Während die meisten Kunden von Goodwill, einer Wohltätigkeitsladenkette, die vor allem in den Vereinigten Staaten und Kanada ansässig ist, wissen, dass es einiger Zeit und Mühe bedarf, ein wirklich außergewöhnliches Objekt zu finden, hatte die Antiquitätenhändlerin Laura Young das Glück, per Zufall auf etwas wirklich Spektakuläres zu stoßen. Als sie 2018 die Goodwill-Filiale im texanischen Austin besuchte, entdeckte sie die Marmorbüste eines Mannes im griechisch-römischen Stil, auf deren Preisschild die überschaubare Summe von 34,99 US-Dollar (ca. 32 Euro) stand.

Die Detailgenauigkeit und gute Qualität der Arbeit entgingen Young nicht und nachdem sie die Büste erworben hatte, kontaktierte sie mehrere Auktionshäuser und weitere Institutionen, die ihr bei der Identifizierung helfen sollten. Die Antwort, die sie vom Sotheby's-Experten Jörg Deterling erhielt, war äußerst schockierend: er hielt die Büste für eine römische Arbeit aus dem ersten Jahrhundert vor Christus oder dem ersten Jahrhundert nach Christus. Und das war noch nicht alles.
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Die Büste war einst vom bayerischen König Ludwig I. (1786-1868) erworben worden, der sie in seinem Pompejanum, der bei Aschaffenburg errichteten Kopie einer pompeijanischen Villa, ausstellte. Anhand von Archivmaterial und Fotografien konnte die bei Sotheby's erfolgte Identifizierung von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen bestätigt werden.

Die Identität des Dargestellten ist bei Experten hingegen umstritten. Am wahrscheinlichsten handelt es sich dabei jedoch um Sextus Pompeius, einen Gegner Julius Caesars und Sohn des Feldherrn Pompeius Magnus, der zuvor bereits gegen Caesar gekämpft hatte und schließlich auf Anweisung des ägyptischen Pharaos Ptolemäus III. (Bruder und Ehemann von Kleopatra) ermordet worden war. Eine andere Möglichkeit ist Drusus Germanicus, der jüngere Bruder des Kaisers Tiberius.
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Wo sich die Büste zwischen ihrer Erschaffung und dem Erwerb durch den bayerischen König befand, ist unbekannt. Ebenso unbekannt ist, wie sie in das Regal des Goodwill-Ladens in Austin gelangen konnte. Höchstwahrscheinlich wurde sie während oder nach Ende des Zweiten Weltkriegs von einem amerikanischen Soldaten aus dem Pompejanum mitgenommen.
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Die Gegend war stark von den Angriffen der Alliierten betroffen, während denen auch die Villa beschädigt wurde, was viele Jahre der Restaurierung nach sich zog. Irgendwann während dieser Periode verschwand die Büste. Aufgrund ihres potenziellen Status als Beutegut hätte die unbekannte Person, die sie in die Vereinigten Staaten transportiert hat, ein Kriegsverbrechen begangen.
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Laura Young und die Regierung der Bundesrepublik konnten sich auf eine Restitutionsvereinbahrung einigen und die Büste wird später in diesem Jahr nach Deutschland zurückkehren. Bis Mai wird sie noch in einer aktuellen Ausstellung im San Antonio Museum if Art in Texas zu sehen sein.









