Jean-Jacques Sempé wurde am 17. August im südwestfranzösischen Pessac geboren. Durch seinen alkoholkranken Stiefvater war seine Kindheit von Gewalt und Armut geprägt. In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft entkam er dieser Situation mit Hilfe seiner Fantasie und einiger Stifte. Zuflucht fand das einsame Kind, das zum Stottern neigte, in der Schule, in den Zeitschriften seiner Mutter und im Radio, wodurch ihm der Weg in einer andere Welt voller Musik und Literatur gezeigt wurde.

Einfallsreich aber ungebildet, zeichnete er im Alter von 12 Jahren Micky Maus, lieferte mit 14 mit dem Fahrrad Zahnpulver und Wein aus und machte sich mit 17 auf den Weg nach Vincennes bei Paris, wo er seinen Militärdienst ableistete.
Ich habe mich zur Armee gemeldet [meine Güte!] … Ich habe alles versucht, um in Paris zu bleiben. Ich war bereit, alles zu tun!
Begeistert vom Jazz, verpasste er kein Radiokonzert seiner Idole Duke Ellington und Ray Ventura. 2012 gestand er, einmal auf freiem Feld einen Bus angehalten zu haben, um sich bei Leuten einzuladen, bei denen er ein Radio-Live-Konzert von Ellington hören konnte.

Durch seine Leidenschaft für Musik lernte er jede Menge Musiker kennen. Er selbst hielt jeden (und damit sich selbst), der „nicht weiß, wie man Musik liest, und nicht Musiktheorie studiert hat“ für einen musikalischen Analphabeten.
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In Paris blühte Sempé auf: Er liebte die Metro, die Busse, die Schaufenster, die Herren mit ihren Hüten und die Damen mit ihren Handtaschen, die er montags unter einer Eiche im Le Luco und sonntags in der Kirche Saint-Sulpice beobachtete. Eher ungewöhnlich: Er empfand die Pariser als sehr fröhliche Menschen!

1950 veröffentlichte er einige Zeichnungen in Sud-Ouest Dimanche, einer Zeitschrift mit ausgezeichnetem Ruf; 1954 lernte er René Goscinny in einer Drogerie auf den Champs-Élysée kennen. Der „Molière der Comics“ faszinierte ihn und wurde sein erster Freund in Paris: „Er kam aus den Vereinigten Staaten zurück. Er hat mit enorm beeindruckt. Er war ein bisschen wie ein Kosmonaut, der von einer Mission zurückkehrt.“ Es war der Auftakt zu einem 10-jährigen Abenteuer: Mit Le Petit Nicolas (diesen Vornamen trug auch Sempés Sohn) schufen sie gemeinsam einen Traumspielplatz mit tollen Kindern und dramafreiem Gezänk. Sempé und Goscinny arbeiteten von 1956 bis 1965 an dieser Reihe von Kurzgeschichten, das durch sein Flair einer Kinderliteratur mit einem tiefen philosophischen Hintergrund zu einem immensen Erfolg wurde.
Die Geschichten von Nicolas waren eine Möglichkeit, das Elend, das ich als Heranwachsender erduldete, noch einmal Revue passieren zu lassen und gleichzeitig sicherzustellen, dass am Ende alles gut wird.

Durch seinen Erfolg erhielt Sempé in Paris viele Einladungen und Möglichkeiten. Er veröffentliche in France Dimanche, Paris Match, Le Figaro, L’express und Télérama und schwang vielerorts das Tanzbein (Le Flore, Lipp, Castel, La Closerie). Sein Charme kam bei den Damen gut an: Françoise Giroud, Françoise Sagan, Simone Signoret und Brigitte Bardot zählten zu seinem Bekanntenkreis.
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1978 schuf er sein erstes Titelbild für das amerikanische Magazin The New Yorker, Hunderte sollten folgen.
Mir wurde oft gesagt: Du musst ihnen eine Zeichnung schicken. Aber ich habe mich nicht getraut.
Auch veröffentlichte er jedes Jahr ein Album für den Verlag Éditions Denoël mit Titeln wie bourrasques et accalmies („Böen und Flauten“), tout se complique („Alles wird kompliziert“), sauve qui peut („Rette sich, wer kann“) oder rien n’est simple („Nichts ist einfach“).

Sempés Zeichnungen sind Begegnungen zwischen menschlicher Verletzlichkeit und der Schönheit der Welt, zwischen Dummheit und Genialität, Demut und Grandiosität.
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Als sturer Perfektionist, nahm er sich unendlich viel Zeit, um seine kleinen Gefährten, die sich in der Weite seiner Gedanken verirrt hatten, zu Papier zu bringen.
Ich glaube, ich zeichne jeden Tag, aber es ist sehr selten, dass ich eine Zeichnung an einem Tag vollende. Ich arbeite sehr, sehr langsam. Es nervt mich, aber so ist es! Ich schreibe mir selbst ein Image vor, das ich erreichen möchte und das ich natürlich nicht erreiche!
2011 wurde Sempé, der Paris so sehr liebte, die Ehre zuteil, eine ihm gewidmete Ausstellung im Hôtel de Ville erleben zu dürfen. Drei Jahre später durfte er für die Monnaie de Paris eine Münzserie zum Thema „Werte der Republik“ entwerfen. Im Juni 2021 präsentierte Artcurial eine erste ausschließlich Sempés Arbeiten gewidmete Auktion, die mit einem Gesamtergebnis von 1,1 Millionen Euro ein großer Erfolg war. Auch ein Rekord wurde aufgestellt, und zwar mit dem Werk 4th of July, dass den amerikanischen Nationalfeiertag zum Thema hat. 1980 hatte er das Aquarell für den New Yorker geschaffen. Verkauft wurde es für 66.979 Euro, was dem doppelten Schätzpreis entsprach.

Am 11. August 2022 starb Jean-Jacques Sempé, der sich nie völlig der Vernunft ergab, umgeben von seinen Lieben, mit 89 Jahren in seinem Ferienhaus in Südfrankreich.
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