanz führt uns Brueghel mitten hinein in ein Dorffest, dessen Teilnehmer springen, tanzen und essen. Gemälde dieser Art waren beim Adel und dem wohlhabenden Bürgertum beliebt, konnte man sich anhand ihrer doch die eigene Kultiviertheit vor Augen führen…
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9. Vincenzo Campi, Die Ricotta-Esser, 1580

Der aus Cremona stammende Künstler Vincenzo Campi ist für sein breitgefächertes Œuvre bekannt, das sowohl Altarbilder mit feiner Dramatik als auch Genreszenen mit an Albernheit grenzenden Figuren umfasst. In Die Ricotta-Esser sind die Charaktere absurd dargestellt, wie sie unersättlich frischen Ricotta in sich reinschaufeln. Anzumerken ist, dass Ricotta (und Käse im Allgemeinen) damals als geeignetes Nahrungsmittel der unteren Schichten betrachtet wurde. Das Offenherzige Dekolleté der Frau verleiht der Szene eine unbeholfene Sinnlichkeit, während der Mann am linken Bildrand, der den Mund voller Ricotta hat, zum grotesken Charakter des Gemäldes beiträgt.
8. Annibale Carracci, Der Bohnenesser, ca. 1584-85

Der Bohnenesser ist ein frühes Meisterwerk von Annibale Carracci. Nicht nur ist ein bedeutendes Beispiel der Genremalerei, es bietet uns auch einen Einblick in die gesellschaftlichen Normen jener Zeit, insbesondere in Bezug auf Lebensmittel. Im 16. Jahrhundert galten dunkle Lebensmittel, die nah am Boden wachsen, wie Bohnen, als geeignete Nahrung für jene Menschen, die sich am Boden der Gesellschaft befanden, wie beispielsweise Bauern. Carraccis Gemälde zeigt einen Mann beim Verspeisen eines Bohnengerichts, der inmitten seiner Bewegung innehält. um den Betrachter beinahe erschrocken anzublicken. Fürchtet er um sein bescheidenes Mal? Jedenfalls ruht seine Hand auf einem Stück Brot. Die Komposition ist in blassen Brauntönen gehalten, die das vermutlich eintönige Lebend es Dargestellten widerspiegeln.
7. Diego Velázquez, Die Alte beim Eierbraten, 1618

Auch in diesem Gemälde von Diego Velázquez, der vor allem für seine prunkvollen Porträts der spanischen Königsfamilie bekannt ist, dreht sich alles ums Essen. Dargestellt ist die schlichte Alltagsszene mit einer alten Frau, die Eier zubereitet. Dieser Vorgang ist an und für sich nichts Besonderes. Durch den vortrefflichen Einsatz von Schatten und Licht hat Velázquez es jedoch Geschafft, der Szene eine Dramatik zu verleihen, womit er den Beweis antritt, dass alles etwas Besonderes sein kann, wenn man es nur richtig in Szene setzt.
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6. Bartolomé Esteban Murillo, Der junge Bettler, 1645-1650

Wie Velàzquez scheute auch sein Landsmann Bartolomé Esteban Murillo sich nicht, die armen Bevölkerungsschichten genauer unter die Lupe zu nehmen und mit viel Sorgfalt auf die Leinwand zu bannen. Im Laufe seines Lebens hatte er genügend Gelegenheit dazu, denn seine Heimatstadt und Wirkungsstätte Sevilla wurde nicht nur von einer Pestepidemie, sondern auch von einem Erdbeben heimgesucht. Etwa zu der Zeit, inder Junger Bettler entstand, führte Murillo einen Gemäldezyklus für das Franziskanerkloster in Sevilla aus, der auch das Werk Die Armenspeisung des heiligen Diego de Alcalá umfasste. Vielleicht ließ sich der Maler davon für die Darstellung des armen Jungen inspirieren, der in dem durch ein Fenster fallendes Licht, seine Kleidung nach Flöhen absucht.
5. Jan Vermeer, Dienstmagd mit Milchkrug, um 1660

Eine der berühmtesten Dienstmägde der Kunstgeschichte ist jene, die Jan Vermeer auf einem um 1660 entstanden Gemälde Milch aus einem Krug in eine Schale gießen lässt. Ihr ernster und konzentrierter Gesichtsausdruck und das von oben einfallende Licht lassen sie fast wie eine Heilige erscheinen. Diese Wirkung wird durch die bescheidene Umgebung verstärkt, der nur ein Fußofen und einige blau bemalte Delfter Kacheln etwas Wohnliches verleihen.
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4. Jean-François Millet, Das Angelusläuten, 1857-59

Selbst der Sohn eines Bauern, liebte der aus der Normandie stammende Maler Jean-François Millet es, die ländliche Welt und die Akteure darin in ihrem mühsamen Dasein würdevoll darzustellen. Eines seiner bekanntesten Werke, Das Angelusläuten, zeigt ein betendes Bauernpaar. Da es mitten auf dem Feld steht, lässt sich annehmen, dass der Mann und die Frau ihre Arbeit für das Gebet unterbrachen. Die Szene ist feierlich und intim zugleich, gebettet in dem Licht der untergehenden Sonne. Als Salvador Dalí als Kind eine Kopie des Gemäldes an der Wand seiner Schule hängen sah, war er davon so berührt, dass es jahrelange Studien und das Buch Le Mythe Tragique de l’Angélus de Millet zur Folge hatte.
3. Teofilo Patini, Spaten und Milch, 1883-84

Der aus den Abruzzen stammende Maler Teofilo Patini widmete sein Talent im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert der Darstellung des ländlichen Lebens. Seine Kunst war für ihn das Werkzeug, mit dem er die miserablen Lebensumstände jener Menschen anprangern konnte. Gleichzeitig hob er die Widerstandsfähigkeit und Würde eben jener Menschen hervor. Das Gemälde Spaten und Milch ist Teil einer „sozialen Trilogie“, die auch die Werke Der Erbe und Lasttiere umfasst. Spaten und Milch zeigt eine kleine Bauernfamilie auf dem Feld. Man scheint soeben gegessen zu haben, wie eine Schale in der unteren rechten Bildecke verrät. Der Vater ist bereits wieder bei der Arbeit, während die junge Mutter sich noch einen Moment Zeit nimmt, um ihr Kind zu stillen.
2. Vincent van Gogh, Die Kartoffelesser, 1885

Auch einem so sensiblen Künstler wie Vincent van Gogh entging das schwere los der einfachen Bevölkerung nicht. Vor allem während seiner holländischen Periode widmete er sich, in dunklen Farben, die er von Barockkünstlern wie Rembrandt und Frans Glas übernommen hatte, diesem Sujet. Einer dieser Gemälde, das auch das bekannteste jener Schaffenszeit war, ist Die Kartoffelesser. Das nur schwache Licht der Szene beleuchtet die Gesichter von fünf um einen Tisch versammelte Menschen, die sich ihrem bescheidenen Mal widmen. Ihre müden und verzerrt dargestellten Gesichter und knorrigen Hände zeugen von ihrem harten Leben. Van Gogh war es wichtig, mit dem Bild auch Emotionen zu transportieren und widmete dem Gemälde mehr Aufmerksamkeit als jedem anderen seines Œuvres.
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1. Marc Chagall, Die Bauern, 1971

Ganz anders sind die von leuchtenden Farben dominierten Werke von Marc Chagall, die dem bäuerlichen Leben gewidmet sind. Es war eines seiner Lieblingsthemen und mit autobiografischen Bezügen zu dem Dorf, in dem er aufgewachsen war, gespickt. Das 1971 entstand Gemälde Die Bauern wird von einem jungen Paar dominiert. Während der junge Mann seinen Kopf zärtlich seiner Begleiterin zugeneigt hat, blickt diese schüchtern zur Seite. Ihre bloßen Füße lassen darauf schließen, dass sie arm sind, doch macht ihr Glück diesem Umstand wieder wett und das junge Paar dadurch zu reichen Menschen.




